Wenn die Klasse in die Pubertät kommt
Lehrerinnen und Lehrer bemerken schnell, wenn sich ihre Schüler verändern. Ab einem gewissen Alter kann die einsetzende Pubertät Grund dafür sein. Sie setzt heute zwei bis drei Jahre früher ein als noch vor 100 Jahren.
Pubertätsverläufe sind sehr unterschiedlich. Einige Schülerinnen und Schüler sind eher unauffällig, andere hingegen treten Ihnen heftig, kritisch und launisch entgegen. Sie als Lehrkraft erleben nur zu gut diesen Entwicklungsprozess der Heranwachsenden. Gerade in dieser Zeit ist es für Jugendliche besonders wichtig, Grenzen zu erfahren. Geben Sie den Schülerinnen und Schülern eine Orientierung, umso besser werden sie die beginnende Pubertät meistern.
Fremd im eigenen Körper
Kinder, die in die Pubertät kommen, haben oft Schwierigkeiten mit den Veränderungen ihres Körpers fertig zu werden. In der frühen pubertären Entwicklungsphase fühlen sich einige Mädchen und Jungen fremd in ihrem Körper. Sie sind mit der plötzlichen Veränderung ihres Körpers überfordert und fühlen sich nicht einmal mehr bei ihren Freunden wohl. Gerade Mädchen haben meist nicht viel Zeit, ihre Kindheit hinter sich zu lassen. Sie sind in der Regel ihren gleichaltrigen Klassenkameraden zwei Jahre in der Entwicklung voraus. Der Busen beginnt bei einigen Mädchen bereits im Alter von zehn, elf Jahren zu wachsen und lässt sich auch nicht mehr verstecken. Jugendliche wissen sehr genau, dass der wachsende Busen mit Sexualität zu tun hat. Sie merken vielleicht als Lehrkraft, dass es den Mädchen unangenehm ist und sie sich wegen der körperlichen Veränderungen oft schämen. Äußerungen oder Bemerkungen anderer über die zunehmende Weiblichkeit, die oft nicht böse gemeint sind, können das Selbstbewusstsein der jungen Mädchen in einem Alter von zehn, elf Jahren beeinträchtigen. Erwachsene sehen auf Grund des Erscheinungsbildes des pubertierenden Kindes oft einen jungen Erwachsenen vor sich. Mit diesem Anspruch sind einige Kinder überfordert und werden unsicher. In dieser Zeit ist es für Mädchen und Jungen besonders wichtig, neben Eltern auch Lehrerinnen und Lehrer um sich zu haben, die sie durch diesen schwierigen Prozess begleiten und sie damit nicht überfordern. Lassen Sie das Mädchen oder den Jungen noch Kind sein. Geben Sie ihnen als Lehrkraft ein Gefühl von Verständnis. Schmunzeln sie nicht darüber, wenn Kinder zwischenzeitig wieder mit dem Spielen beginnen. Das ist vollkommen normal.
Kleidung dient der Selbstfindung
Veränderungen der Mädchen und Jungen werden auch oft durch einen veränderten Kleidungsstil der Jugendlichen deutlich. Die Bluse oder das T-Shirt der Schülerinnen wird zunehmend durch ein enges Top ersetzt. Jungen tragen zunehmend Jeans, die nicht richtig sitzen, eigentlich zu groß sind und das Gefühl vermitteln, jeden Moment von den Hüften zu rutschen. Mädchen spielen immer öfter mit ihren Reizen und Jungen fühlen sich verstärkt „cool“. Diese scheinbar ungeeignete Kleidung ist oft nur eine Phase im Leben der Kinder. Kleidung nutzen Jugendliche, um sich selbst zu finden und sich auszuprobieren. Sie wollen sich gerade dadurch von den Erwachsenen abgrenzen. Wer bin ich überhaupt?, Wie sehe ich aus?, Was denken meine Freunde über mich? Wie komme ich bei anderen Jugendlichen an? sind Fragen die sich Jugendliche in dieser Zeit häufig stellen. Natürlich können Sie als Lehrkraft mit wertschätzenden Worten ihre Meinung über den Kleidungsstil äußern. Sie können auch auf Gesundheitsgefahren, beispielsweise im Winter bauchfrei tragen, aufmerksam machen. Mit Verboten in der Schule bezüglich des Kleidungsstils wird meist nur wenig erreicht. Vielleicht fällt es ihnen leichter, wenn sie mal an ihre Jugendzeit zurück denken, um sich in die Mädchen und Jungen hinein zu versetzen.
Sie als Lehrkräfte erleben neben den Eltern die Pubertätsphasen der Kinder unmittelbar. Deshalb sind Sie für die Schülerinnen und Schüler auch in dieser schwierigen Lebensphase eine bedeutende, begleitende und stützende Person.