Theorien
 
Edwin Sutherlands
Edwin Sutherlands Theorie der differentiellen Assoziation
Die Theorie der differentiellen Assoziation wurde 1939 von Edwin Sutherland entwickelt. Nach dieser Theorie sind abweichendes und konformes Verhalten die Folge eines Lernprozesses. Dabei spielen Vorbilder eine große Rolle.

Die Kernaussage der Theorie besagt, dass Kontakt mit delinquenten Verhaltensmustern die Wahrscheinlichkeit delinquenten Verhaltens erhöht. Für Sutherland bedarf es neben den Fähigkeiten und Techniken sich abweichend zu verhalten zudem der bewussten Ablehnung von gesellschaftlichen Werten und Normen.

Durch den persönlichen Umgang mit Personen, die ein bestimmtes Handlungsmuster immer wieder vorleben, kann die Übernahme dieses Verhaltens begünstigt werden. Das heißt, durch den häufigen Kontakt mit dauerhaft abweichendem Verhalten kann Kriminalität erlernt werden. Treten also Personen mit kriminellem Verhalten im Umfeld der Jugendlichen auf, können diese als Vorbild dienen, selbst wenn hierfür ein enger persönlicher Kontakt nicht zwingend notwendig ist.

In der Theorie der differentiellen Assoziation wird abweichendes Verhalten nicht im Zusammenhang mit dem Lebenslauf betrachtet. Dennoch lässt sich aus dieser klassischen Theorie ableiten, dass abweichendes Verhalten fortbesteht, wenn der Kontakt (ob direkt oder indirekt) zu kriminellen Personen, die als Vorbilder dienen, andauert. Werden delinquente Kontakte durch nicht-delinquente Kontakte ersetzt, erhöht dies die Chance, dass auch das abweichende Verhalten endet.

Unklar ist hingegen, ob das Auseinanderbrechen von Jugendfreundschaften oder aber die Auseinandersetzung mit der eigenen Situation innerhalb des kriminellen Freundeskreises zur Beendigung dieser Kontakte führt.