Gefahr durch gestrecktes Marihuana
Marihuana wird seit Jahrzehnten gestreckt, um das Verkaufsgewicht zu steigern. Die bisher gefährlichste Beimengung ist Blei, das zu einer akuten Vergiftung führen kann. Im Raum Leipzig sind bereits einige Fälle von Vergiftung durch Blei bekannt geworden.
Empfehlungen
Anzeichen einer Bleivergiftung
Seit Ende August 2007 sind im Raum Leipzig 19 Fälle akuter Bleivergiftung bekannt geworden. Die Vergiftungen können auf den Konsum von Marihuana zurückgeführt werden, so die Deutsche Gesellschaft für Sucht-medizin.
Marihuana bezeichnet die getrockneten weiblichen Blütenstände der Hanf-Pflanze mitsamt ihrem anhaftenden Harz, die als Droge konsumiert werden. Der Wirkstoff ist unter dem Namen Tetrahydrocannabinol (THC) bekannt.
Neueste Untersuchungen zeigen, dass der Hanf-Pflanze schon im Gewächshaus Blei zugeführt wird, um das Verkaufsgewicht zu steigern.
Bereits vor einigen Jahren sind in Holland, Frankreich und Großbritannien mit mikroskopisch kleinen Glaspartikeln gestreckte Proben aufgetaucht. Die Splitter sollten das Glitzern des THC-Harzes vortäuschen und können langfristig schwere Schäden der Atemwege nach sich ziehen.
In den 70er Jahren wurde Marihuana durch Substanzen wie Henna, Pfef-fer, Mehl und Schuhcreme gestreckt. Diese Substanzen waren allerdings bei weitem nicht so gefährlich wie Blei.
Bei den bekannt gewordenen 19 Fällen sind Bleiwerte im Blut festgestellt worden, die weit über den Grenzwerten liegen und akutmedizinisch behandelt werden mussten. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung und in einem Fall sogar wegen versuchten Mordes.
Empfehlungen
Die Ärzteschaft empfiehlt bei vorangegangenem Marihuana- oder Cannabis-Konsum und unklaren Beschwerden, wie akute Bauchschmerzen, in jedem Fall einen Arzt aufzusuchen.
So genannten "Wochenendkonsumenten" wird geraten, sich zu einer Überprüfung ihres Bleispiegels an das Gesundheitsamt zu wenden.
Anzeichen einer Bleivergiftung
Bei Bleivergiftungen im Zusammenhang mit Marihuana-Konsum wird das Blei über die Atemwege aufgenommen. Im Körper wird es dann in allen Geweben abgelagert. Der Knochen ist Hauptspeicher für Blei. Von hier wird das Blei noch über Jahrzehnte ins Blut und in die Weichteile freigesetzt. Da Blei nicht gut wasserlöslich ist, wird es ohne spezielle Medikamente sehr schlecht vom Körper wieder ausgeschieden.
Aus medizinischer Sicht wird zwischen akuten und chronischen Bleivergiftungen unterschieden, die durch folgende Krankheitsbilder gekennzeichnet sind:
- Akute Bleiintoxikation: blasse Hautfarbe, Magen-Darm-Beschwerden, schwere Bauchkrämpfe ("Bleikolik"), langsamer Puls, hoher Blutdruck
- Chronische Bleivergiftung (nach steigender Blutbleikonzentration): Blutarmut (Bleianämie), Hirnschädigung ("Bleidemenz"), Nervenschädigung, Zittern/Tremor, Muskelschwäche, Bleisaum am Zahnfleischrand, Nierenschädigung und bei sehr hohen Konzentrationen Bleienzephalopathie (Veränderungen des Gehirns) mit Koma. In Extremfällen treten Todesfälle auf.