Fördern und Fordern
 
Altbewährt und effektiv – die „Eselsbrücken“
Altbewährt und effektiv – die „Eselsbrücken“
„Sechs mal sechs ist 36, wer das nicht weiß, der ist nicht fleißig!“ Eselsbrücken, ob in Versform oder in anderer Gestalt, kennt beinahe jeder. Sie sind altbewährte und effektive Helfer bei der Bewältigung von Lernstoff unterschiedlichster Art. 

Woher stammt der Begriff „Eselsbrücke“?

Wie funktioniert das Gedächtnis?

Was sind Mnemotechniken?

Von Beginn der Schulzeit an wird Ihr Kind mit einer wahren „Wissensflut“ konfrontiert. Immer neuer und immer mehr Lernstoff will gespeichert, begriffen und verarbeitet werden. Nicht immer jedoch ist dies ohne Weiteres möglich: Nur allzu oft findet Ihr Nachwuchs den Stoff „trocken“, „öde“ und „langweilig“. Je mehr dies zutrifft, desto schwerer wird Ihrem Kind das Lernen fallen. Die altbewährten Eselsbrücken können hier als effektive Gedächtnisstützen Hilfestellung bieten.

Woher stammt der Begriff „Eselsbrücke“?

Esel sind sehr wasserscheue Tiere, die sich weigern, durch die kleinsten Gewässer zu laufen. Wird ihnen oftmals „Sturheit“ nachgesagt, so ist ihr Verhalten in diesem Punkt eigentlich sehr vernünftig: Die Huftiere können durch die spiegelnden Wasseroberflächen nicht erkennen, wie tief das Wasser ist, das sie durchqueren sollen. Zu Zeiten, als Esel noch die wichtigsten Lastenträger waren, baute man ihnen daher kleine Brücken – die so genannten „Eselsbrücken“.
Hier ergibt sich der Bezug zur sprichwörtlichen Eselsbrücke: Sie ist ein Umweg oder ein besonderer Aufwand, durch den man trotzdem schneller – oder überhaupt erst – zum Ziel gelangt. Außerdem steht eine Eselsbrücke auch für Sicherheit, denn ein Esel betritt nicht jede Brücke, sondern benutzt nur die Überquerungshilfen, die ihm absolut sicher erscheinen.
Wenn ihr Kind Schwierigkeiten hat, sich bestimmte – insbesondere abstrakte – Sachverhalte zu merken, kann es sich mit einfachen Mitteln und Merkhilfen im wahrsten Sinne des Wortes „Brücken bauen“.

Wie funktioniert das Gedächtnis?

Jede unserer Wahrnehmungen wird zunächst im Ultrakurzzeitgedächtnis gespeichert. Die Speicherzeit beträgt dabei ungefähr nur zwei Sekunden. Hierdurch wird garantiert, dass Handlungen, die wir begonnen haben, fortgesetzt werden können. Nur die Informationen, die wir als wirklich wichtig empfinden, werden im Kurzzeitgedächtnis gespeichert. Dieses verfügt nur über einen begrenzten Speicherplatz: Es speichert nur eine bestimmte Anzahl gleichzeitiger Informationsblöcke für einen Zeitraum von wenigen Minuten bis einigen Tagen. Danach werden die wichtigsten Informationen ins Langzeitgedächtnis verschoben. Das im Kurzzeitgedächtnis enthaltene Wissen geht hierbei allerdings nicht verloren: Es wird wie auf einer Festplatte im Gehirn gespeichert und kann in bestimmten Situationen blitzartig wieder hervortreten. Nur Informationen, die für uns besonders interessant und bemerkenswert sind, gelangen in unser Langzeitgedächtnis. Jedoch empfinden Kinder und Jugendliche den Lernstoff, den sie eigentlich fest an diesem Ort verankern sollen, oftmals leider eher als langweilig und fade. Hieraus ergibt sich die folgende Problematik: Wie können Schülerinnen und Schüler den ihnen uninteressant und eher langweilig erscheinenden Lernstoff erfolgreich und langfristig speichern?
Die Lösung liegt in dem Versuch, die Inhalte durch die Anwendung geschickter Lernmethoden und -techniken zu etwas Besonderem zu machen. Dies ist möglich, indem möglichst ansprechende Gefühle und Eindrücke mit den zu lernenden Inhalten verknüpft und somit Assoziationen gebildet werden. Diese Assoziationen sind die altbewährten Eselsbrücken.

Was sind Mnemotechniken?

Eselsbrücken gehören zu den so genannten „Mnemotechniken“. Das Wort Mnemotechnik ist ein Kunstwort, das aus den griechischen Worten mnéme („Gedächtnis“; „Erinnerung“) und téchne („Kunst“) besteht. Bereits im antiken Griechenland und Rom bedienten sich Redner oftmals mnemotechnischer Mittel. Seit dem 19. Jahrhundert wird der Begriff Mnemotechnik für die lateinischen Begriffe ars memoriae und ars reminiscentiae („Gedächtniskunst“) verwendet.
Mnemotechniken sind Lerntechniken, die auf Gedächtnisstützen und Merkhilfen wie beispielsweise Merksätzen, Reimen, Schemata oder Grafiken aufbauen. Neben den eher kleinen Merkhilfen gibt es dabei auch sehr komplexe Systeme, die es ermöglichen, sich an ganze Bücher mit tausenden von Wörtern oder auch an Listen mit tausendstelligen Zahlen sicher zu erinnern. Zwar tragen Mnemotechniken nichts dazu bei, die Lerninhalte zu verstehen, sie sind jedoch effektive Hilfen, um das bereits verstandene Wissen zu organisieren, dauerhaft zu speichern und erfolgreich wieder abzurufen.

Menschliche Erinnerungen werden zumeist durch spontane Ereignisse oder andere Erinnerungen wieder hervorgerufen. Aus diesem Grund tritt sämtliches Wissen, das im menschlichen Gehirn gespeichert ist, in bestimmten Situationen durch spezielle Auslöser wieder in den Vordergrund. Ein Beispiel hierfür sind die so genannten Gegensatzpaare: Wenn man an die Eigenschaft „schön“ denkt, fällt einem zumeist sofort das Gegenteil „hässlich“ ein, hört man das Adjektiv „jung“, kommt einem sogleich das Wort „alt“ in den Sinn. Auch bei dauerhaft bestehenden Eigenschaften lassen sich solche Assoziationen hervorrufen: Bei dem Wort „Wasser“ denkt man unweigerlich an die Eigenschaft „nass“, der Begriff „Winter“ führt beinahe unmittelbar zu dem Adjektiv „kalt“. Verknüpfungen dieser Art sind zum Teil im menschlichen Gehirn fest verankert.

Mit der Anwendung von Mnemotechniken kann man sich diesen Sachverhalt zunutze machen und eigene Assoziationen beziehungsweise Begriffspaare zusammenstellen. Dies gilt insbesondere für Begriffspaare, die normalerweise nicht direkt etwas miteinander zu tun haben: Sie werden im Rahmen des Einsatzes von Mnemotechniken gedanklich miteinander verbunden. Dabei soll die Erinnerung an eine bestimmte Sache unmittelbar die Assoziation mit einer anderen Sache hervorrufen.
Ein besonderes Ziel von Mnemotechniken ist es, abstrakte Inhalte dauerhaft verfügbar zu machen. Beispiele hierfür sind Vokabeln und mathematische Formeln, aber auch relativ schwierige Zahlenkombinationen wie beispielsweise Telefonnummern, Schließfachkombinationen oder Daten von Bankverbindungen.
Es gibt unterschiedliche Mnemotechniken. Als Beispiele seien hier die so genannte „Loci-Technik“ und die „Ketten-Technik“ genannt. Bei der „Loci-Technik“ („locus“ bedeutet im Lateinischen „Ort“ oder „Platz) wird für jeden zu lernenden Begriff ein eigener Ort reserviert. So ist es beispielsweise möglich, Gegenstände, die man einkaufen möchte, mit bestimmten Orten zu verknüpfen, die auf dem Weg zum Supermarkt liegen. Ist man schließlich dort angekommen, kann man sich über die Erinnerung an die Orte, die man passiert hat, die einzukaufenden Artikel ins Gedächtnis rufen.
Bei der „Ketten-Technik“ können die entsprechenden Inhalte in Form einer Geschichte gelernt werden. Der unveränderbare Verlauf der Geschichte ermöglicht eine Reihenfolgebildung der zu lernenden Begriffe (eine Art „Kette“). Ruft man sich die Geschichten in Erinnerung, werden unweigerlich die Begriffe, die man sich merken wollte, ebenfalls wieder aktiviert.

Beispiele für (schul-)alltagstaugliche Eselsbrücken finden Sie hier.