Prävention
 
Aids-Hilfe in Oldenburg
Aids-Hilfe in Oldenburg
Der eingetragene Verein Deutsche Aids-Hilfe e.V. wurde 1983 als erste Aids-Selbsthilfe-Einrichtung in Deutschland gegründet. Auch in Oldenburg ist der Verein seit vielen Jahren aktiv. Mitarbeiter Claas Hüer berichtet im Interview über die Arbeit der Aids-Hilfe Oldenburg.

Herr Hüer, Sie arbeiten bei der Aids-Hilfe, was ist für Sie das Besondere an Ihrer Arbeit?

Die Arbeit mit Extremen – Freude, Trauer, Angst, Leben.

Warum engagieren Sie sich für die Aids-Hilfe?

Es ist ein interessanter, wichtiger Arbeitsplatz.

Können Sie kurz das Angebot der Aids-Hilfe Oldenburg zusammenfassen?

Das Angebot der AIDS-Hilfe ist recht vielfältig. Wir bieten Prävention für unterschiedliche Zielgruppen an. Dazu gehören unter anderem Homosexuelle, aber auch Migrantinnen und Migranten. Außerdem gibt es ein regelmäßiges Frühstück für Betroffene zum Austausch untereinander. Natürlich gibt es bei uns aber auch die klassische persönliche und telefonische Beratung.

Mindestens einmal im Jahr organisieren wir zudem spezielle Fortbildungen für Betroffene. Auf diesen Fortbildungen informieren wir gemeinsam mit Experten über aktuelle Forschungsergebnisse aus der Medizin oder auch aus dem juristischen Bereich.

Wer kann die Angebote der Aids-Hilfe in Anspruch nehmen und an wen wendet sich die Aids-Hilfe in erster Linie?

Jeder kann die Hilfen in Anspruch nehmen. Ursprünglich richtet sich die Arbeit der AIDS-Hilfen an schwer erreichbare Zielgruppen, wie Schwule, Drogengebraucher, Migrantinnen und Migranten. Mittlerweile richtet sich unser Angebot jedoch  an alle, die die Hilfen in Anspruch nehmen möchten.

Gibt es in Oldenburg spezielle Angebote für Familienangehörige?

Nein, es gibt kein spezielles Angebot, aber der Beratungswunsch seitens der Angehörigen ist groß. Wir stellen das bei unserer Arbeit immer wieder fest. Angehörige können sich mit ihren Fragen jedoch jederzeit an uns wenden. Im Rahmen der klassischen Beratung stehen wir auch ihnen zur Verfügung. Schließlich betrifft das Leben mit HIV auch sie und es bedeutet häufig eine enorme Umstellung im Familienleben, die vielfach Fragen und Probleme mit sich bringt.

Gibt es spezielle Angebote für Schulen?

Ja, wir haben auch eine eigene Präventionsfachkraft für den Bereich Schulen, die die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema HIV und AIDS vertraut macht. Je nach Klasse und Schulform haben wir dafür unterschiedliche Info-Vorträge, in denen mal mehr der biologische Aspekt oder eben der sozial-ethische Aspekt thematisiert werden.

Gibt es darüber hinaus spezielle Angebote für Jugendliche?

In Oldenburg haben wir noch die so genannte „Coming-Out“-Beratung. Diese Beratung richtet sich sowohl an die Jugendlichen, als auch an ihre Eltern. Es ist schließlich nicht einfach für die Heranwachsenden, mit anderen über ihre Homosexualität zu sprechen. Viele haben Angst, ihren Eltern von ihrer sexuellen Neigung zu erzählen. Wir möchten den Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie auch ihren Eltern bei diesem schwierigen Schritt helfen. Im Rahmen der „Coming-Out“-Beratung sollen die Betroffenen über ihre Gefühle berichten können. Es sollen Vorurteile abgebaut sowie Sorgen und Ängste genommen werden. Kurzum: Dieses Beratungsangebot soll den Betroffenen einen vorurteilsfreien Raum bieten, der offene Gespräche zulässt.

Wann wenden sich Betroffene in der Regel an Sie?

Das ist sehr unterschiedlich. Einige suchen uns bereits kurz nach dem Diagnoseergebnis durch den Arzt auf, andere hingegen wenden sich erst mit dem Therapiebeginn an uns. Es gibt aber auch Betroffene, die erst kurz vor ihrem Todeszeitpunkt den Weg zu uns finden und wiederum andere, die quasi aus Langeweile heraus Kontakt zu uns aufnehmen.

Wie sieht ein Leben mit der Diagnose Aids aus?

Auch das ist sehr individuell. Manche Menschen verfallen in Depressionen, andere leben bewusster.

Was unterscheidet den Lebensalltag Aids-Erkrankter von dem Alltag Nicht-Infizierter?

Der Tagesablauf wird von den Medikamenten bestimmt. Es ist entscheidend, dass die Medikamente regelmäßig zu bestimmten Zeitpunkten eingenommen werden. Ebenso ist ein regelmäßiges Screening beim Arzt/Ärztin notwendig. Außerdem „outen“ sich viele Betroffene nicht, und verheimlichen ihre Infektion im Freundes- und Bekanntenkreis. Viele Menschen sind stets bemüht, dass nicht bekannt wird, dass sie HIV-positiv sind. Dadurch entsteht ein unglaublicher Druck.

Jedes Jahr setzen sich nationale und internationale Stars für die Aufklärungskampagne der AIDS-Hilfe ein, um über HIV und seine Folgen aufzuklären. Warum diese Kampagne und was ist das Besondere daran?

AIDS ist in der deutschen Gesellschaft kaum sichtbar. Die Stars stellen sich als so genannte Rollenmodelle zur Verfügung, damit AIDS wahrgenommen wird. Sie sind ein wichtiger Mittler für die Botschaft, dass man sich schützen soll. Ihre Botschaften werden von der Bevölkerung aufgenommen.

Warum ist AIDS-Prävention nach wie vor wichtig?

AIDS wird von vielen nicht als Bedrohung wahrgenommen. AIDS verliert an Schrecken, die Infektionszahlen steigen seit Jahren wieder an oder bleiben auf hohem Niveau stabil. Um diesem Phänomen zu begegnen ist es wichtig, Prävention aktiv zu betreiben

Wie sollte Ihrer Meinung nach effektive Präventionsarbeit in diesem Bereich aussehen?

Zielgruppenspezifische Prävention, mit genügend finanzieller Unterstützung auf die Zielgruppen abgestimmt ist besonders wichtig. Dabei sind Szene-, Fremdsprachen- und Menschenkenntnis unabdingbar.

Sollte das Thema Aids in Schulen stärker thematisiert werden, um Jugendliche frühzeitig auf die Gefahren einer Infektion aufmerksam zu machen?

Ja, auf jeden Fall. Wie bereits erwähnt haben wir spezielle Präventionsangebote für Schülerinnen und Schüler. Mit diesem speziellen Angebot haben wir im Jahr 2008 bisher etwa 2.000 Schülerinnen und Schüler in der Stadt Oldenburg, dem Landkreis Ammerland, im Landkreis Oldenburg und in der Wesermarsch erreicht.

Denken Sie, dass es in naher Zukunft Heilungschancen für die Betroffenen geben wird?

Es wird in absehbarer Zeit keine Heilung geben, alle derzeitigen Forschungsergebnisse sprechen dagegen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Umfangreiche Informationen zur Immunschwächekrankheit finden Sie hier.