Phsychische Gewalt
 
Das Phänomen Stalking
Der Begriff Stalking entstand in den 80er Jahren in den USA und meint das andauernde Belästigen, Verfolgen, Beobachten, Terrorisieren und Auflauern einer Person. Kennzeichnend dabei ist, dass Stalking immer gegen den ausdrücklichen Willen des Opfers geschieht.

Wie äußert sich Stalking?

Der Ausdruck stammt aus der englischen Jagdsprache und bezeichnet ursprünglich das Anpirschen und Anschleichen des Jägers an das Wild. Beim Stalking geht es um die Ausübung von Macht und Kontrolle. Der Täter versucht durch permanente Belästigung das Opfer zu dominieren und bedient sich dabei zum Teil subtilster Mittel. Stalking-Attacken geschehen überwiegend im Verborgenen und ohne Zuschauer, was den psychischen Druck bei den Opfern verstärkt.

Heimliche Verfolger auf dem Nachhauseweg, das Geräusch von Schritten im dunklen Parkhaus, anonyme Telefonanrufe, nächtliches Klingeln an der Haustür - all dies sind Vorkommnisse, die zum Bestand des Stalkings gehören. Aber auch das ständige Auftauchen auf dem Arbeitsplatz, das Aushorchen des Freundeskreises, das Bombardieren mit Liebesbriefen oder das Drohen per Brief oder E-Mail sind ebenso typisch wie Sachbeschädigungen am Eigentum des Opfers. Stalking ist somit ein Phänomen, das bei den Opfern Angst und Panik auslösen kann und daher für das Opfer eine Gefährdung für die psychische und physische Gesundheit und Sicherheit darstellt.

Es kann aber auch zu körperlichen Übergriffen kommen. Reid Meloy, Professor für Psychiatrie aus San Diego und bekannter Stalking-Experte, sagt, dass es in 25 bis 35 Prozent der Fälle nicht allein bei verbalen Attacken bleibt, sondern zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kommt.

Vorkommen und Verbreitung

Auch wenn es bereits im 18. Jahrhundert Fälle von so genanntem "Liebeswahn" gegeben haben soll, trat das Phänomen "Stalking" in dieser Form erstmals Ende der 80er Jahre in den USA auf. Doch erst nach dem Mord an einer bekannten Schauspielerin und vier weiteren Morden an Frauen, die zuvor bei der Polizei um Schutz vor ihren Ex-Partnern gebeten hatten, erkannte man die Brisanz. Es gründete sich eine Schutzgruppe bei der Polizei und erste Anti-Stalking-Gesetze wurden erlassen. Seitdem ist das Thema auch in den deutschen Medien bekannt und man gewinnt den Eindruck, dass sich die Vorfälle häufen.

Genaue Angaben über die tatsächliche Häufigkeit von Stalking sind nicht möglich. Zwar gibt es Definitionen, nach denen klar ist, wann es sich um Stalking handelt, aber es gelangt nicht jeder Vorfall an die Öffentlichkeit. Es ist daher von einer hohen Dunkelziffer auszugehen.

Brian H. Spitzberg führte 2002 eine umfassende Untersuchung zu diesem Thema durch. Bei der Analyse verschiedener Stalking-Studien mit insgesamt etwa 70.000 Teilnehmern kam er zu folgenden Ergebnissen:

  • Insgesamt ist jeder Fünfte, also 20 Prozent aller Befragten, schon mindestens einmal in seinem Leben Opfer von Nachstellungen gewesen.
  • Stalking ist ein geschlechtsspezifisches Phänomen: Die Opferstatistik zeigt, dass dreiviertel der Opfer Frauen sind.
  • Die Hälfte aller Stalkingfälle findet im Anschluss einer Liebesbeziehung statt. In 80 Prozent der Fälle beginnen hier die ersten Stalkingattacken bereits vor dem Ende der Beziehung. Häufig soll der Ex-Partner dazu gebracht werden, seine Meinung zu ändern.
  • Das häufigste Motiv ist der Wunsch nach Wiederaufnahme einer Beziehung oder die Vergeltung nach dem Beziehungsabbruch.
  • Stalker sind den Opfern oft persönlich bekannt, nur etwa 25 Prozent der Stalker sind dem Opfer unbekannt.
  • In der "normalen" Bevölkerung machen etwa 20 Prozent die Erfahrung, "gestalkt" zu werden.
  • Mit zunehmendem Bekanntheitsgrad steigt auch die Gefahr, Opfer eines obsessiven Fans zu werden. Die Wahrscheinlichkeit als Prominenter "gestalkt" zu werden, liegt bei 72 Prozent.

Durchschnittliche Dauer

Für den Betroffenen ist es zumeist schwer, Aussagen darüber zu machen, wie lange er bereits "gestalkt" wird. Der Grund darin liegt in der schwierigen Bestimmung des Begriffes. Ab wann handelt es sich um Stalking? Wann ist es nicht mehr nur "wiederholtes, zufälliges Aufeinandertreffen" oder nur eine schwierige Trennung, die mit unzähligen Telefonaten einhergeht?

Es hängt in erster Linie an dem subjektiven Empfinden des Opfers ab, wann es sich belästigt fühlt und den Eindruck bekommt, dass sich die Belästigungen nicht mehr im "normalen" Rahmen bewegen. Stalking ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein andauernder Prozess, was eine zeitliche Bestimmung schwierig macht.

In einer groß angelegten Stalking-Studie der Arbeitsstelle für Forensische Psychologie der Technischen Universität Darmstadt, stellten Forscher in den Jahren 2002 bis 2005 fest, dass die Dauer des Stalkings von mehreren Monaten bis zu einigen Jahren variieren kann. Als durchschnittlicher Wert konnte eine Dauer von 28 Monaten ausgemacht werden.