Jugend
 
Kein Geld für das Pausenbrot
Arm sein bedeutet nicht nur kein Geld zu haben, sondern auch auf viele Dinge zu verzichten. Darunter leiden besonders Kinder und Jugendliche. In Deutschland sind etwa zwei Millionen Mädchen und Jungen von Kinderarmut betroffen.

Arm in Deutschland

Armut schränkt die Möglichkeiten ein

Ganztagsschule: Problem oder Chance?

Arm in Deutschland

Sicherlich denken viele bei Kinderarmut an Straßenkinder aus armen Regionen der Welt, denen teilweise nicht einmal das Nötigste an Kleidung und Nahrung zur Verfügung steht. Aber auch in Deutschland leben einige Kinder und Jugendliche in so genannter "Kinderarmut".

Auf der Welt leben etwa 1,3 Milliarden Menschen in absoluter Armut. Das bedeutet, dass ihnen täglich weniger als ein US-Dollar, dies sind in etwa 1,25 Euro, zur Verfügung stehen. Da der Lebensstandard in Deutschland sehr hoch ist, wird Armut bei uns oder auch in anderen Industrienationen anders berechnet. Man verwendet hier den Begriff der "relativen Armut".

Bei der relativen Armut werden die Lebensstandards untereinander verglichen. Derjenige, der weniger hat und sich weniger als der Durchschnitt leisten kann, lebt in relativer Armut. Menschen die in Deutschland in relativer Armut leben, besitzen daher in der Regel Kleidung, Nahrung, einen Fernseher und ein eigenes Bett. Pro Haushalt gibt es ebenfalls eine Waschmaschine. Besitzen Familien diese Dinge nicht, können sie vom Staat Sonderleistungen beziehen, die ihnen beispielsweise den Kauf eines Kühlschranks oder eines Fahrrades ermöglichen.

Armut zu messen ist schwer. Es gibt verschiedene Richtwerte. Der Richtwert der Bundesregierung liegt bei 730 Euro pro Person monatlich. Wer weniger verdient, kann sich zu den armen Bundesbürgern zählen und dies betrifft in etwa ein Drittel der Bevölkerung. Unter dieser Situation leiden vor allem Kinder und Jugendliche. In Deutschland leben nach der Definition der Bundesregierung zwei Millionen Kinder und Jugendliche in Armut. Das entspricht in etwa jedem siebten Kind, so ein Bericht des Fernsehsenders ZDF.

Gründe für die Armut können unterschiedlich sein. Meist spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Arbeitslosigkeit, geringes Einkommen, allein erziehend, mehrere Kinder oder Schulden können unter anderem eine Rolle spielen. Einige Familien werden vom Staat unterstützt, aber nicht alle. Denn manche Familien scheuen sich, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Armut schränkt die Möglichkeiten ein

Armut bedeutet mehr als nur kein Geld zu haben, denn Armut wirkt sich auch auf andere Bereiche des Lebens aus. Vor allem Kinder und Jugendliche besitzen weniger materielle Güter. Sie besitzen beispielsweise keine angesagte Markenkleidung oder ein Handy, wie ihre Mitschüler. Sie haben nicht selten wenige Freunde. Nicht alle Schülerinnen und Schüler können sich das soziale Miteinander leisten. Denn dazu zählt beispielsweise auch mal das Essen im Schnellimbiss, das Treffen im Freibad oder ein Kinobesuch. Wer zudem kein Handy hat ist nicht erreichbar, wird nicht per Kurznachricht kontaktiert und ist schnell außen vor. Die Aussichten in Schule oder Ausbildung erfolgreich zu sein sind geringer, da diese Jugendlichen häufig aus einem Elternhaus mit geringem Bildungsstand kommen. Ihre seelischen und körperlichen Belastungen sind stärker, allerdings können sie auf Grund weniger Freizeitmöglichkeiten ihre Belastungen nicht entsprechend ausgleichen.
Armut hat zudem oft Auswirkungen auf die Essgewohnheiten, denn auch dort wird häufig gespart. Es werden überwiegend billige Produkte gekauft. Eine Großpackung Pizza ist meist ebenso teuer wie ein Kilogramm Salat. Auf gesunde und ausgewogene Ernährung kann aus finanziellen Gründen kaum geachtet werden. Einige Mädchen und Jungen kommen ohne Pausenbrot oder gar ohne Frühstück zur Schule, da die Eltern sich dies nicht leisten können. Aber ohne ausreichende Energiezufuhr, ist es kaum möglich, dem Unterricht zu folgen.

Von Armut betroffene Familien sind überwiegend bildungsfern. Das bedeutet, dass die Eltern häufig nicht in der Lage sind, ihren Kindern bei Schulproblemen zu helfen. Um die Kinder bei Lernproblemen in der Schule zu unterstützen, benötigen sie daher professionellen Nachhilfeunterricht, aber der ist teuer. Armut kann sich somit auch auf die schulischen Leistungen der Mädchen und Jungen auswirken.

Ganztagsschule: Problem oder Chance?

Das Problem der Essensversorgung kann sich durch die Ganztagschulen verschärfen, denn manche Kinder und Jugendliche erhalten von ihren Eltern nicht ausreichend Geld, um sich das Mittagessen in der Schulmensa oder gar im Imbiss um die Ecke kaufen zu können. Ein warmes Essen kostet an Schulen durchschnittlich drei Euro. Dabei stehen den Haushalten mit relativer Armut oft nur 4,50 Euro für die Zubereitung des täglichen Essens für die ganze Familie zur Verfügung, so ein Bericht des familienportals.de.

An einigen Schulen wurden daher Fördervereine gegründet, die Kinder und Jugendliche aus einkommensschwachen Familien unterstützen. Andere Schulen werden von den örtlichen "Tafeln" unterstützt. Das Konzept der Ganztagsschule besteht darin, gemeinsam Mittag zu essen und so das gemeinsame (soziale) Miteinander zu fördern.

Gerade das Konzept der Ganztagsschule ermöglicht es Kindern und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien Bildung Nahe zu bringen und ein attraktives Angebot für den Nachmittag zu schaffen. Da die Ganztagsschule aber auch mit Kostenbeiträgen der Eltern einhergeht, besteht gerade für einkommensschwache Familien die Gefahr, dass sie diese Schulform ablehnen. Dadurch erhöht sich für Mädchen und Jungen das Risiko auf einem geringen Bildungsniveau zu verharren, auf Grund mangelnder schulischer Qualifizierungen keine Ausbildung zu erhalten und aus der Armutsspirale nur schwer entkommen zu können.