Kinder suchtkranker Eltern
In Deutschland leben etwa 2,6 Millionen Kinder mit alkoholkranken Eltern. Hinzu kommen jene Kinder, deren Eltern von illegalen Drogen abhängig sind. Kinder suchtkranker Eltern brauchen frühzeitig professionelle Hilfe, um später selbst nicht in die Sucht zu geraten.
Kinder und Suchtmittel
Was tun?
Die aktuellen Zahlen, die im Rahmen des 31. BundesDrogenKongresses in Hamburg Ende April 2008 vorgestellt wurden, sind erschreckend. So geht der Fachverband Drogen und Rauschmittel beispielsweise davon aus, dass mehr als 25 Prozent der Menschen unter 25 Jahren als suchtgefährdet eingeschätzt werden müssen. Doch das ist längst nicht alles. Jost Leune, Geschäftsführer des Fachverbandes Drogen und Rauschmittel (fdr), gab zum Auftakt des zweitägigen Kongresses zu bedenken: „Rund 2,6 Millionen Kinder und Jugendliche leben bundesweit mit alkoholkranken Eltern zusammen. Dazu kommen mindestens 40.000 Kinder von drogenkranken Eltern.“
Experten gehen davon aus, dass etwa in jeder zwölften Familie ein Kind tagtäglich mit der Alkoholabhängigkeit mindestens eines Elternteils konfrontiert wird. Hinzu kommen 40.000 bis 60.000 Kinder, deren Eltern von illegalen Drogen abhängig sind. Häufig sind diese Kinder besonderen sozialen und gesundheitlichen Belastungen ausgesetzt, denn in den Familien mangelt es in der Regel an Verlässlichkeit und Vertrauen. Hinzu kommt, dass gerade diese Kinder ein erhöhtes Risiko aufweisen, später selbst einmal eine Drogenkarriere zu starten. Aktuelle Statistiken zeigen zudem, dass in Deutschland jedes Jahr rund 2.500 Kinder mit schweren alkoholbedingten Schäden geboren werden. Die Experten fordern deshalb eine bessere Hilfe und Betreuung für alkoholkranke Eltern und ihre Kinder sowie für Suchtkranke schwangere Frauen.
Kinder und Suchtmittel
Mit dem diesjährigen Motto „Kinder sind Zukunft. Die Suchthilfe positioniert sich“ greift der Kongress ein besonders aktuelles Thema auf. Dies wird schon daran deutlich, dass in Deutschland inzwischen jeder vierte junge Erwachsene unter 25 Jahren laut Expertenangaben als suchtgefährdet eingeschätzt werden muss. Die hohe Suchtgefährdung erklären Wissenschaftler vor allem damit, dass junge Erwachsene immer häufiger schon im Mutterleib von Rauschmitteln beeinflusst werden oder selbst viel zu früh und zu viel konsumieren. Den Einstieg bieten in der Regel immer wieder Zigaretten und Alkohol. Nach Angaben des Fachverbandes Drogen und Rauschmittel zeigt bereits jeder vierte Jugendliche vor dem 14. Lebensjahr einen problematischen Suchtmittelkonsum. Hinzu kommen jährlich viele Tausend schwangere Frauen, die ebenfalls mit Suchtproblemen kämpfen. Häufig sind die betreuenden Gynäkologen jedoch mit der Suchtproblematik überfordert. Deshalb raten Experten dringend zu einer engeren Kooperation von Ärzten und Suchthelfern, damit auch nach der Geburt eine professionelle Betreuung durch Experten möglich ist.
Was tun?
Auch wenn Abhängigkeit nach wie vor zu den Tabuthemen unserer Gesellschaft gehört, sollte möglichst offen darüber gesprochen werden. Dabei sollte jeder für sich das Recht in Anspruch nehmen, Eltern auf ein mögliches Suchtproblem anzusprechen. Vielfach bemerkt das persönliche Umfeld Veränderungen, die auf einen Suchtmittelmissbrauch hinweisen können, wesentlich früher als beispielsweise der Hausarzt. Vor allem Kinder suchtkranker Eltern leiden unter der Abhängigkeit ihrer Eltern. Doch von selbst werden sie kaum darüber reden. Deshalb sollten Personen, die Kinder über einen längeren Zeitraum in ihrer Entwicklung begleiten – insbesondere Verwandte, Lehrkräfte, Erzieher und Eltern von Spielgefährten – entsprechende Äußerungen oder Veränderungen im Verhalten der Kleinen ernst nehmen.
Wenn Sie eine entsprechende Vermutung haben, sprechen Sie das betroffene Kind in einem ruhigen Moment darauf an. Fragen Sie es nach seinem Befinden und ob alles in Ordnung ist – auch zu Hause. Auch die Frage danach, ob ihm gerade etwas nicht so gefällt, es bedrückt oder Angst macht, kann weiterhelfen.
Mehr über den Missbrauch von Drogen in Deutschland erfahren Sie hier.