Offizielles
 
Jan ter Horst
Eigenverantwortliche Schule
Jan ter Horst ist Leiter der Abteilung für Allgemein bildende Schulen und Kindertagesstätten im Niedersächsischen Kultusministerium. Die Sign-Redaktion hatte die Gelegenheit, mit ihm über die Einführung der Eigenverantwortlichen Schule in Niedersachsen zu sprechen.

Wie kann Ihrer Meinung nach die Eigenverantwortliche Schule funktionieren?

Die Eigenverantwortliche Schule braucht ein gutes, motiviertes Miteinander von Eltern, Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern, Schulträgern und dem schulischen Umfeld. Eigenverantwortliche Schule kann nur gelingen, wenn alle Beteiligten an einem Strang ziehen und sich dieser verantwortungsvollen Aufgabe gemeinsam stellen.

Was mussten Sie vorbereiten und organisieren, damit die Eigenverantwortliche Schule nun in Niedersachsen auf den Weg kommt?

Die Eigenverantwortliche Schule ist ein dauerhafter Prozess, den man nicht mit einem Gesetzentwurf allein gestalten kann. Wir haben jetzt im Landtag die Vorbereitungen abgeschlossen. Ich gehe davon aus, dass im Juli-Plenum des Landtages der Gesetzentwurf verabschiedet wird. Mit dem Schulgesetzentwurf sind erst einmal nur die gesetzlichen Rahmenbedingungen gesteckt: die Stärkung des Schulleiters, die Einführung eines neuen Entscheidungsgremiums - eines Schulvorstandes - sowie die Gesamtkonferenz mit nunmehr pädagogischen Aufgaben.

Im Moment arbeiten wir daran Beratungs- und Unterstützungssysteme für die Schulen bereitzustellen. Die Schulleiterfortbildungen laufen schon. Der gesamte Bereich der Beratung, Unterstützung und Fortbildung, also die Vorbereitung auf die Eigenverantwortung insgesamt, ist ganz besonders wichtig. Zum Teil läuft das schon, und bei anderen Dingen müssen wir noch vieles auf den Weg bringen.

Welchen Platz werden Gremien, wie zum Beispiel die Gesamtkonferenz, zukünftig in der Eigenverantwortlichen Schule einnehmen? Welche Strukturen wird es geben?

Es wird eine veränderte Struktur geben. Die Gesamtkonferenz war bisher wesentlich ein Lehrergremium. Es konnten zwar auch Eltern und Schüler mitreden, aber diese waren in einer Minderheitenposition. Die Gesamtkonferenz in der alten Form war ein schul- und bildungspolitischer Dinosaurier.

Wir haben uns jetzt für ein modernes Schulverfassungsmodell entschieden. Die Schulleitung wird ausdrücklich gestärkt. In Niedersachsen soll ein Schulvorstand eingeführt werden. Dieser ist aufgebaut als ein Eltern-Lehrer-Schüler-Gremium unter Beteiligung des Schulträgers. Wir springen damit ein bisschen ins kalte Wasser, obwohl das Wasser ja so kalt nicht ist. Manch andere Bundesländer haben diesen Weg bereits mit Erfolg beschritten, und wir hören von ihnen Gutes.

Es ist sicher wesentlich, dass die an Schule Beteiligten mehr Verantwortung tragen müssen. Stärker eingebunden zu sein, ist auch eine ausdrückliche Forderung des Landeselternrates. Ich kann als Vater von drei schulpflichtigen Kindern sehr gut nachvollziehen, dass Eltern diesen Wunsch haben und ich freue mich, dass die Landespolitik, insbesondere die Regierungsfraktionen, diesem Wunsch nachgegeben hat und den Schulvorstand einrichtet. Das ist ein ganz spannendes Gremium, in dem jeder mitarbeiten kann. Ich bin gespannt, was da passiert.

Welche genauen Rechte werden Eltern und Schülervertreter bei der Eigenverantwortlichen Schule haben?

Die Position des Schulleiters ist als Vorgesetzter klar definiert. Eltern und Schüler arbeiten weiter in der Gesamtkonferenz mit. Der Schulvorstand mit Eltern und Schülern kann über Haushaltsmittel, Qualitätsentwicklung, Organisationsfragen, Schulversuche und vieles andere mehr entscheiden. Dies tut er gemeinsam mit den Lehrervertretern einschließlich des Schulleiters, der auch Teil des Vorstands ist.

Bedeutet die Eigenverantwortliche Schule auch eine deutliche Entlastung für die Lehrer?

Ja und Nein. Letztendlich ist es eine Entlastung, weil den Schulen mehr Gestaltungsfreiheit und mehr Verantwortung, im Rahmen der staatlichen Gesamtverantwortung, eingeräumt werden.

Es ist aber auch eine Belastung, wie jede Verantwortung, die man übertragen bekommt. Man muss etwas tun, sich fortbilden, sich der Aufgabe stellen und man muss sich vor allen Dingen hinterfragen. Qualitätsmanagement muss betrieben werden, wie man es auch aus der Wirtschaft kennt. Die Eigenverantwortliche Schule ist also ständig auch gefordert, sich selbst in Frage zu stellen.

Insofern sind Be- und Entlastung miteinander verbunden. Wir wollen ja eine Qualitätsverbesserung, wie wir es von anderen Ländern auch kennen. Und unser großes Ziel dahinter ist es natürlich die Schülerinnen und Schüler besser auf das vorzubereiten, was nach der Schule kommt.

Wird es durch die Einführung der Eigenverantwortlichen Schule eine Veränderung des Klimas an Schulen geben?

Da bin ich mir ganz sicher. Eine Verbesserung des Schulklimas wird eintreten, weil sich Schulen durch die Vorgaben des Qualitätsmanagements stärker in Frage stellen müssen und stärker im gesellschaftlichen Umfeld vernetzt sind. Diese Vernetzung entsteht zum Beispiel, weil der Schulträger im Schulvorstand mit beratender Stimme vertreten ist. Wichtig ist auch, dass der Schulvorstand andere Mitglieder beratend einbeziehen kann, wenn er das für erforderlich hält.

Wie sehen die nächsten Schritte auf dem Weg zur Eigenverantwortlichen Schule aus?

Wichtig ist die Verabschiedung des Schulgesetzes. Dann müssen wir unsere Erlassregelungen anpassen. Ein Teil der Erlasse wird wegfallen, andere werden wir in die Eigenverantwortung der Schulen geben. Das müssen wir jetzt weiter bearbeiten. Zudem müssen wir das Thema Beratung und Unterstützung noch konkretisieren. Es muss Personalverantwortung an die Schulen übertragen werden, insbesondere an die Gymnasien und Gesamtschulen. Auch darauf müssen wir vorbereiten und dabei unterstützen. Zusätzlich sind wir ja auch mitten im Umbau der Landesschulbehörde. Das alles muss  aufeinander abgestimmt werden. Es gibt also noch eine ganze Menge zu tun.

Das Sign-Projekt beschäftigt sich neben der Sucht- und Gewaltprävention auch mit der Gesundheitsförderung und Entspannung. Das wird künftig ja auch ein Thema der Eigenverantwortlichen Schule sein. Wie entspannen Sie sich?

Ich gehe möglichst viele Wege zu Fuß. Außerdem ist es wichtig, auch mal ganz bewusst abzuschalten und sich eine Auszeit zu nehmen. Im Büro zum Beispiel mal zu sagen, dass man eine halbe Stunde keine Telefonate erledigt. Und am Wochenende ist es am besten, gar nicht zu arbeiten. Diese Zeit verbringe ich dann meist im Garten.

Vielen Dank für das Gespräch.