Angst vor Klassenarbeiten
Ein mulmiges Gefühl vor der bevorstehenden Klassenarbeit kennt wohl jeder. Richtige Prüfungsangst ist dagegen eher selten. Sie kann jedoch zu schulischem Misserfolg führen und demotiviert beim Lernen. Dabei kann Angst auch positiv sein, denn sie erhöht die Aufmerksamkeit.
Wann haben wir Angst und wie entsteht sie?
Prüfungsangst
Was tun?
Richtige Vorbereitung
Lernerfolg und Misserfolg fördern Motivation und Demotivation
Wann haben wir Angst und wie entsteht sie?
Angst verspürt jeder ein Mal. Bei dem einen ist es Panik, bei dem anderen Furcht, der nächste umschreibt es mit Unwohlsein. Unterschiedliche Dinge können dies auslösen. Es gibt Orte, die uns Angst einflößen, wie dunkle Gassen oder Tunnel. Situationen können uns ängstigen, vor allem dann, wenn wir befürchten in ihnen kritisiert zu werden, auf Ablehnung zustoßen und Misserfolg ernten zu können. Wir fürchten uns vor Tieren oder beispielsweise vor der Klassenarbeit.
Angst kann jeder empfinden, denn die Fähigkeiten dazu sind uns angeboren. Einige Ängste werden im Laufe des Lebens abgebaut, neue kommen hinzu. Kinder fürchten sich beispielsweise vor Gespenstern, Erwachsene verspüren eher Zukunftsängste. Viele Ängste beruhen bei Erwachsenen auf ihrer Erfahrung und auf erlebten Ereignissen.
Gesteuert werden körperliche Symptome von Angst durch das vegetative Nervensystem. Angst erhöht unsere Aufmerksamkeit, denn die Pupillen weiten sich und unser Seh- und Hörvermögen wird empfindlicher. Die Muskeln befinden sich in erhöhter Anspannung und die Reaktionsgeschwindigkeit erhöht sich. Die Atmung wird flacher und schneller. Unsere Herzfrequenz ist erhöht und der Blutdruck steigt an. Man kommt ins Schwitzen, Zittern oder verspürt ein Schwindelgefühl
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Angst ist aber nicht immer negativ, denn im Grunde löst sie einen Erregungszustand bei uns aus, der die Sinne schärft. Erhöhte und übersteigerte Angst, kann aber auch zu Panik führen. Sie kann lähmen und zu hektischen und unüberlegten Reaktionen verleiten.
Fürchten wir uns, versuchen wir diese Situationen zu vermeiden. Dies ist allerdings nicht immer möglich, beispielsweise wenn es sich um Schul- oder Prüfungsangst handelt.
Prüfungsangst
Nicht wenige Schülerinnen und Schüler fürchten sich vor einer anstehenden Arbeit oder Prüfung. Schließlich ist dies der Augenblick, in dem ihr Wissen und ihre Leistungen beurteilt werden. Denn die Noten aus den einzelnen Leistungsüberprüfungen fließen in die Abschlussnote auf dem Zeugnis mit ein. Wenn nur zwei oder drei Prüfungen in einem Halbjahr geschrieben werden und davon bereits "eine in den Sand gesetzt wurde", steigen selbstverständlich die Bedenken, dass die nächste auch schief läuft und die Note auf dem Zeugnis dementsprechend schlecht ausfällt.
Die Angst vor Prüfungen hat meistens mehrere Ursachen. Die Schülerinnen und Schüler können schlichtweg mit den an sie gestellten Aufgaben überfordert sein. Nicht selten fürchten sich die Schülerinnen und Schüler auch vor den Reaktionen der Eltern. Dabei sind die prügelnden und laut schreienden Mütter und Väter eher die Ausnahme. Dennoch fürchten sich einige Schülerinnen und Schüler davor den Erwartungen der Eltern (wieder einmal) nicht gerecht zu werden. Sie fürchten sich vor den Diskussionen über die Wichtigkeit von guten Leistungen für den späteren Einstieg in das Berufsleben. Schule und schulische Leistungen werden zum andauernden Thema.
Die Furcht vor möglichen Reaktionen kann dazu führen, dass die Schülerinnen und Schüler während der Klassenarbeit mit ihren Gedanken abschweifen und an die möglichen Reaktionen ihrer Eltern denken. Das kann wiederum dazu führen, dass sie in ihren Lernleistungen gehemmt beziehungsweise blockiert werden und bei dem Rest der Arbeit völlig versagen. Zu erkennen ist dies meist direkt in den Klassenarbeiten, wenn die ersten Aufgaben noch richtig beantwortet wurden und dann ein plötzlicher Einbruch erfolgt.
Prüfungsangst ist dann begründet, wenn die Schülerinnen und Schüler sich nicht ausreichend auf die Klassenarbeiten und Tests vorbereitet haben und bereits ahnen, dass sie der Leistungsüberprüfung nicht gewachsen sein werden. In diesem Fall verringert eine bessere Vorbereitung die Angst vor der Leistungsüberprüfung.
Was tun?
Vermuten Mütter und Väter Prüfungsangst bei ihrem Kind, sollten sie die Lehrer ihres Kindes aufsuchen und das Problem thematisieren. Zuerst sollte vor allem eine Überförderung der Mädchen und Jungen ausgeschlossen werden. Besteht eine schwache Lernleistung in bestimmten Fächern, sollte dieser Bereich zwar besonders gefördert, aber die guten Leistungen in den übrigen Fächern auch gelobt und gewürdigt werden. Denn eine gute Schullaufbahn steht auch den Schülerinnen und Schülern offen, die beispielsweise eine Schwäche in einem der naturwissenschaftlichen Fächer haben oder deren Defizite im sprachlichen Bereich liegen. Befriedigende Leistungen in den anderen Fächern sollten dabei nicht vergessen werden.
Sind schlechte Noten geschrieben ist eine erstmalige Enttäuschung der Eltern verständlich. Berechtigt ist das Ärgernis über schlechte Noten dann, wenn sich das Kind nicht oder nicht ausreichend auf die Leistungsüberprüfung vorbereitet hat.
Richtige Vorbereitung
Durch eine richtige Vorbereitung auf Prüfungen entsteht ein stärkeres Sicherheitsgefühl. Die Mädchen und Jungen haben die Sicherheit, sich nach bestem Wissen und Gewissen auf die Leistungsüberprüfung vorbereitet zu haben und geben ihr bestes.
Obwohl der Termin für die nächste anstehende Klassenarbeit meist schon länger feststeht, bereiten sich die Schülerinnen und Schüler nicht selten erst spät auf die Arbeit vor. Ungenutzte Zeit verstreicht. Sinnvoll ist eine Vorbereitung von etwa einer Woche und keine Vorbereitung, die am Vorabend der Prüfung beginnt. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich zu Beginn der Lernwoche eine Übersicht verschaffen, welcher Lernstoff bereits gut beherrscht wird und welcher aufgearbeitet werden muss. Dazu dient ein erster Selbsttest, der die Wissenslücken aufzeigt. Die Zeit für das Lernen sollte im Laufe der Lernwoche reduziert werden, so dass zwei Tage vor der Arbeit bereits alles klar ist und am Tag zuvor gar nicht mehr gelernt werden braucht. Lehrer bieten in der Regel in der letzten Stunde vor der Klassenarbeit die Möglichkeit einzelne Fragen zu beantworten. Sind sich die Mädchen und Jungen rechtzeitig über ihre Wissenslücken im Klaren, können sie diese Stunde nutzen. Zudem können sie rechtzeitig ihre Mitschüler oder ältere Geschwister um Rat fragen.
Die Vorbereitung betrifft aber nicht nur das schulische Wissen, auch das Handwerkszeug muss für die Klassenarbeit bereit liegen. Das Klausurenheft muss mitgebracht werden, der Block noch Papier enthalten, der Füller mit Tinte gefüllt und der Bleistift angespitzt sein. Besonders im Mathematikunterricht ist häufig das Hilfsmaterial besonders wichtig - einige Aufgaben sind ohne Taschenrechner oder mit unerkennbaren Zahlen auf dem Geodreieck nicht lösbar.
Lernerfolg und Misserfolg fördern Motivation und Demotivation
Zeigen Mädchen und Jungen Erfolg beim Lernen, gehen sie optimistisch in die nächste Prüfung und gewinnen bei wiederholtem Erfolg an Selbstbewusstsein. Dies kann zu einer völligen Begeisterung für das Fach führen. Lernerfolg löst somit eine positive Lernspirale aus, die sich durch Motivation auszeichnet. Durch Lob und Interesse an der Lernentwicklung des Kindes können Lehrer und Eltern diese Motivationsspirale stärken beziehungsweise fördern. Diese Spirale wirkt allerdings auch in die andere Richtung. So sind Mädchen und Jungen, die unter Prüfungsangst leiden, durch misslungene Klassenarbeiten besonders demotiviert. Sie entwickeln einen Lernpessimismus, der sich wiederum negativ auf das Selbstwertgefühl der Mädchen und Jungen auswirkt. Dadurch wird ihre Persönlichkeit geschwächt. Misserfolg und die Angst vor der nächsten Prüfung werden somit verstärkt.
Prüfungsangst ist demnach ein Faktor, der die Lernbereitschaft und die Freude am Lernen hemmt. Prüfungsangst kann sich äußerst demotivierend auf die Lernleistungen auswirken. Daher ist es wichtig Prüfungsangst zu erkennen und dieser Angst auf den Grund zu gehen, um sie bekämpfen zu können.