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Schule
 
Schlechtes Zeugnis? Nur keine Aufregung!
Am 29. Januar 2010 gibt es Halbjahreszeugnisse. Wenn ihr Kind tatsächlich einen „Jammerlappen“ nachhause bringt, sind viele Eltern erst einmal verärgert. Trotzdem sollten sie versuchen, ihren Nachwuchs zu trösten, statt mit Drohungen oder Strafen zu reagieren.

Trost statt Strafe
Vertrauen statt Angst

Wohl jeder von uns kann sich noch an die Atmosphäre erinnern, die kurz vor der Zeugnisvergabe in den Schulen herrschte: Von Vorfreude über Spannung bis hin zu blanker Panik war bei den Mädchen und Jungen alles vertreten. Nicht umsonst wurden im Vorfeld der Zeugnisvergabe Lieder wie „Morgen gibt es Jammerlappen…“ oder „Leise rieselt die Vier übers Zeugnispapier…“ gesungen. Am glücklichsten waren an diesen Tagen wohl zwei Gruppen von Kindern: Diejenigen, die mit Spitzennoten nachhause gehen konnten, und diejenigen, die wussten, dass sie niemals Angst vor den Reaktionen ihrer Eltern zu haben brauchten – so schlecht ihre Noten auch ausgefallen sein mochten.     

Trost statt Strafe

Reaktionen wie Enttäuschung, Ärger und Wut angesichts der schlechten Noten des eigenen Nachwuchses sind nachvollziehbar. Trotzdem sollten Sie versuchen, nicht zu hart auf die unerfreulichen Ergebnisse zu reagieren.

Hilfreich kann es sein, sich in die Lage und die Gefühlswelt Ihres Kindes hineinzuversetzen: Kein Kind – auch wenn es seinen schulischen Leistungen gegenüber noch so gleichgültig oder „cool“ wirken mag – will mit Absicht schlechte Noten bekommen. Die betroffenen Mädchen und Jungen sind nicht selten sehr enttäuscht über ihr vermeintliches „Versagen“, machen sich Vorwürfe und schämen sich. Hierzu äußert sich Melanie Rausch, Pädagogische Leiterin eines Online-Nachhilfeservices folgendermaßen: „[…] der Schüler leidet in der Regel selbst unter seinem Misserfolg. Sein Selbstwertgefühl ist angeknackst, er hat Versagensängste oder fühlt sich bereits als Versager.“ Kommt jetzt noch die Angst vor den Reaktionen der Eltern hinzu wird der Druck für sie beinahe unerträglich.

Sie sollten sich deswegen unbedingt mit den Gründen für die schlechten Leistungen Ihrer Kinder auseinandersetzen: Sind sie eventuell mit den Anforderungen ihrer Schulform überfordert? Haben sie mit unerkannten Lerndefiziten zu kämpfen? Könnte es sein, dass sie unter Ihren Leistungsansprüchen (oder unter ihrem eigenen Ehrgeiz) leiden und sich deswegen unter Druck setzen? Gibt es familiäre Probleme, mit denen Ihr Nachwuchs fertig werden muss? Bei der Suche nach den Gründen für die schlechten Noten sollten Sie auch Ihr Kind selbst befragen.

Auch dann, wenn es offensichtlich zu sein scheint, dass die Noten aus der „Faulheit“ oder einer „Verweigerungshaltung“ Ihres Kindes resultieren, sollten Sie sich fragen, wo diese Haltung ihren Ursprung hat, statt unreflektiert zu schimpfen oder Strafen zu verteilen.

Strafandrohungen und tatsächlich ausgeführte Bestrafungen üben nicht nur Druck auf Kinder aus und erzeugen Angst – sie sind oftmals auch völlig wirkungslos, weil sie die Ursachen des „Versagens“ häufig außer Acht lassen und deswegen oftmals nicht mit ihnen in einem logischen Zusammenhang stehen. Schulpsychologe Klaus Kuhlmann vom Kölner Zentrum für Schülerförderung, Bildungsberatung und Schulpsychologie äußert sich hierzu folgendermaßen: „Strafen sind unangebracht. Kinder sind zum Teil sogar dankbar, wenn sie bestraft werden. Dann richten sich die Wut und der Ärger gegen die Eltern, die eigenen Schuldgefühle sind aber weg. Das verstellt den Blick auf die Ursachen des Schulversagens.“

Kuhlmann plädiert zudem dafür, dass Kinder bei guten Noten nicht durch materielle Zuwendungen belohnt werden. Fällt die nächste Zensur wieder schlechter aus, ist die Enttäuschung für das Kind doppelt groß: Neben der Unzufriedenheit mit der schlechten Note muss es nun auch noch auf die Belohnung verzichten. Kuhlmann zufolge sei es völlig ausreichend, wenn Eltern ihren Kindern zeigen, dass sie sich über die guten Leistungen freuen.

Vertrauen statt Angst

Sie sollten Ihren Kindern immer wieder signalisieren, dass sie sich jederzeit und ohne Angst mit all ihren Sorgen und Nöten an Sie wenden können. Ein vertrauensvolles Eltern-Kind-Verhältnis ist unverzichtbar. Die Mädchen und Jungen sollten sich in jeder Situation und mit all ihren „Fehlern“ und „Schwächen“ angenommen fühlen und wissen, dass die Liebe ihrer Eltern nicht von ihren eigenen (schulischen) Leistungen abhängig ist. Ist dies der Fall, können sich die Kinder innerlich entspannen und den Teufelskreis aus „Leistungsdruck – schlechten Noten – Angst – Leistungsdruck“ durchbrechen.

Sie sollten ihre Kinder zudem kontinuierlich motivieren und ihnen vermitteln, dass es sich in jedem Fall lohnt, etwas zu wagen und sich an schwierige Aufgaben heranzutrauen – selbst dann, wenn das Ergebnis einmal nicht so gut ausfällt. Auf diese Weise kann vermieden werden, dass sich die Kinder eine Einstellung gemäß dem Satz „Wer nichts macht, macht auch keine Fehler!“ aneignen.

Wenn Ihre Kinder während des Schuljahrs nicht von sich aus von ihren schulischen Leistungen berichten, sollten Sie sich frühzeitig bei den entsprechenden Lehrkräften informieren. Anschließend sollten Sie mit Ihren Kindern gemeinsam die Ergebnisse besprechen und bei Bedarf nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Zum einen fühlt sich Ihr Nachwuchs auf diese Weise ernst genommen („Mama und Papa interessieren sich für mich.“), zum anderen bleiben Ihnen eventuelle „unliebsame Überraschungen“ am Zeugnistag erspart.

Mehr zum Thema „Verständnis bei schlechten Noten“ erfahren Sie hier.