Schule
 
Mut für „Sitzenbleiber“
Bismarck, Churchill und Einstein drehten eine "Ehrenrunde" ebenso wie unsere Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn. Laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes für das Schuljahr 2003/2004 sind 252 600 Schülerinnen und Schüler an allgemein bildenden Schulen sitzen geblieben. Bezogen auf insgesamt etwa 8,6 Millionen Schüler entspricht dies einer Wiederholerquote von 2,9 Prozent. Davon waren 3,4 Prozent oder 145 300 der Sitzenbleiber Jungen und 2,5 Prozent oder 107 300 Mädchen. Mit rund 5 Prozent war der Anteil der Wiederholer in den Klassen 7 bis 9 am höchsten. Am seltensten wurde in den Grundschulen wiederholt (1,5 Prozent).

Die Klasse zu wiederholen, bedeutet für die Betroffenen immer ein Scheitern und den Verlust sozialer Bindungen. Die Eltern sollten Ruhe bewahren und zunächst einmal Verständnis aufbringen. Kein Schüler kommt freiwillig mit schlechten Noten nach Hause. Schlechtes Abschneiden ist stets Resultat einer längeren Entwicklung und kann viele Ursachen haben.

Es ist nicht das individuelle Versagen des Einzelnen, sondern es kann sein, dass das Verhältnis zwischen SchülerIn und Lehrkraft nicht stimmt, dass die falsche Schulform gewählt wurde oder die persönliche Situation ausschlaggebend ist. Psychische Belastungen im familiären Bereich, die Trennung der Eltern oder ein Trauerfall können dazu führen, dass die schulischen Leistungen rapide abfallen.

Wiederholen bringt keinen Lernzuwachs
Spätestens seit PISA ist klar, dass das Wiederholen meist keinen echten Lernzuwachs bringt. In vielen Fächern kommt es sogar zum Lern-Stillstand. In fast allen erfolgreicheren PISA-Ländern gibt es kein „Sitzenbleiben“, sondern nur die individuelle Förderung von Schülern.

Im deutschen Bildungssystem werden die „Sitzenbleiber“ aus ihrer sozialen Umgebung herausgerissen und in vielen Fällen führt das schulische Versagen eines Kindes/Jugendlichen zu Familienstreitigkeiten. Die Jugendlichen sind frustriert, weil sie den gesamten Unterrichtsstoff des vergangenen Jahres wiederholen müssen, denn Probleme haben die meisten ja nur in einzelnen Fächern.

Die Frage ist, wie können die Kinder und Jugendlichen in einer solchen Situation aufgefangen und gefördert werden?

- Loben sie Ihr Kind/ihre SchülerInnnen
- Üben sie keinen Druck aus
- Versuchen sie die Ursachen für die schlechten Noten herauszufinden.
- Verdeutlichen sie, dass sie bei Unsicherheiten und Fragen jederzeit als Ansprechperson dienen
- Ermöglichen sie Erfolgserlebnisse
- Sprechen sie mit den Lehrkräften über mögliche Hilfsmaßnahmen
- Motivieren sie ihr Kind/ihre SchülerInnen!


Viele Kinder und Jugendliche sind überfordert
In unserer leistungsorientierten Gesellschaft sind viele Kinder und Jugendliche überfordert: Leistungsdruck in der Schule, Zoff mit den Eltern und Freizeitstress am Nachmittag. Natürlich können stressige Momente niemandem erspart bleiben. Gezielt gegengesteuert werden sollte aber, wenn Kinder und Jugendliche unter Dauerstress stehen. Nicht nur so offensichtliche Symptome wie Bauchschmerzen und Nägelkauen, sondern auch auffällige Verhaltensweisen wie Aggressivität oder Rückzug können auf Stress hindeuten.

Wie können sie gegensteuern?
- Überdenken sie ihre eigenen Erwartungen an die Kinder

Regelmäßigkeiten und feste Regeln können den Stress reduzieren:
- zu festen Zeiten schlafen gehen und aufstehen
- täglich zur gleichen Zeit an einem ruhigen Platz für die Schule lernen
- genügend Zeit für Freizeit und Entspannung lassen.