Sucht
 
Plakat der Anti-Rauch-Kampagne der BZgA mit rauchender Frau
"Jugendkampagne geht in die falsche Richtung!"
Internationale Nichtraucher-Experten schlagen Alarm

Anlässlich der "Weltkonferenz für Tabak oder Gesundheit", die im August in Helsinki stattfand, kritisierten namhafte internationale und nationale Organisationen die aktuelle Kampagne der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA). Der Präsident der Internationalen Union gegen Krebs (UICC) und der American Cancer Society, John R. Seffrin, zeigte sich empört: "Es ist undenkbar, dass eine Regierung Geld von der Tabakindustrie akzeptiert und diese Industrie jetzt die Rahmenbedingungen einer Jugendkampagne diktiert. Die Serie dieser Anzeigen glamorisiert das Rauchen, statt es für Jugendliche weniger attraktiv zu machen. Wir fordern den sofortigen Stopp dieser Kampagne."

Derzeit wirbt die BZgA in Jugend-Illustrierten wie "Bravo" und "Popcorn". Auf ganzseitigen Anzeigen werden attraktive jugendliche Raucher in unterschiedlichen Situationen dargestellt. Ein Motiv zeigt ein rauchendes Paar, das sich küsst. In großen Lettern steht in der Überschrift "Raucher haben Kontakt." Unauffällig darunter steht in kleinen Buchstaben "Stimmt: Mit krebserregenden Stoffen wie Arsen, Benzol, Radon oder Teer."

Professor Dr. Friedrich Wiebel, Bundesvorsitzender des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit und Sprecher des AKTIONSBÜNDNISSES NICHTRAUCHEN, macht die verheerenden psychologischen Auswirkungen der Kampagne auf Jugendliche deutlich: "Die Verführung zum Rauchen ist perfekt. Der kleine Schuss Gegenwarnung macht das Rauchen erst richtig attraktiv."

Auch die Präsidentin des Weltkongresses, Lisa Elovainio, äußerte sich empört über die Anzeigenkampagne aus Deutschland: "Diese Kampagne ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die sich für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Drogen und Sucht einsetzen!"

Viele Experten sehen in der verfehlten Anzeigenserie ihre Befürchtungen bestätigt, die sie bereits im Vorfeld der Unterzeichnung des Vertrages zwischen der Bundesregierung und der Tabakindustrie geäußert hatten. Finanziert wird die Anzeigenserie aus Geldern der Tabakkonzerne - mit insgesamt 11,8 Millionen Euro über fünf Jahre. Mit diesem Geld dürfen laut Vertrag ausschließlich Präventionsprogramme für Jugendliche durchgeführt werden. Außerdem verpflichtete die Bundesregierung sich dazu, dass die Kampagne weder die Tabakindustrie noch deren Produkte, den Zigarettenhandel oder den erwachsenen Raucher diskriminieren oder verunglimpfen würde.

Nichtraucherschutz geht nicht weit genug

Die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Frau Professor Dr. Dagmar Schipanski, nahm darüber hinaus heute Stellung zu den aktuellen Äußerung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung: "Die Deutsche Krebshilfe begrüßt es, wenn ein besserer Nichtraucherschutz gesetzlich verankert wird. Vorrang haben zwar Toleranz und Rücksichtnahme, doch in vielen Fällen geht der Nichtraucherschutz noch nicht weit genug. 400 Menschen sterben jedes Jahr in Deutschland an einem durch Passivrauch hervorgerufenen Lungenkrebs!" Nach Ansicht der Deutschen Krebshilfe sollten gerade Schulen und Krankenhäuser rauchfrei sein, und auch in Behörden, öffentlichen Gebäuden und Gaststätten ist der Nichtraucherschutz vordringlich.

Dazu Frau Professor Schipanski: "Diese Maßnahmen müssen jedoch eingebettet sein in eine stringente Tabak-Kontrollpolitik. Dazu gehören eine drastische Tabaksteuererhöhung und ein umfassendes Tabakwerbeverbot. Die Bundesregierung stellt gerade beim Thema Tabakwerbung nach wie vor die Interessen der Zigarettenindustrie über den Gesundheitsschutz der Bevölkerung - dies können wir nicht hinnehmen! Wir fordern die Regierung auf, eine wirksame und fortschrittliche Politik zu betreiben und es nicht bei kleinen Schritten bewenden zu lassen." Auch nach Ansicht der Deutschen Krebshilfe sollte die aktuelle BzgA-Jugend-Kampagne gestoppt und der Vertrag der Bundesregierung mit der Zigarettenindustrie gekündigt werden.

Tabak-Kontrollpolitik

Angesichts von rund 140.000 Toten, die in Folge des Tabakkonsums jährlich in Deutschland sterben – das sind 380 Personen pro Tag – fordert die Deutsche Krebshilfe:

1. Keine Beeinflussung der Politik durch die Tabakindustrie.
2. Die Abschaffung aller Zigarettenautomaten.
3. Eine deutliche Erhöhung der Tabaksteuer.
4. Die Abschaffung der Subventionen für den Tabakanbau.
5. Wirksame Maßnahmen gegen den Tabakschmuggel.
6. Wirksame Maßnahmen zur Kontrolle des Tabakgebrauchs.
7. Anerkennung der Folgen des Passivrauchens als Berufskrankheit.

Die Motive der Anzeigenkampagne gibt es auf der BzgA-Homepage.

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum