Schulische Gesundheitsförderung
Dass Schule eine Einrichtung für die Gesunderhaltung und das Wohlergehen junger Menschen ist, ist nicht neu. Aktiver Sportunterricht und Schulmahlzeiten sollten dazu beitragen, etwas für die Gesundheit der Kinder zu tun. Wie kann schulische Gesundheitsförderung aussehen?
Konzept einer gesundheitsfördernden Schule
Ebenen der schulischen Gesundheitsförderung
Die Sichtweise einer „Gesundheitsfördernden Schule“ ist relativ neu. Sie setzt an der Erreichung einer gesunden Lebensweise für alle am Schulleben beteiligten Personen an, indem in der Schule unterstützende Lebenswelten zur Förderung der Gesundheit geschaffen werden. Die Schule wird als ein wichtiger Lebensraum der Gesundheitsförderung gesehen, weil hier ein großer Teil der Bevölkerung bereits in jungen Jahren und über viele Jahre hinweg erreichbar ist. Es gibt ausreichende Kenntnisse darüber, dass Einstellungen und Verhaltensweisen im Umgang mit Gesundheit und Krankheit bereits im frühen Kindesalter erworben werden (Naidoo und Wills, 2003).
Mit schulischer Gesundheitsförderung wird die Befähigung aller Personen einer Schulgemeinschaft verstanden, verantwortungsbewusst mit ihrer eigenen Gesundheit und der ihrer Mitmenschen umzugehen. Um dies zu erreichen brauchen Schulen sowohl personenbezogene als auch verhältnisbezogene Unterstützung durch fachliche Institutionen und externe Partner, wie beispielsweise das Sign-Projekt. Dadurch werden die Gesundheitsqualität der Schule und die schulische Bildungsqualität verbessert. Gesundheitsförderung in der Schule geht über die schulische Gesundheitserziehung (die meist nur am Risikoverhalten der Schülerinnen und Schüler ansetzt) hinaus (Paulus, 2006).
Konzept einer gesundheitsfördernden Schule
Zu dem Konzept einer gesundheitsfördernden Schule gehören nach Ansicht des Psychologen Prof. Dr. Peter Paulus vier Handlungsfelder.
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Lehren und Lernen: Gesundheit als Thema des Lehrens und Lernens sowie gesundheitsförderliche Didaktik und Methodik des Lehrens und Lernens insgesamt
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Schulleben und schulische Umwelt: Gesundheit als Prinzip der Schulkultur sowie als Prinzip baulicher Maßnahmen und der Schulgestaltung
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Kooperation und Dienste: Einbeziehung außerschulischer Partner und psychosozialer beziehungsweise medizinischer Dienste zur Stärkung schulischer Gesundheitsförderung
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Schulisches Gesundheitsmanagement: Entwicklung sowie Anwendung von Prinzipien und Strategien schulbetrieblicher Gesundheitsförderung
Auf internationaler Ebene wurde das „Europäische Netzwerk Gesundheitsfördernder Schulen“ von der Weltgesundheitsorganisation 1992 initiiert. Dabei haben sich 40 verschiedene Schulnetzwerke zur schulischen Gesundheitsförderung gebildet. Die Koordination lag bei der Weltgesundheitsorganisation. Alle Schulen, die erfolgreich gesundheitsfördernde Projekte erarbeitet und umgesetzt haben, stellten fest, dass fünf verschiedene Bereiche dafür ausschlaggebend waren:
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Verbesserung der baulichen Substanz der Schulen und des schulischen Umfeldes: dazu gehören beispielsweise die Umgestaltung von Schulhöfen, Veränderungen des Schulgebäudes und von Räumen, Reparaturen von Toilettenanlagen und ähnlichem
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Programme zur gezielten Bearbeitung verschiedener Themen: dazu gehören Themen wie Ernährung, Umwelt und Gesundheit, Rauchen, Drogen und Alkohol, Sexualerziehung, AIDS-Prävention und Gewalt-Prävention
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Aufbau demokratischer Strukturen an Schulen: das heißt, Schülerinnen und Schüler mit in Entscheidungen einzubeziehen, sie auch dazu zu motivieren, sich in der Schule zu engagieren, die Meinungen freier artikulieren zu können, ein gutes Lernklima zu schaffen, das Lernen selbstständiger zu organisieren sowie Lehrer-Schüler-Beziehungen zu verbessern
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Fortbildung der Lehrkräfte: zum Beispiel in den Bereichen der Gesundheitserziehung und Gesundheitsförderung, in Lehr- und Lernmethoden, der Kommunikation, Kooperation mit der Elternschaft
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Entwicklung der Schulorganisation und Schulkultur: beispielsweise durch Veränderung der Pausenzeiten, Regelungen zur Prävention von Gewalt oder Suchtprävention, gesundes Essen in der Schule
Eine Schule, die in ihrem Konzept Gesundheitsförderung verankert hat, macht es sich zur Aufgabe, diese Handlungsfelder in den Schulalltag zu implementieren. Dies geschieht nicht von heute auf morgen, sondern kann nur durch einen Schulentwicklungsprozess erfolgen, der auf den Lern- und Arbeitsplatz sowie auf den gesamten Lebensraum Schule einwirken soll. Das oberste Ziel ist dabei, die Gesundheit der Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer sowie des nicht unterrichtenden Personals zu erhalten und möglichst zu verbessern. Gesundheit wird dementsprechend zu einem Aspekt des Schulprofils (Paulus, 2006).
Ein wichtiger Schritt beim Aufbau einer gesundheitsfördernden Schule ist die Analyse der gesundheitlichen Ist-Situation: Formulierung von angestrebten Zielen, beispielsweise die Verbesserung des psychosozialen Klimas an der Schule; Einrichtung von Gesundheitsplenen in der Schule, beispielsweise runde Tische für Gesundheit.
Dieser gesundheitsfördernde Ansatz, auch settingbasierter Ansatz genannt, hat eine große Chance, nachhaltig wirksam zu sein, weil er von einer breiten Mehrheit der betroffenen Personen getragen wird. Sie fühlen sich in das Geschehen der Schule eingebunden und sind bereit, an der Umsetzung mitzuwirken, weil verschiedene Aspekte des Schullebens, wie beispielsweise der Unterricht und die außerschulischen Kooperationen, mit einbezogen sind (Paulus 2006).
Im Gegenzug dazu richten sich die problembasierten Ansätze meist nur an die Schülerinnen und Schüler. Sie sollen im Unterricht gesundheitsfördernde Fertigkeiten und Kompetenzen erwerben, um den gesundheitsschädigenden Risiken standhalten zu können. Möglichkeiten der Gesunderhaltung und Gesundheitsförderung sollen Mädchen und Jungen erlernen und aktiv umsetzen. Einige Schulen entwickeln auch die traditionelle Gesundheitserziehung weiter und nehmen mehr salutogenetische Faktoren mit auf wie Steigerung des Selbstwertgefühls, Kompetenzaspekte wie Selbstwirksamkeitserwartungen, Stress-Bewältigungsstile und aktuelle Lebenswelt- und Entwicklungsanforderungen von Kindern und Jugendlichen. Die problembasierten Ansätze zur Gesunderhaltung können auch als Bestandteile des settingbasierten Ansatzes verstanden werden (Paulus 2006).
Ebenen der schulischen Gesundheitsförderung
Für die Umsetzung der fünf Bereiche des „Europäischen Netzwerks Gesundheitsfördernder Schulen“ brauchen Schulen feste externe Kooperationspartner. Das können andere Schulen, Krankenkassen, Hochschulen, öffentliche Gesundheitsdienste, Gesundheitsprojekte oder niedergelassene Ärzte sein. Häufige Probleme bei der Umsetzung in den schulischen Alltag sind unzureichende Kenntnisse im Projektmanagement, Zeitmangel, zu wenig Personal, zu geringe interne und externe qualifizierte Unterstützung. Die Probleme können auch darin begründet sein, dass Gesundheit nur einen kleinen Bereich des schulischen Erziehungs- und Bildungsauftrags ausmacht. Andere Themenbereiche stehen eher in Konkurrenz zur Gesundheitsförderung. Um Gesundheitsförderung stärker in den Schulalltag zu implementieren, sind Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen notwendig (Paulus 2006).
In Deutschland sind vor allem folgende Ebenen von Bedeutung:
Die Schulebene: Schulen sollten stärker Kooperationen mit psychosozialen und medizinischen Institutionen eingehen (zum Beispiel mit schulpsychologischen und schulärztlichen Diensten, der Schulsozialarbeit, der Erziehungsberatung, den Kinderärzten, Krankenkassen).
Die curriculare Ebene: Schulische Gesundheitsförderung müsste stärker in die Rahmenrichtlinien verankert werden.
Die Ebene der Lehrerinnen- und Lehrerausbildungen: In die Ausbildung der Lehrkräfte müssen viel mehr Elemente der schulischen Gesundheitsförderung einfließen und verankert werden.
Die Ebene der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildungen und Weiterbildungen: Die einzelnen Bundesländer müssen stärker für die Entwicklung gesundheitsfördernder Schulen sorgen. Dazu gehört auch die Schaffung eines kontinuierlichen Angebots von Bildungsmaßnahmen im Gesundheitsbereich.
Die politische Ebene: Gesundheitsfördernde Schulen haben mehr Gelegenheiten, sich konstruktiv in bildungspolitische und schulpädagogische Diskussionen einzumischen. Sie haben untereinander Netzwerke und Kooperationspartner, die ihnen zur Seite stehen (Paulus 2006).
Eine gesundheitsfördernde Schule vertritt einen ganzheitlichen Ansatz. Dabei ist es wichtig, dass Leitlinien und Umsetzung von gesundheitsfördernden Maßnahmen in der Schule entwickelt, verabschiedet und schriftlich festgehalten werden. Alle Personen, die am Schulalltag mitwirken, müssen an der Entwicklung der Leitlinien partizipieren. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Gesundheitsförderung und Prävention nur „Floskeln“ bleiben. Nachweisen lassen sich die implementierten gesundheitsfördernden Maßnahmen durch einen veränderten Schulalltag. Das Kernelement einer „Gesundheitsfördernden Schule“ ist die demokratische Mitwirkung und Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler (Naidoo und Wills, 2003).
Für eine „gesunde Schule“ ist ein gutes Schulklima ein weiteres Qualitätsmerkmal. Dies drückt sich durch die Qualität der sozialen Interaktionen zwischen den Schülerinnen und Schülern, zwischen dem gesamten Schulpersonal und den Schülern sowie zwischen dem Schulpersonal selbst aus. Eine Schule, die Wert auf gute soziale Beziehungen legt, den sozialen Lernprozess in den Vordergrund stellt und das Selbstwertgefühl der Schülerinnen und Schüler stärkt, wird sehr schnell eine Verbesserung der Qualität im Unterricht bemerken (Naidoo und Wills, 2003).
Die bauliche Gestaltung und das äußere Erscheinungsbild einer Schule können stimulierend oder deprimierend auf Menschen wirken. Schulen sollten zu einem angenehmen Lernort werden. Dazu zählen unter anderem ein sauberes und sicheres Umfeld, das heißt keine Abfallberge, saubere Toiletten und ein einladender Schuleingang. Ebenso sollte es Rückzugsmöglichkeiten für ein geselliges Beisammensein und ruhiges Lernen geben (Naidoo und Wills, 2003).
Kontakte zum sozialen Umfeld der Kinder gehören genauso zu einer gesunden Schule. Die Intensität kann jedoch sehr unterschiedlich sein. Sie können beispielsweise von der Information über Schulereignisse und Anfragen zur finanziellen Unterstützung der Schule bis hin zur aktiven Einbeziehung aller Eltern in die Entscheidungen zur Lehrplangestaltung und zur seelischen Betreuung reichen. Auch andere Verbindungen zu kommunalen Einrichtungen und Institutionen können das Schulklima positiv beeinflussen und zur Entwicklung einer „Gesundheitsfördernden Schule“ beitragen (Naidoo und Wills, 2003).
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