Verhütungsverhalten Erwachsener 2007
Im März 2007 wurden in einer repräsentativen Befragung 1.501 Frauen und Männer zwischen 20 und 44 Jahren zu ihrem Verhütungsverhalten beziehungsweise -wissen befragt. Voraussetzung war, dass sie in den letzten zwölf Monaten Geschlechtsverkehr hatten.
Wissen über den Bereich Empfängnisverhütung
Informationsquellen
Anwendung von Empfängnisverhütungsmitteln und -methoden
Einstellung zur Verhütung im Langzyklus
Akzeptanz eines hormonellen Verhütungsmittels für den Mann
Bekanntheit und Anwendung der "Pille danach"
Die "forsa" Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH hat eine Untersuchung zum Thema "Kontrazeptionsverhalten Erwachsener in der Bundesrepublik Deutschland" durchgeführt. Hierbei wurde ermittelt,
- welche Verfahren und Methoden von Erwachsenen zur Verhütung beim Geschlechtsverkehr angewandt werden,
- welches Wissen zum Thema Verhütung vorhanden ist,
- welche Quellen genutzt werden, um Informationen zu erlangen.
Auftraggeber war die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
Wissen über den Bereich Empfängnisverhütung
In allen Bevölkerungsgruppen überwiegt der Anteil derjenigen Personen, die sich sehr gut oder gut über den Bereich Empfängnisverhütung informiert fühlen. 61 Prozent bezeichnen sich als sehr gut, 36 Prozent als gut und nur zwei Prozent der Befragten als weniger gut oder schlecht informiert.
Den Bereich der sehr gut informierten Personen machen im Besonderen die Frauen zwischen dem 30. und 44. Lebensjahr, die formal höher Gebildeten und diejenigen, die sehr auf ihre Gesundheit achten.
Eine Indikation für den tatsächlichen Kenntnisstand der Befragten ist das Wissen darüber, in welcher Phase des weiblichen Zyklus die größte Wahrscheinlichkeit besteht, schwanger zu werden. 60 Prozent der Befragten konnten beantworten, das diese Zeit in der Mitte von zwei Regelblutungen liegt. Frauen konnten diese Frage häufiger als Männer beantworten.
Obwohl sich die meisten Personen als sehr gut oder gut über Verhütungsmittel informiert fühlen, wünschen sich 23 Prozent mehr Informationen. Hierzu zählt im Besonderen die Gruppe der 20- bis 29-Jährigen. Die Verbreitung der Informationen sollte über unterschiedliche Informationsquellen erfolgen.
Informationsquellen
65 Prozent der Befragten Personen haben ihre Kenntnis zur Empfängnisverhütung zumeist aus Gesprächen mit Freunden, Verwandten oder Bekannten erworben. Besonders für die unter 30-jährigen Personen ist diese Informationsquelle die wichtigste. 35 Prozent der Befragten haben Informationen aus Aufklärungsbroschüren, 48 Prozent aus Gesprächen mit dem Partner oder der Partnerin, 46 Prozent aus Gesprächen mit dem Arzt oder der Ärztin, 45 Prozent aus Illustrierten und Zeitungen, 42 Prozent aus Büchern und 16 Prozent aus dem Internet bezogen.
Anwendung von Empfängnisverhütungsmitteln und -methoden
Insgesamt nutzen 74 Prozent der 20- bis 44-Jährigen Empfängnisverhütungsmittel oder Empfängnisverhütungsmethoden.
Es verhüten 86 Prozent der unter 30-Jährigen und 68 Prozent der 30- bis 44-jährigen Befragten. Singles verhüten in 81 Prozent der Fälle. Personen die in einer festen Partnerschaft leben, hingegen nur in 73 Prozent der Fälle.
Von denjenigen Personen, die Verhütungsmittel und -methoden nutzen, verwenden 55 Prozent die Pille, 36 Prozent Kondome, elf Prozent die Spirale, zwei Prozent einen Vaginalring, zwei Prozent die Dreimonatsspritze und ein Prozent Hormonstäbchen oder Methoden wie Temperaturmessen oder "Babycomputer". Zu einer Sterilisation haben sich drei Prozent der Männer und zwei Prozent der Frauen entschieden. Von weniger als einem Prozent wird zur Verhütung die Kalendermethode, die Schleimbeobachtung, chemische Verhütungsmittel, das Diaphragma, Hormonpflaster oder der Coitus interruptus genutzt.
17 Prozent derjenigen, die verhüten, nutzen mehrere Verhütungsmittel. Dabei verwenden 67 Prozent der Personen diese abwechselnd und 31 Prozent kombinieren sie.
Die Pille und das Kondom werden überdurchschnittlich von jungen Erwachsenen verwendet, die Spirale hingegen häufiger von den 30- bis 44-Jährigen. Einen großen Einfluss auf die Wahl des Verhütungsmittels hat auch die persönliche Beziehungssituation; ob sich eine Person in einer festen Beziehung befindet oder nicht. In einer festen Beziehung nutzen lediglich 31 Prozent ein Kondom, während 75 Prozent der Singles Kondome benutzen.
37 Prozent der Personen, die verhüten, entscheiden sich aus Gründen der Sicherheit und Zuverlässigkeit und 36 Prozent wegen der einfachen oder bequemen Handhabbarkeit für ein Verhütungsmittel. Zudem ist für 20 Prozent der Befragten eine gute Verträglichkeit wichtig.
52 Prozent der Personen fühlen sich über ihre Verhütungsmethode sehr gut und 44 Prozent gut informiert. Sehr gut informiert fühlen sich im Besonderen die Frauen und Befragten, die hauptsächlich für die Verhütung verantwortlich sind oder Kondome benutzen. Für die Empfängnisverhütung sind überwiegend die Frauen verantwortlich, dabei ist es egal, in welchem Alter sie sind.
Einstellung zur Verhütung im Langzyklus
Bei der Verhütung im Langzyklus verwendet die Frau über mehrere Monate ein hormonelles Verhütungsmittel. Dieses wird ohne Unterbrechung durchgenommen; die Regelblutung wird so über einige Zyklen hinweg unterdrückt.
Generell ziehen 41 Prozent der Frauen es vor, eine monatliche Regelblutung zu bekommen. Wobei 31 Prozent der Frauen es gut finden würden, wenn die Blutung zu besonderen Anlässen einmalig unterdrückt werden könnte. Hierzu gehören zum Beispiel Urlaubsreisen.
26 Prozent der Frauen finden es generell gut, die Regelblutung für mehrere Zyklen zu unterdrücken.
In 48 Prozent der Fälle hat der Arzt oder die Ärztin den Frauen empfohlen, dieses Verhütungsmittel anzuwenden.
Akzeptanz eines hormonellen Verhütungsmittels für den Mann
76 Prozent der Frauen würden es gut finden, wenn ihr Partner ein hormonelles Verhütungsmittel benutzen oder anwenden würde. Auch 68 Prozent der befragten Männer waren nicht abgeneigt und würden zu so einer Verhütungsform greifen.
Bei den formal höher gebildeten Personen ist die Akzeptanz am höchsten.
Bekanntheit und Anwendung der "Pille danach"
94 Prozent der befragten Personen haben schon einmal etwas von der "Pille danach" gehört. Zwölf Prozent der befragten Frauen zwischen 20 und 44 Jahren haben sie bereits ein- oder mehrmals verwendet.
Quelle: www.bzga.de