Die Arbeit mit Jugendlichen macht Spaß und hält jung
Seit 1995 leitet der Sozialpädagoge Detlef Berger das Jugendhaus in Jever. Mit der Sign-Redaktion sprach er über seine Arbeit im Jugendhaus, über aktuelle Projekte und über die Zukunft der Präventionsarbeit.
Herr Berger, Sie sind Sozialpädagoge und leiten seit über zehn Jahren das Jugendhaus in Jever. Wie hat sich der Weg dorthin gestaltet?
Nach dem Realschulabschluss habe ich zunächst eine Ausbildung zum Maschinenschlosser gemacht und diese mit dem Facharbeiterbrief abgeschlossen. Danach folgte eine Umschulung zum Diplom-Sozialarbeiter/Sozialpädagogen an der Fachhochschule in Heidelberg. Als Diplom-Sozialarbeiter habe ich dann zunächst zwei Jahre beim Sozialpsychiatrischen Dienst im Landkreis Friesland gearbeitet und habe dann für eineinhalb Jahre Vaterzeit genommen. Danach habe ich bis 1995 eine Werkstatt für Psychisch Kranke (ARTEC Friesland/GPS Wilhelmshaven) aufgebaut. Während dieser Zeit, also von 1988 bis 1991, habe ich mich zudem in Oldenburg zum Familientherapeuten ausbilden lassen. Seit 1995 arbeite ich als Stadtjugendpfleger und leite das Jugendhaus in Jever.
Inwieweit ist dieser Beruf Ihr Traumberuf?
Der Beruf macht sehr viel Spaß und er bietet eine große Vielfalt, denn in Verbindung mit der Position habe ich auch eine Menge Gestaltungsspielraum. Außerdem hält es jung, wenn man mit Jugendlichen arbeitet.
Welche Aufgaben übernimmt das Jugendhaus Jever?
Die Aufgaben, die das Jugendhaus in Jever übernimmt, sind sehr umfangreich. Besonders wichtig sind uns jedoch die Förderung eines selbstbestimmten Lebens und die Entwicklung sozialer Kompetenzen. Es ist uns aber ebenso wichtig, den Jugendlichen Handlungsalternativen aufzuzeigen und zu entwickeln sowie gemeinsam sinnvolle Freizeitgestaltung zu schaffen. Außerdem sollen die Jugendlichen lernen, mehr Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu haben und eigene Stärken, aber auch Schwächen erkennen und lernen damit entsprechend umzugehen. Ein weiterer wichtiger Aspekt unserer Arbeit ist die Entwicklung der Selbstwahrnehmung und deren Einbeziehung in die Lebenswelt der Jugendlichen. Zu unserer Arbeit gehören aber auch Prävention gegen Gewalt und Kriminalität sowie die Förderung von Gleichberechtigung und Gleichbehandlung von Mädchen und Jungen.
Was sind Ihre Aufgaben im Jugendhaus Jever?
Neben den zuvor genannten Aufgaben kommt bei mir noch die Leitung des Hauses hinzu. Dazu gehören Personalführung, Ausschuss- und Öffentlichkeitsarbeit sowie weitere Leitungsaufgaben. Darüber hinaus organisiere ich in Zusammenarbeit mit der Stadt Schortens für die Jugendlichen der Stadt Jever und Umgebung den Ferienpass, Freizeiten und verschiedene Projekte. In Zusammenarbeit mit dem Stadtjugendring Jever, dessen Geschäftsführung ich innehabe, organisiere ich außerdem verschiedene Veranstaltungen wie beispielsweise das Seifenkistenrennen und den Stadtjugendtag. Außerdem habe ich auch die Geschäftsführung im Präventionsrat Jever übernommen.
Gibt es Projekte, an denen Sie aktuell arbeiten?
Derzeit ist mein wichtigstes Projekt der neue Skaterplatz im Außenbereich des neuen Jugendhauses.
Wir alt sind die Jugendlichen, mit denen Sie arbeiten?
Die Jugendlichen sind zwischen 12 und 21 Jahre alt.
Arbeiten Sie auch mit den Eltern der Jugendlichen?
Das geht aufgrund der fehlenden Zeit immer nur punktuell. In der Regel ist es dann der Fall, wenn irgendwelche Probleme vorliegen.
Unterstützen Sie auch Lehrerinnen und Lehrer?
Im Rahmen meiner Präventionsratsarbeit auf jeden Fall, ansonsten eher projektbezogen, da wir öfter mit Schulen zusammenarbeiten.
Was beschäftigt Jugendliche in der heutigen Zeit besonders?
Das ist in den verschiedenen Altersgruppen unterschiedlich. Bei den Jüngeren, darunter fallen die Elf- bis Vierzehnjährigen, steht die Entdeckung und Erschließung der außerfamilialen Welt im Vordergrund. Hierbei fühlen sie sich nicht selten allein gelassen und suchen Orientierung - besonders in der "ärmeren" Bevölkerung. Hier werden sie bei all den vielen neuen Dingen, die Ihnen begegnen, nicht adäquat begleitet. Die finanziell besser gestellten überdecken diese "Einsamkeit" und Orientierungslosigkeit eher. Ansonsten geht es natürlich, wie in früheren Zeiten auch, um das andere Geschlecht, ums Erwachsen werden, um Sexualität und sich ausprobieren, darum, Grenzen zu überschreiten - in all seinen Ausprägungen.
Die Älteren haben viele Probleme in und mit Schule. Bei ihnen stehen Fragen im Vordergrund wie: Wozu soll ich das alles lernen, ich bekomme doch eh keine Ausbildungsstelle. Gerade wenn die Eltern hierbei nur wenig Unterstützung bieten können, sind wir gefragt. Die jungen Erwachsenen machen sich viele Gedanken darum, was einmal aus ihnen werden soll. Allerdings steht bei vielen auch Spaß haben und Konsum im Vordergrund.
Ich persönlich nehme bei heutigen Jugendlichen oft ein Gefühl von Verlorenheit und Abwesenheit wahr. Sie suchen Halt und Bestätigung bei Erwachsenen, werden aber oft enttäuscht. Dies ist gerade dann sehr schwer für die Jugendlichen, wenn die eigenen Eltern selbst noch diesem so genannten Jugendwahn nacheifern und "auf jünger machen", wie es viele Jugendliche immer wieder nennen. Zugleich wollen sich aber auch abgrenzen und bewerten die Regeln ihrer Peergroup höher als andere. Sie agieren oft sehr beziehungslos und scheinen oftmals Bindungsunfähig- oder unwillig. Sie beschäftigen sich viel mit Oberflächlichkeiten. Das Gefühl, auch mal etwas Wert zu sein und eine Bedeutung zu haben, wird oft seitens der Jugendlichen gewünscht. Fühlen sie sich aber angenommen, sind sie sehr einsatzwillig und mit viel Spaß auch im sozialen Bereich engagiert.
Welchen Stellenwert hat Prävention in Ihrer Arbeit?
Unsere Arbeit ist Prävention.
Was ist Ihrer Meinung nach besonders wichtig in der Präventionsarbeit?
Vor allem die Kontinuität in Personen und Inhalten.
Welche Fähigkeiten sollte man Ihrer Meinung nach für die Jugendarbeit mitbringen?
Besonders wichtig sind meiner Meinung nach Flexibilität, Kontaktfreude und Kontaktfähigkeit, Rollenbewusstsein und Konsequenz. Aber auch Spontaneität und Abgrenzungsfähigkeit sind in meinem Beruf immer wieder gefragt.
Arbeiten Sie mit anderen Partnern zusammen?
Wir arbeiten mit vielen unterschiedlichen Partnern zusammen, dazu gehören Schulen, Kirchen, Vereine, Verbände und Unternehmen.
Was motiviert Sie besonders im Beruf?
Mich motivieren vor allem die gute Zusammenarbeit in unserem Team und die immer wieder spannenden Aufgaben.
Wie entspannen Sie sich?
Momentan komme ich leider nur selten dazu, aber wenn es die Zeit zulässt schwimmen, walke und skate ich sehr gerne. Ich kann aber auch sehr gut beim Lesen oder Musik hören abschalten oder wenn wir gemeinsam mit Freunden kochen oder spielen.
Wo sollten in Zukunft die Schwerpunkte der Jugendarbeit liegen?
Ich finde, dass die Beziehungsaufnahme und -gestaltung wichtige Punkte in der Jugendarbeit sind. Damit verbunden ist natürlich auch mehr qualifiziertes Personal, denn Inhalte, wie auch immer die dann aussehen, lassen sich dann deutlich besser vermitteln. Kinder und Jugendliche brauchen in der Hauptsache Zeit mit und von Erwachsenen.
Was wünschen sie sich für Ihre berufliche Zukunft?
Ich hätte gerne mehr Zeit für die Beratungsarbeit.
Vielen Dank für das Gespräch.