Lernwelten
 
Mehr Bewegung im Unterricht!
Mehr Bewegung im Unterricht!
Bewegung im Unterricht fördert die Konzentrations-, Leistungs- und Aufnahmefähigkeit von Schülerinnen und Schülern. Dabei können Bewegungselemente ohne großen Aufwand und wie selbstverständlich in die Schulstunden eingebaut werden.

Möglichkeiten der individuellen Bewegungsfreiheit

Bewegung im Unterricht ist nicht nur eine willkommene Abwechslung für Schülerinnen und Schüler: Insbesondere dann, wenn ihre Konzentrationsfähigkeit stark nachlässt – beispielsweise gegen Ende eines langen Unterrichtstages – sind kurze Phasen der Bewegung beinahe unverzichtbar. Der Kreislauf kommt wieder in Schwung, die „bleierne“ Müdigkeit lässt nach, das Gehirn wird mit Sauerstoff versorgt, und die Aufnahmefähigkeit wird signifikant gesteigert. Um Bewegung in Ihren Unterricht einzubauen, brauchen Sie keinen großen Aufwand zu betreiben: Schon dann, wenn Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit haben, sich im Rahmen ihrer Aufgaben selbstständig und individuell zu bewegen, hat dies positive Effekte auf ihr Lernverhalten und ihren Lernerfolg. Wie Sie einfache Bewegungsabläufe in Ihren Unterricht einbauen können, erfahren Sie hier.

Möglichkeiten der individuellen Bewegungsfreiheit

  • Akzeptanz notwendiger Bewegungsabläufe: Ermöglichen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, notwendige Bewegungsabläufe auszuführen, ohne jedes Mal um Erlaubnis bitten zu müssen. Erklären Sie ihnen, dass der Unterricht mehr durch das Fragen gestört wird als durch die Handlungen selbst. Geben Sie Mädchen und Jungen daher beispielsweise die Möglichkeit, zum Papierkorb zu gehen, sich die Hände zu waschen oder Materialien ans Lehrerpult zu bringen. Achten Sie allerdings darauf, dass diese Handlungen nur dann ausgeführt werden, wenn sie tatsächlich notwendig sind. Lassen Sie Unterrichtsmaterialien von Ihren Schülerinnen und Schülern abholen, statt sie selbst auszuteilen – hierdurch wird ein weiterer Bewegungsablauf in den Schulalltag eingebracht.
     
  • Mobilität bei der Aufgabenstellung und -lösung: Um mehr Bewegung in den Unterricht zu bringen, können Sie beispielsweise Aufgaben in Form von Aushängen gestalten und diese an einer Pinnwand anbringen. Um die Aufgaben einsehen zu können, müssen die Mädchen und Jungen aufstehen und zur Pinnwand laufen. Einen ähnlichen „Bewegungseffekt“ haben zusätzlich ausgelegte Materialien. Ermöglichen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern, sich bei der Bearbeitung von Aufgaben Hilfe oder unterstützende Informationen zu holen. So könnten sie beispielsweise zu Ihnen kommen oder Mitschülerinnen und Mitschüler an ihren Tischen „besuchen“, um sich dort mit ihnen zu beratschlagen oder Arbeitsergebnisse zu vergleichen. Auch Aufgaben, bei denen die Schüler in einem größeren Radius – beispielsweise in der Schulbücherei, im Lehrerzimmer oder beim Hausmeister – Erkundigungen einholen müssen, eignen sich dafür, mehr Mobilität in den Unterricht zu bringen. Sollen Aufgaben in Arbeitsgruppen bearbeitet werden, können Sie die Planung dahingehend gestalten, dass jeder Schüler sich bewegen muss, um zu seiner Gruppe zu gelangen.

  • Flexibilität bei der Raumnutzung: Gestehen Sie Ihren Schülerinnen und Schülern in bestimmten Arbeitsphasen zu, sich einen Platz auszusuchen, an dem sie ihre Aufgaben bearbeiten wollen. Neben dem Bewegungseffekt, spielt hier auch der „Wohlfühleffekt“ eine nicht zu unterschätzende Rolle: An selbst gewählten Orten lernt es sich oftmals wesentlich leichter. Für eine derartige Aufgabenbearbeitung eignen sich insbesondere Phasen der Partnerarbeit, der Freiarbeit und Ähnliches. Um zusätzliche Bewegungsabläufe für Schülerinnen und Schüler in den Unterricht zu bringen, können Sie Lernobjekte an unterschiedlichen Raumseiten platzieren. Der eher starre „Frontalunterricht“ wird hierdurch aufgelockert.

  • Aufstehen beim Antworten: Was zu früheren Zeiten gang und gäbe war, hatte in jüngerer Zeit eher einen negativen Beigeschmack: Heutzutage ist es kaum noch vorstellbar, dass Kinder früher einmal aufstehen mussten, wenn sie ihrem Lehrer die Antwort auf eine Frage geben wollten. Im Rahmen des Bestrebens, mehr Bewegung in den Schulunterricht zu bringen, ist es jedoch sinnvoll, hier umzudenken: Aus dem eher auf den „Gehorsam“ der Kinder ausgerichteten „Aufstehen-Müssen“ könnte heute vielmehr ein „Aufstehen-Dürfen“ werden: Durch den kurzen aber effektiven Bewegungsablauf kommt der Kreislauf der Schülerinnen und Schüler in Schwung. Der Körper erfährt eine Entlastung vom anstrengenden Sitzen.

  • Bewegung beim Lernen: Versuchen Sie, so oft wie möglich konkrete Lerninhalte mit Bewegungsabläufen zu verbinden. So könnten Sie beispielsweise im Fremdsprachenunterricht Vokabeln in einem spielerischen Rahmen an Ihre Schülerinnen und Schüler vermitteln. Bilden Sie hierzu zwei Gruppen. Eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer der ersten Gruppe läuft an die Tafel und stellt einen Begriff zeichnerisch dar. Beide Gruppen müssen nun erraten, um was es sich dabei handelt. Diejenige Gruppe, die die korrekte Begriffsbezeichnung herausfindet, erhält einen Punkt. Nun läuft ein Mädchen oder ein Junge der anderen Gruppe an die Tafel und fängt an, zu zeichnen. Gewonnen hat die Gruppe, die am Ende die meisten Punkte gesammelt hat. Der Bewegungseffekt wird erhöht, wenn die an der Tafel stehenden Schülerinnen und Schüler die Begriffe gestisch und mimisch darstellen müssen.

„Tipps für mehr Bewegung im Unterricht!“ finden Sie hier.

Informationen zum Thema „Konzentration“ und „Konzentrationsstörungen“ finden Sie hier.