Psychische Gewalt
 
Cyber-Mobbing: Die Kehrseite einer virtuellen Jugendkultur
Der „Lisa-Marie-Hass-Club“ ist nur eine von 285 virtuellen Gruppen zum Thema „Hass“, die im SchülerVZ, einem der größten Online-Netzwerke, zu finden sind. Wie schnell aus einem „Spaß“ ernsthafter Psychoterror werden kann, erfahren Sie hier.

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Mobbing in einer neuen Dimension

SchülerVZ – Die Gefahr von Online-Netzwerken

Was tun gegen Cyber-Mobbing?

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Simsen? Chatten? Und was ist eigentlich das SchülerVZ? Für viele Erwachsene stellen diese Begriffe Fremdworte dar. Aus dem Schüleralltag sind sie jedoch nicht mehr wegzudenken. Handys, Chatrooms und Internetplattformen sind zu den gängigen Kommunikationsmitteln geworden. Wer da nicht mitmacht, wird schnell zum Außenseiter. Besonders auf junge Menschen in der Pubertät üben Online-Netzwerke eine große Anziehungskraft aus. In dieser Phase beginnt die Ablösung von den Eltern und das Internet bietet die Möglichkeit, in eine von ihnen unbekannte Welt zu entfliehen. Zudem bieten Online-Netzwerke wie das SchülerVZ Möglichkeiten zur Identitätsbildung: Man kann dort ein eigenes Persönlichkeitsprofil erstellen, bestimmten Gruppen beitreten und damit sagen: „Hey, das finde ich cool, so will ich sein!“ Die Selbstdarstellungen im Netz sind jedoch mit Vorsicht zu genießen und entsprechen selten der Wahrheit. Häufig ist unklar, wer sich tatsächlich hinter den Profilen verbirgt. Wichtig ist den Jugendlichen vor allem die Anerkennung durch Gleichaltrige: Cool ist, wer die meisten „Freunde“ oder Einträge auf seiner virtuellen Pinnwand hat.

Mobbing in einer neuen Dimension

Die Entwicklung der digitalen Kommunikation hat ein Phänomen mit sich gebracht, dass als „Cyber-Mobbing“ bezeichnet wird und zunehmend häufiger an Schulen stattfindet. Laut einer Umfrage der Universität Koblenz-Landau ist bereits jeder zweite Jugendliche schon einmal davon betroffen gewesen. Das Opfer wird dabei mit Hilfe von E-Mails, Chatrooms, SMS-Nachrichten oder Videos systematisch verleumdet, beleidigt, gedemütigt oder bedroht. Diese Art der Kommunikation ermöglichen eine völlig neue Dimension des Mobbings: So kann ein per Handykamera aufgenommenes Video binnen Sekunden an tausende von Menschen verschickt werden. Dies geschah unter anderem einer schottischen Lehrerin, der ein Schüler unter den Rock filmte und das Video anschließend für jeden sichtbar ins weltweite Netz stellte. Während der in höchstem Maße demütigende Film früher „nur“ die Schüler der betreffenden Schule erreicht hätte, kann ihn heute jeder auf „YouTube“, einer Plattform für Online-Videos, ansehen. Die Möglichkeiten des Internets enthemmen die Täter zunehmend. Was man sich in der realen Welt vielleicht nicht getraut hätte, fällt einem in der virtuellen Welt viel leichter. Für das Opfer sind die Taten aber genauso verletzend. In den Vereinigten Staaten ist es im Zusammenhang mit Cyber-Mobbing sogar schon zu einem Todesfall gekommen: Ein 13-jähriges Mädchen nahm sich das Leben, nachdem sie von ihrem angeblichen Online-Freund diskreditiert und anschließend verlassen wurde. Dass dieser in Wirklichkeit gar nicht existierte, sondern von einer früheren Freundin auf einer Internet-Plattform kreiert wurde, um sich an dem Mädchen zu rächen, stellte sich erst nach ihrem Tod heraus.

SchülerVZ – Die Gefahr von Online-Netzwerken

Nahezu jeder dritte deutsche Schüler ist im so genannten „SchülerVZ“ registriert. Es handelt sich dabei um eine Online-Plattform, die sich ausdrücklich an Jugendliche richtet. Erwachsene haben dort keinen Zutritt. Jeder Nutzer kann sich eine eigene Seite, ein so genanntes „Profil“ erstellen, auf der neben der Lieblingsband auch persönliche Kontaktdaten und Fotos gespeichert werden können. Die Jugendlichen nutzen das rege und geben oft unüberlegt private Details aus ihrem Leben preis. Nicht selten findet man Fotos auf denen sie sich übergeben oder lasziv räkeln. Der eigentliche Zweck der Plattform besteht jedoch in der Vernetzung mit anderen Teilnehmern. Je mehr davon desto besser. Einige der Jugendlichen haben hunderte solcher „Freunde“, von denen sie sicherlich nur einen Bruchteil tatsächlich kennen. Zudem kann man auf den Profilseiten anderer Nutzer Nachrichten hinterlassen, die dann für alle sichtbar sind. Cool ist, wer die meisten Einträge hat. Diese grenzenlose Vernetzung hat aber auch ihre Schattenseiten. Gerüchte können schnell in Umlauf gebracht werden und tausende von Jugendlichen erreichen. So weiß bald die ganze Klasse, dass Laura Jessika den Freund ausgespannt hat. Auch wenn das in Wirklichkeit gar nicht stimmt: In Windeseile hat Laura hunderte von Nachrichten, auf ihrer virtuellen  Pinnwand, in denen sie als „Schlampe“ bezeichnet wird. Über das Internet fällt es den Tätern viel leichter, das Opfer zu beleidigen, als wenn sie es ihm direkt ins Gesicht sagen müssten. Ein weiteres Problem stellen die unzähligen Gruppen des SchülerVZ dar, die jeder Nutzer zu verschiedenen Themen gründen kann. Täglich sind circa 2.300 neue Gruppen zu verzeichnen. Darunter findet man neben dem „Harry-Potter-Fanclub“ auch einen „Lisa-Marie-Hass-Club“ oder eine „Wir hassen die Sarah aus Sowieso“-Clique. Mobbing und Ausgrenzung gab es sicherlich schon immer, aber Medien dieser Art machen es den Tätern viel einfacher.

Was tun gegen Cyber-Mobbing?

Digitale Medien sind ein fester Bestandteil der Jugendkultur. Es wäre falsch, sie von vornherein zu verurteilen oder einfach zu verbieten. Genauso falsch wäre aber auch, wegzuschauen und ihre Probleme unter den Teppich zu kehren. Wichtig ist, dass Erwachsene sich aktiv mit der neuen Welt auseinandersetzen. Um Cyber-Mobbing zu verhindern empfehlen Experten vor allem präventive Arbeit. Häufig ist ein Problem von Mobbing-Opfern, dass sie mit niemandem darüber sprechen und die Schikane so von Erwachsenen unbemerkt bleibt. Man sollte deshalb mit den Schülerinnen und Schülern ganz offen darüber sprechen, sie für mögliche Situationen sensibilisieren und über die Gefahren der digitalen Welt aufklären. Wichtig ist zudem, dass Computer und Internet nicht als „digitale Babysitter“ eingesetzt werden. Achten Sie zu Hause darauf, wo Ihr Kind sich im Internet aufhält und wie lange. Setzen Sie Grenzen. Das können die Jugendlichen meistens schlecht von allein.

Hilfreiche Methoden zur Prävention von Mobbing und Gewalt im Schulunterricht finden Sie hier.