Gesundheit
 
Lärm bei Umweltbelastungen an erster Stelle
Gegen laute Musik an sich ist nichts auszusetzen - so lange es kurzzeitige Ereignisse sind. Wer aber dauerhaft Lärm ausgesetzt ist, hat ein erhöhtes Krankheitsrisiko. Lärm steht bei den Umweltgiften an erster Stelle, so das Umweltbundesamt in Berlin.

Was genau ist Lärm?

Stille und Ruhe

Lärm macht krank

Lärm in der Schule

Wer heutzutage über negative Umwelt- und Gesundheitseinflüsse redet, darf Lärmbelastungen nicht außer Acht lassen. Lärm ist nach Angaben des Berliner Umweltbundesamts inzwischen Umweltgift Nummer eins. Studienergebnisse zeigen, dass Erwachsene Straßenlärm als eine besondere Lärmbelastung empfinden. 68 Prozent der ostdeutschen und gut 62 Prozent der westdeutschen Bevölkerung fühlen sich durch andauernde Verkehrsgeräusche in ihrer Umgebung belästigt. "In seinen Auswirkungen hat Lärm die Luftschadstoffe als Umweltproblem überholt", so der Lärmwirkforscher des Umweltbundesamts, Dr. Wolfgang Babisch.

Was genau ist Lärm?

Generell beschreibt der Begriff "Lärm" Geräusche, die auf Grund ihrer Lautstärke und Struktur für den Menschen und die Umwelt gesundheitsschädigend, störend und belastend sind. Es hängt jedoch von der Verfassung, den Vorlieben und der Stimmung jedes einzelnen ab, welche Geräusche letztendlich als Lärm wahrgenommen werden. Fest steht jedoch, dass längerfristige Lärmbelastungen mit einem Schallpegel von mehr als 85 Dezibel (dB) das menschliche Gehör auf lange Sicht schädigen können.

Mögliche Folgen einer andauernden Lärmbelastung können sein:

  • erschwerte Wahrnehmung wichtiger Signale
  • Hemmung körperlicher und geistiger Leistungen
  • Belästigung und Beeinträchtigung des seelischen Wohlbefindens
  • Störungen von Entspannung und Schlaf
  • chronischer Stress und daraus resultierende körperliche Beschwerden und Krankheiten

Stille und Ruhe

In der Physik liegt die komplette Stille theoretisch bei einem Wert von null Dezibel. Diese komplette Stille kann jedoch nur in schalltoten Räumen erreicht werden. Doch selbst in schalltoten Räumen nimmt das menschliche Ohr noch Geräusche des eigenen Körpers wahr. Demnach ist das menschliche Gehör jederzeit einer gewissen Lärmbelastung ausgesetzt und wir sprechen trotz einer gewissen Geräuschumgebung von "Stille" oder "Ruhe".

Eine Geräuschbelastung unter 20 bis 40 dB wird umgangssprachlich als "still" bezeichnet. Bei einem Schallpegel von etwa 40 dB ruhig empfindet das menschliche Gehör die entsprechende Umgebung oder den Raum als ruhig. Geräusche, deren Schallpegel darüber liegen, werden schnell als Lärm und damit als unangenehm wahrgenommen. Eine Zunahme bestimmter Geräusche von 10 dB kommen bei uns bereits als doppelte Lautstärke an.

Lärm macht krank

Ab einer dauerhaften Beschallung von mehr als 85 dB kann Lärm krank machen. Daher liegt hier für den Arbeitsschutz eine wichtige Grenze, denn längerfristige Lärmbelastungen, die über dieses Maß hinausgehen, können beispielsweise zu Hörschäden führen. Studien des Umweltbundesamtes und des Robert Koch-Instituts in Berlin zeigen zudem, dass eine über Jahre dauernde Konfrontation mit Verkehrslärm ebenfalls unsere Gesundheit gefährdet. Dabei wird vor allem unser Herz-Kreislauf-System in Mitleidenschaft gezogen, denn Lärmbelastungen bedeuten für unseren Körper immer auch latenten Stress.

Experten gehen davon aus, dass auf Grund der gestiegenen Lärmbelastung in unserem Alltag das Herzinfarktrisiko um 20 bis 30 Prozent zunehmen wird. Dieses betrifft vor allem Personen, die in einer dauerhaft beschallten Umgebung leben oder arbeiten, in der der Schallpegel tagsüber bei mindestens 65 dB oder bei 55 dB in der Nacht liegt. In Deutschland sind davon etwa 16 Prozent der Bundesbürger betroffen.

Lärm in der Schule

Die Akustik in deutschen Schulgebäuden ist nach Angaben der Oldenburger Psychologin Dr. Maria Klatte oft unzureichend. Die Geräuschkulisse vieler Klassenräume macht es den Mädchen und Jungen häufig schwer, dem Unterricht aufmerksam zu folgen. Die Worte der Lehrerinnen und Lehrer mischen sich vielfach mit Nebengeräuschen und gehen in Zettelrascheln und Fußscharren unter.

An der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg haben Wissenschaftler herausgefunden, das sich dieser zwar vergleichsweise ruhige aber beständige Geräuschpegel negativ auf das Lesen- und Schreibenlernen der Schülerinnen und Schüler auswirkt. Zudem wird dadurch ihr Spracherwerb beeinflusst. Häufig müssen sich die jungen Schüler so stark darauf konzentrieren, das Gesagte zu verstehen, dass sie die Informationen kaum behalten und verarbeiten können. Dieser ständige unterschwellige Lärm stört nicht nur die Wahrnehmung von Kindern und Jugendlichen, sondern auch ihre Aufmerksamkeit und ihre Gedächtnisprozesse.


Mehr über die akustischen Bedingungen in Bildungseinrichtungen erfahren Sie im Interview mit Dr. Maria Klatte.

Weitere Informationen über das menschliche Gehör und die Folgen von Lärmbelastungen finden Sie auf unseren Internetseiten unter der Rubrik Wissenswert im Gesundheitsbereich.