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Gesundheit
 
Chronische Erkrankungen bei Kindern – Zahlen 2009
Chronische Erkrankungen bei Kindern – Zahlen 2009
Chronische Erkrankungen bei Kindern sind heute weit verbreitet. Das LBS-Kinderbarometer 2009 und die Forsa-Studie „Kindergesundheit“ 2009 haben sich mit der Thematik befasst und liefern entsprechende Zahlenwerte.

Das LBS-Kinderbarometer 2009

Die Forsa-Studie „Kindergesundheit“ (2009)

Auch wenn man es nicht unbedingt vermutet: Die Zahlen zu chronischen Erkrankungen bei jungen Menschen sind hoch. Hierzu nahm beispielsweise Professor Stefan Wirth, ärztlicher Leiter des Zentrums für Jugendmedizin an der Helios Klinik Wuppertal beim Herbstkongress der Kinder- und Jugendärzte in Bad Orb im Jahr 2009 Stellung: Seiner Aussage zufolge ist mindestens jedes achte Kind in Deutschland chronisch krank. Im Rahmen verschiedener Studien wurde untersucht, wie es um die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland bestellt ist. Zwei Beispiele sind das LBS-Kinderbarometer 2009 und die Forsa-Studie „Kindergesundheit“ (2009).

DAS LBS-Kinderbarometer 2009

Im Rahmen des LBS-Kinderbarometers 2009 wurden im Winter 2008/2009 mehr als 10.000 Kinder innerhalb der gesamten Bundesrepublik Deutschlands zu verschiedenen Lebensbereichen befragt. So wurde unter anderem auch eine Erhebung zu Krankheiten und Körperempfinden der Mädchen und Jungen durchgeführt. Dabei kam es zu folgenden Ergebnissen:

Jedes dritte befragte Kind gab an, in Stresssituationen oder Momenten, in denen sie unter Druck stehen, Kopfweh zu bekommen. Jedes fünfte leidet in derartigen Situationen unter Bauchschmerzen. Weil einige Kinder mit beiden Symptomen gleichermaßen auf Stress und Druck reagieren, können die beiden Werte nicht einfach addiert werden. Insgesamt haben 45 Prozent der befragten Kinder entweder Kopfweh oder Bauchschmerzen bei stressbedingten Belastungen. Dabei sind Mädchen deutlich häufiger betroffen als ihre männlichen Altersgenossen: Im Gegensatz zu den Jungen (31 Prozent) leiden 40 Prozent der Mädchen unter Stresskopfschmerz, über ein Viertel der Mädchen bekommen in den entsprechenden Situationen Stressbauchweh (Jungen: 16 Prozent).

Ein Drittel der Kinder berichtete im Rahmen der Befragung von Allergien. 13 Prozent gaben an, Heuschnupfen zu haben. Weil die Mädchen und Jungen Heuschnupfen nicht den Allergien zuordneten, wurde er gesondert erfasst. Rechnet man Heuschnupfen den allergisch bedingten Erkrankungen zu, so gaben insgesamt 36 Prozent der befragten Kinder an, unter einer solchen zu leiden.

15 Prozent aller befragten Mädchen und Jungen berichteten von anderen Krankheiten. Von ihnen litt jeder Vierte unter Asthma – dies entspricht vier Prozent aller befragten Kinder. Beinahe ein Fünftel (drei Prozent aller befragten Kinder) gab andere chronische Erkrankungen wie Neurodermitis  und Aufmerksamkeitsstörungen oder Lernschwächen an.

Die Forsa-Studie „Kindergesundheit“ (2009)

Die Forsa-Studie „Kindergesundheit“ wurde von einer Zeitschrift für Eltern sowie einer großen deutschen Krankenkasse beim Forsa-Institut in Auftrag gegeben und im Dezember 2008 durchgeführt. In ihrem Rahmen wurden 1.008 Personen mit mindestens einem Kind im Alter von unter sechs Jahren zur Gesundheit ihrer Kinder befragt. Dabei bezogen sich Fragestellungen auch auf den Bereich der chronischen Erkrankungen. Bei einer Betrachtung der Ergebnisse muss stets berücksichtigt werden, dass sie sich ausschließlich auf die Aussagen der Eltern beziehen und sich nicht auf ärztliche Diagnosen stützen.

Welche chronischen Erkrankungen kommen vor?

Laut elterlichen Aussagen leiden 28 Prozent der Kinder an einer chronischen Erkrankung. Dabei wurden die folgenden Angaben zur Art der Erkrankung gemacht: Neurodermitis betrifft 14 Prozent der Kinder, gefolgt von Heuschnupfen (fünf Prozent) sowie Asthma (drei Prozent) und Migräne (drei Prozent). An Epilepsie leiden zwei Prozent der Kinder, von Zöliakie (Gluten-Unverträglichkeit), Rheuma und Diabetes ist jeweils ein Prozent betroffen. Vier Prozent leiden an anderen chronischen Beschwerden. Bei den Angaben zur Art der Erkrankung waren Mehrfachnennungen möglich.

Welche chronischen Erkrankungen werden besonders gefürchtet?

Den Ergebnissen der Forsa-Studie zufolge fürchten sich Eltern besonders davor, dass ihr Nachwuchs irgendwann einmal unter dem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom mit oder ohne Hyperaktivität AD(H)S leiden könnte: 44 Prozent der Mütter und Väter machten hier die entsprechende Angabe. 32 Prozent fürchten Asthma, 28 Prozent Diabetes und 26 Prozent Neurodermitis. 23 Prozent der Eltern haben Angst vor einer Übergewichtigkeit ihres Kindes, 16 Prozent vor einer rheumatischen Erkrankung. Vegetative (psychosomatische) Störungen wie Bauch- oder Kopfschmerzen empfinden 15 Prozent der befragten Eltern als potenziell bedrohlich. Untergewicht, das beispielsweise durch Essstörungen wie Magersucht hervorgerufen wird, wird in diesem Zusammenhang ebenso wie Heuschnupfen von 14 Prozent genannt, gefolgt von Zahnproblemen (11 Prozent). Sieben Prozent der befragten Mütter und Väter fürchten sich zudem vor anderen als den genannten Krankheiten.

Chronische Erkrankungen auf dem Land und in der Stadt

In Dörfern mit weniger als 5.000 Einwohnern geben 83 Prozent der Eltern an, ihr Nachwuchs leide nicht unter chronischen Erkrankungen. Mit steigenden Einwohnerzahlen nimmt die Gesundheit der Kinder jedoch ab. So sind in Orten mit einer Einwohnerzahl zwischen 5.000 und 100.000 Einwohnern nur noch beinahe drei Viertel der Kinder frei von chronischen Erkrankungen. In Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern beläuft sich die entsprechende Zahl nur noch auf 65 Prozent. Auch bei den Krankenhausaufenthalten zeigt sich der Land-Stadt-Unterschied: So waren lediglich 18 Prozent der Kinder, die in kleineren Dörfern aufwuchsen, schon einmal für längere Zeit im Krankenhaus gewesen. Bei den Orten mit 5.000 bis 100.000 Einwohnern waren es bereits 22 Prozent, und in den großen Städten mit über 100.000 Einwohnern 29 Prozent.

Regionale Unterschiede bei chronischen Erkrankungen

Bei der Betrachtung regionaler Unterschiede wird in der Forsa-Studie „Kindergesundheit“ 2009 zwischen „Nord“, „NRW“, „Mitte“, „Süd“ und „Ost“ unterschieden. Der Untersuchung zufolge sind diejenigen Kinder am gesündesten, die im Norden Deutschlands leben: Hier sind 79 Prozent frei von chronischen Beschwerden. Mit nur einem Prozent weniger schließt sich der Süden an, gefolgt von der Mitte Deutschlands mit 73 Prozent. Der Osten und Nordrhein-Westfalen bilden mit 68 beziehungsweise 64 Prozent das Schlusslicht. Im Süden Deutschlands fürchten über die Hälfte der Eltern die gesundheitliche Störung ADS/ADHS, während im Norden nur 32 Prozent und in der Mitte Deutschlands 43 Prozent davor Angst haben. In Nordrhein-Westfalen und im Osten des Landes fürchten 44 beziehungsweise 45 Prozent das Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom.

Chronische Erkrankungen und Bildungsstand

Laut Forsa-Studie leiden die Kinder von Eltern mit einem Hauptschulabschluss häufiger unter chronischen Erkrankungen als Kinder von Eltern mit einem höheren Schulabschluss. So sind 78 Prozent der Kinder von Eltern mit Abitur und 73 Prozent der Eltern mit Realschulabschluss frei von chronischen Erkrankungen. Die entsprechende Zahl bei Kindern von Eltern mit einem Hauptschulabschluss beläuft sich auf 69 Prozent. Die Furcht vor potenziell bedrohlichen Erkrankungen bezieht sich bei Eltern mit Hauptschulabschluss besonders auf ADS/ADHS: Über die Hälfte der Mütter und Väter haben Angst, ihre Kinder könnten irgendwann unter dieser gesundheitlichen Störung leiden. Bei Eltern mit Realschulabschluss und Abitur belaufen sich die entsprechenden Zahlen auf 44 beziehungsweise nur 33 Prozent. 15 Prozent der Eltern mit Realschulabschluss und 14 Prozent der Mütter und Väter mit Abitur fürchten dagegen Zahnprobleme bei ihren Kindern weitaus mehr als Eltern mit Hauptschulabschluss (fünf Prozent).

Alle Studienergebnisse finden Sie hier:

Tabellenband der Forsa-Studie "Kindergesundheit" (2009)

LBS-Kinderbarometer 2009

Welche chronischen Erkrankungen bei Kindern hauptsächlich vorkommen, erfahren Sie hier.