Gender Mainstreaming in Schule
Gender beschreibt das soziale Geschlecht. Es beinhaltet Bilder, Rollen und Erwartungen, die wir an Frauen und Männer stellen. Mainstreaming beschreibt eine grundsätzliche Regel oder ein Leitprinzip. Lesen Sie hier, was Gender Mainstreaming im Kontext Schule heißt.
Individuelle Fähigkeiten unterstützen
Gleichbeachtung von Mädchen und Jungen?
Wer sich einmal Gedanken über Mädchen und Frauen sowie über Jungen und Männer macht, stellt schnell fest, dass es sich hierbei um unterschiedliche Rollen handelt. Die gesellschaftlichen Anforderungen und Erwartungen an Frauen und Männer sind doch recht unterschiedlich und größtenteils noch immer sehr traditionell geprägt. Während die Rolle des Ernährers in erster Linie weiterhin Männern zugeschrieben wird, wird von Frauen noch immer mehrheitlich erwartet, dass sie sich um Familie und Haushalt kümmern - auch wenn sie erwerbstätig sind. Hierin zeigen sich die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten von Männern und Frauen, auf die bereits junge Mädchen und Jungen hin sozialisiert werden. Aber auch die Bedürfnisse, die Interessen und Erfahrungswelten der Geschlechter unterscheiden sich und sind somit nicht geschlechtsneutral. Hier setzt Gender Mainstreaming an. Der Begriff Gender Mainstreaming meint das Hinwirken auf die aktive und erkennbare Berücksichtigung der jeweiligen Situation von Mädchen und Jungen. Hierbei wird davon ausgegangen, dass es keine geschlechtsneutrale Wirklichkeit gibt. Stattdessen wird auf die unterschiedliche Lebenswirklichkeit von Mädchen und Jungen aufgrund ihres Geschlechts eingegangen. Für den Kontext Schule bedeutet das eine Abkehr von geschlechtsneutralen Ansätzen.
Individuelle Fähigkeiten unterstützen
Das Ziel einer gendergerechten Bildung liegt vor allem darin, Mädchen und Jungen unabhängig von ihrem Geschlecht wahrzunehmen. Sie sollen sich in der Schule entsprechend ihrer Fähigkeiten frei entfalten können und in ihren Besonderheiten wahrgenommen werden.
Gender Mainstreaming bedeutet auch mehr Toleranz. Mehr Toleranz für jene, die sich in ihrer Geschlechtsrolle eingeengt fühlen oder sich mit den Vorgaben nicht einverstanden erklären. Warum sollten Jungen nicht öffentlich weinen dürfen, ohne Angst haben zu müssen, von anderen Kindern ausgelacht zu werden? Was ist schlimm daran, wenn sich Mädchen lieber mit technischen Dingen beschäftigen als mit Puppen?
Hierfür spielt die Gestaltung des Unterrichts eine wesentliche Rolle. Statt des Frontalunterrichts wirkt sich eine offene Unterrichtsgestaltung beispielsweise wesentlich positiver auf Schülerinnen und Schüler aus. Zudem wird dadurch die Gleichbeachtung der Geschlechter unterstützt. Eine offene Gestaltung des Unterrichts ermöglicht auch ein von den Mädchen und Jungen selbst gesteuertes Lernen, das beiden Geschlechtern gerecht wird.
Gleichbeachtung von Mädchen und Jungen?
Obwohl Mädchen in Hinblick auf ihren Bildungserfolg in den vergangenen 30 Jahren immens ausgeholt haben, stehen sie in punkto Berufsorientierung weiterhin hinter den Jungen. Mädchen machen inzwischen die besseren Schulabschlüsse, besuchen öfter höhere Schulformen, bleiben seltener sitzen und brechen die Schule nicht so oft ab wie Jungen. Trotzdem haben sie es auf dem Ausbildungsmarkt schwer. Das Berufswahlspektrum von Jungen ist wesentlich größer. Mädchen wählen hingegen weiterhin aus einigen wenigen Berufen - in der Regel typische Frauenberufe. Im Gegensatz zu den von Jungen gewählten Berufen ist es für junge Frauen auch heute oft schwer, mit ihrem Einkommen auch für andere finanzielle Verantwortung zu übernehmen.
Ziel von Gender Mainstreaming ist es daher, allen Schülerinnen und Schülern die gleichen Zukunftschancen zu ermöglichen. Auf dem Weg in eine eigenständige Zukunft sollen Mädchen und Jungen die gleichen Chancen haben, unabhängig von ihrem Geschlecht und davon, ob sie nun mit oder gegen den Strom schwimmen.
Hier erfahren Sie mehr über geschlechtsspezifisches Rollenverhalten (Wie entsteht geschlechtsspezifisches Rollenverhalten?) sowie über die Berufswahl von Mädchen und Jungen.