Prävention
 
Gewaltfreie Kommunikation – ein Gesprächsansatz
Vor gut 50 Jahren entwickelte Dr. Marshall B. Rosenberg eine Methode zur besseren Verständigung und Steigerung der sozialen Fähigkeiten: die Gewaltfreie Kommunikation. Noch heute findet dieses Kommunikationsmodell weltweit Anerkennung.

Die Methode der Gewaltfreien Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation in der Schule

Bereits in den 1960er Jahren entwickelte der Psychologe Dr. Marshall B. Rosenberg den Ansatz der Gewaltfreien Kommunikation. Seitdem wurde diese Methode kontinuierlich verfeinert. Sie dient als friedliche Alternative zur Gewalt, die der Wissenschaftler in seiner Jugend in Detroit kennenlernte. Bis heute konnte Rosenberg zahlreiche Programme in Schulen, Institutionen und zur Förderung des Friedens in Krisengebieten initiieren. Zudem ist er Begründer des Center for Nonviolent Communication (CNVC) in den USA und leitet dort das Trainingcenter. Das CNVC bietet mit über hundert Trainerinnen und Trainern Workshops für Lehrer/innen und Erzieher/innen, Berater/innen, Eltern, im Gesundheitswesen Tätige, Mediator/innen, Manager/innen, Gefängnisinsassen/innen, Strafvollzugsmitarbeiter/innen, Polizist/innen, Soldat/innen, Geistliche und Regierungsbeamte in 30 verschiedenen Ländern an.

Die Methode der Gewaltfreien Kommunikation

Gewaltfreie Kommunikation (GFK) zu leben und zu lehren bedeutet,

  • die Fähigkeit von Menschen zu stärken,
  • auf mitfühlende Weise Kontakt zu sich selbst und anderen Menschen herzustellen,
  • Ressourcen miteinander zu teilen und
  • Konflikte (beispielsweise in Schule, in Beziehungen, in Krisengebieten) auf friedliche Weise zu lösen.

GFK kann sowohl präventiv als auch in bereits bestehenden Konflikten eingesetzt werden. In der GFK gibt es eine bestimmte Sichtweise, warum Kommunikationssituationen schief laufen können, denn: Unsere Sprache enthält Gewalt fördernde und Gewalt mindernde Elemente. Zu den Gewalt fördernden Sprachelementen gehören Vorwürfe, Kritik und Strafe oder beim Gegenüber Schuld, Scham, Angst beziehungsweise Widerstand auslösende Elemente. GFK geht davon aus, dass, in dem Moment, in dem wir Gewalt fördernde Anteile in unserer Sprache nutzen, mit der so genannten Wolfsprache sprechen. Das bedeutet, dass wir nicht mit unseren Bedürfnissen, also dem was wir dringend brauchen, in Verbindung sind. Die Giraffensprache hingegen lehrt uns so zu sprechen, dass die Bedürfnisse des anderen nicht verletzt werden. Ihre Elemente sind Empathie, Respekt, Wertschätzung und Zugewandtheit. Mit Giraffenohren hört man hinter einem Vorwurf oder hinter einem „Nein“ des Sprechers eine Botschaft über dessen eigentliche Gefühle und Bedürfnisse. Um sowohl die eigenen als auch die Bedürfnisse des Gegenübers erfüllen zu können ist eine andere Haltung und ein anderer Weg gefragt. Diesen Weg hat Rosenberg im Rahmen der GFK in vier Schritten beschrieben:

  1. Situation/Auslöser: beobachten und beschreiben ohne Bewertung und Deutung
  2. Gefühle: ausdrücken ohne Vorwurf
  3. Bedürfnisse: erkennen und nennen
  4. Bitten: konkret und handlungsorientiert formulieren

Diese Schritte kann man aus zwei Perspektiven gehen: aus der eigenen als Selbsteinfühlung und aus der Perspektive des Gegenübers als Einfühlung in die andere Person. Die Einfühlung wird dann kommuniziert: Im ersten Schritt teilt man mit, auf welche Situation oder Wahrnehmung man sich bezieht, ohne diese Beobachtung zu bewerten (ein Beispiel für Bewertung: „Markus, du redest zu viel und quatscht immer dazwischen“). Vermischt man Beobachtungen mit Bewertungen, dann wird der andere die enthaltene Kritik hören und abweisend reagieren.

Die Ursachen von positiv oder negativ erlebten Gefühlen sind erfüllte oder unerfüllte eigene Bedürfnisse. Die Handlungen oder das Verhalten anderer Personen sind Auslöser, die auf eigene Bedürfnisse hinweisen. Durch die Selbsteinfühlung kann jede/r die eigenen Gefühle und Bedürfnisse herausfinden und benennen. Im vierten Schritt werden Bitten geäußert, die die Bedürfnisse beider Seiten befriedigen sollen. Diese Bitten sollten klar und eindeutig formuliert und nicht als Forderung ausgedrückt werden.

Diese Methode stellt einen Großteil unserer Denkweise auf den Kopf, erfordert viel Übung und auch Mut, sich dem anderen zu öffnen und ihm ein Gespräch über Gefühle und Bedürfnisse zuzutrauen..

Gewaltfreie Kommunikation in der Schule

Marshall B. Rosenberg hat in vielen Ländern an Schulprojekten mitgearbeitet und GFK in Schulen erfolgreich ein- und umgesetzt. Das Interesse an der Methode verbreitet sich auch unter Lehrerinnen und Lehrern immer weiter.

GFK schafft die Möglichkeiten:

  • lebensbereichernde und gleichwertige Partnerschaften zwischen allen an Schule Beteiligten aufzubauen: Schüler/innen, Lehrer/innnen, Eltern und weiteren in Schule tätigen Personen
  • junge Menschen auf selbstverantwortliches Lernen und partnerschaftliche Zusammenarbeit sowie die gewaltfreie Lösung von Konflikten vorzubereiten,
  • empathisches und fürsorgliches Arbeiten für die Sicherung des eigenen Wohls sowie des Wohls anderer zu leisten.

Ein schematisches Beispiel zur Gewaltfreien Kommunikation können Sie hier als PDF herunterladen.

In den Büchern „Erziehung, die das Leben bereichert - Gewaltfreie Kommunikation im Schulalltag“ (2004) sowie „Kinder einfühlend unterrichten - Wie Schüler und Lehrer durch gegenseitiges Verständnis Erfolg haben können“ (2007) erfahren Sie mehr über Rosenbergs Modell zur Gewaltfreien Kommunikation in Schule.