Spielideen
 
Hinweise zum Einsatz der Spielideen
Orientierung
Ziele von "energetischen" Spielen
Spiele - Typen
Die Rolle des Lehrers
Regeln und Hinweise für die Durchführung
Hinweis für die schulische Praxis


0. Zur Orientierung

Die Fähigkeit, friedlich miteinander zu leben und zu arbeiten, ist dem Menschen nicht angeboren. Wir müssen diese soziale Kompetenz erlernen und durch Übung entwickeln. Hierzu benötigen wir die Hilfe anderer: der Eltern, der Geschwister, der Mitschüler, der Lehrer.
Es gibt Spiele, die die Möglichkeit bieten, den Entwicklungsprozess zu fördern. Sie folgen einfachen Regeln, die von allen verstanden werden können und nicht vom Eigentlichen ablenken, sie bieten allen Raum, mitzumachen und eigene Gestaltungsideen einzubringen. Außerdem sorgen diese Spiele für Bewegung und machen viel Spaß.
Um diese besondere Form der Spielideen von den vielen anderen Formen von Spielen zu unterscheiden, wird im Folgenden der Begriff "energetische" Spiele verwandt.

1. Ziele von "energetischen" Spielen

"Energetische" Spiele sind stets auf konkrete unterrichtliche Situationen und Erfordernisse bezogen und haben eine konkrete pädagogische Funktion:

Sie dienen der

  • Hilfe bei der Gruppenbildung

Bei der Zusammenstellung neuer Klassen, aber auch immer dann, wenn neue Schülerinnen und Schüler zur Stammgruppe hinzukommen, ist es notwendig, den Kontakt der Gruppenmitglieder untereinander zu fördern, gegenseitiges Kennenlernen zu ermöglichen und das Zusammenwachsen als Gruppe zu fördern.

  • Sammlung

Immer dann, wenn in der Klasse Aufregung oder Unruhe entstanden ist, etwa nach einem Streit zwischen Schülern, nach der Rückgabe einer schriftlichen Arbeit usw., aber auch nach einer Pause oder wenn der Energiehaushalt einzelner Schüler aus dem Gleichgewicht geraten ist und negative Energien in die Gesamtgruppe übertragen zu werden drohen, kann ein "energetisches" Spiel helfen, Entspannung und Arbeitsruhe wiederherzustellen.

  • Aktivierung

In Phasen, in denen Konzentration und Gesprächsbereitschaft abnehmen, kann ein "energetisches" Spiel helfen, die Interaktion in der Klasse zu be-leben.

  • Gedächtnistraining

"Energetische" Spiele helfen Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit zu fördern und zu stärken. Sie unterstützen dadurch die Arbeit im Fachunterricht.

  • Strukturierung

"Energetische" Spiele lassen sich in jedem denkbaren Unterricht als Phasenteiler einsetzen. Sie strukturieren und rhythmisieren Unterricht auf lockere und unterhaltsame Weise.

2. Spiele - Typen

"Energetische" Spiele finden sich unter www.sign-project.de / Lehrer / Unterrichtsmaterial / Spielideen:

  • Spiele, die das Kennenlernen und den Gruppenzusammenhalt fördern
  • Spiele, die helfen (Arbeits-)Gruppen einzuteilen
  • Spiele, die die Teilnehmer aktivieren und solche, die der  Entspannung, dem Sammeln von Kräften und der Konzentration dienen
  • Spiele, die die Kooperation fördern

3. Die Rolle des Lehrers

Der Schüler ist die Hauptperson, nicht der Lehrer. Dieser erklärt das Spiel, leitet es an, gibt Hilfen zur gemeinsamen Auswertung, spielt möglichst mit, hält sich aber mit Interpretationen zurück.

Er sollte bei der Erklärung von "energetischen" Spielen möglichst klare Anweisungen geben. Er sollte nicht unbedingt alles auf einmal erklären wollen. Es kann günstiger sein, jeweils nur den nächsten Schritt anzuleiten. So bleibt die Spannung erhalten und es gibt weniger Frusterlebnisse, weil jemand eine lange Anweisung schon wieder ver-gessen hat.

Er sollte möglichst humorvoll in der Formulierung der Regeln sein.

Auch "energetische" Spiele gelingen nur bei einer disziplinierten Umsetzung. Anweisungen des Spielleiters müssen befolgt werden.

Damit die Schülerinnen und Schüler die spielerischen Übungen für sich annehmen, muß der Lehrer eine Atmosphäre des Vertrauens und der Diskretion schaffen. Alles, was eine den Prozeß des sozialen Lernens fördernde Atmosphäre stört, muß zum Thema gemacht und für die Zukunft ausgeschlossen werden.

Der Lehrer sollte die "energetischen" Spiele in den Unterricht integrieren und mit den Schülerinnen und Schülern während der Übung oder im Anschluß daran über ihr Erleben und ihre Gefühle sprechen. Im Mittelpunkt steht immer wieder die Interaktion zwischen den Schülern.

4. Regeln und Hinweise für die Durchführung

  • Das Risikoniveau beachten

Wenn Schülerinnen und Schüler sich in der Klasse äußern, vor allem aber, wenn sie etwas Persönliches von sich preisgeben sollen, fühlen sie sich oft unter Druck. Dieses Risiko wird wesentlich durch die Arbeitsform und das Ausmaß der Öffentlichkeit bestimmt. Es lassen sich verschiedene Stufen des Risikoniveaus (von gering bis hoch) unterscheiden:

Risikostufe 1 (niedrig)

Etwas (Persönliches) :

  • für sich überlegen
  • für sich aufschreiben

Risikostufe 2 (mittel)

Etwas (Persönliches) :

  • zusammen mit einem Partner besprechen
  • in einer Kleingruppe besprechen
  • zusammen mit einer Kleingruppe vor der ganzen Klasse präsentieren

Risikostufe 3 (hoch)

Etwas (Persönliches) :

  • zusammen mit einem Partner vor der ganzen Klasse präsentieren
  • allein vor der Klasse präsentieren

Manche Teilnehmer können sich nur schwer auf "energetische" Spiele einlassen (Angst vor körperlicher Nähe, persönliche Themen, ungewohnte Arbeitsformen, Zwang zur Übernahme einer bestimmten Rolle), obwohl sie anschließend oft zufrieden bis begeistert sind.
Wenn sich mit solchen Spielen unangenehme Gefühle (Unsicherheit, Angst bloßgestellt zu werden) verbinden, werden die Schüler versuchen, solche Situationen in Zukunft zu vermeiden.

Der Lehrer sollte deshalb das den Teilnehmern zugemutete Risiko gut abwägen.

Wenn er unsicher ist, welche Reaktionen er mit einer Spielanweisung aus-löst, kann  er die Möglichkeit geben, zwischen zwei Aufgaben oder zwei Arbeitsformen mit unterschiedlichem Risiko oder verschiedenen Rollen zu wählen.

  • Das Risikoniveau an die Gruppe anpassen
    1. Hinweise auf Körperkontakt und Orientierung über die in das Spiel einbezogenen Körperregionen;
    2. bei Entspannungsübungen aufklären, was die Teilnehmer tun können, wenn ihnen das Sitzen mit geschlossenen Augen unangenehm ist: Blick auf den Fußboden richten, die anderen nicht beobachten;
    3. die Schülerinnen und Schüler bei der Arbeit an sehr persönlichen Themen selbst wählen lassen, mit wem sie zusammenarbeiten wollen;
    4. Transparenz über das geplante Thema, das damit verbundene Ziel, die geplante Methode herstellen;
    5. klare Anweisungen/Regeln geben: Wer übernimmt welche Rolle? Wer fängt an? Wie viel Zeit steht zur Verfügung? etc.;
    6. ein Beispiel gegeben und damit den Erwartungshorizont transparent machen.
  • Das Recht zu passiver Teilnahme einräumen

Der Lehrer sollte den Schülern das Recht einräumen, Spiele nicht mitzumachen. Einige können sich mit diesem Recht besser auf die Übungen einlassen, wenn sie sich nicht gedrängt oder gezwungen fühlen.

Teilnehmer, die nicht aktiv mitspielen, können gut als Beobachter für den Arbeits- oder Gruppenprozess eingesetzt werden. In der Auswertungs-phase können sie mitteilen, was sie von außen gesehen und erlebt haben. Sie bleiben auf diese Weise Teil der Gruppe und nehmen an Gruppen-prozessen teil.

  • Den Sinn des Spiels transparent machen

Die meisten Schülerinnen und Schüler verbinden mit Spielen keinen Unterricht, sondern eher Freizeit, kein ziel- oder zweckgebundenes Handeln, sondern eher Unverbindlichkeit. Viele ältere Schüler (vor allem in der Pubertät) finden Spiele auch kindisch oder albern.

Der Lehrer sollte von Übungen oder (Spiel-) Versuchen sprechen (jedoch keinesfalls von  "Spielchen"). Er sollte das Ziel des Spiels angeben, damit die Gruppe dessen Sinn erkennen und es in einen nachvollziehbaren Zusammenhang einordnen kann. Damit werden eventuelle Widerstände verringert.

  • Selbst mitspielen

Der Lehrer sollte selbst mitspielen und ein Beispiel für ein faires und kooperatives Verhalten geben. Beim Spielen kann er gut mit den Kindern in Kontakt kommen und gemeinsam mit ihnen Spaß haben.

  • Zügig spielen

Der Lehrer sollte die Spiele nicht in die Länge ziehen, damit sich die Teilnehmer nicht langweilen oder unruhig werden.

  • Für emotionale Sicherheit sorgen

Es ist wichtig sicherzustellen, dass alle einander mit Höflichkeit und Respekt begegnen. Dazu kann auch gehören, das Risikoniveau des Spiels für die Teilnehmer zu beachten und sie nicht zu überfordern.

  • Individuelle und kulturelle Unterschiede beachten

Der Lehrer sollte individuelle oder kulturelle Tabus beachten. Manche Kinder fühlen sich unwohl, wenn bei Aktivitäten Köperkontakt notwendig ist oder wenn Mädchen und Jungen gemeinsam spielen. Er sollte nachfragen, was es einem Teilnehmer schwer macht, sich auf die Übung(en) einzulassen. Ggf. sollte er beim Einsatz von "energetischen" Spielen an das Recht zu `passen´ denken.

  • Spiele an die Beschaffenheit der Gruppe anpassen

Manchmal sind Änderungen im Ablauf nötig, damit auch Teilnehmer mit Verhaltensauffälligkeiten oder Behinderungen mitmachen können. In einem solchen Fall sollte der Lehrer ändern, was er für nötig hält, damit alle Spaß haben und niemand sich ausgegrenzt fühlt.

  • Spiele mit den Schülerinnen und Schülern auswerten

Wenn die Schüler miteinander spielen, machen sie nicht nur individuelle soziale Erfahrungen, sondern sie sprechen in der Regel auch miteinander darüber. Diese Gespräche können die soziale Integration der Gruppe wesentlich voranbringen.

Veränderungsvorschläge von Schülerinnen und Schülern sollten nicht als Kritik oder Störung begriffen werden, sondern als Rückmeldung, dass die Aktivität grundsätzlich als anregend oder sinnvoll erkannt wurde, aber in veränderter Form eher den Bedürfnissen der Teilnehmer entspricht.

Der Lehrer darf aber auch den Mut haben, einen Veränderungsvorschlag zurückzuweisen, wenn er Bedenken hat.

5. Hinweis für die schulische Praxis

In der Praxis kann es hilfreich sein, die in einer Lerngruppe bekannten Spielideen für Kolleginnen und Kollegen, die auch in der Klasse unterrichten, zur Verfügung zu stellen. So kann auch im Fachunterricht problemlos auf diese Elemente, die schnell und ohne große Erklärungen einsetzbar sind, zurückgegriffen werden.

Dazu können die Spielanleitungen in einem Hefter gesammelt und die benötigten Materialien, eventuell laminiert, in einem Karton gelagert werden. Dieses "Paket" kann im Klassenraum deponiert werden.