Sexuelle Übergriffe im Internet
Webchats und Instant Messenger sind aus dem Leben vieler Jugendlicher nicht mehr wegzudenken. Doch hier ist Vorsicht angebracht: Chaträume ziehen Nutzer mit pädophilen Neigungen an. Wie Sie Ihr Kind beim sicheren Chatten unterstützen können, erfahren Sie hier.
Chat oder Instant Messenger?
Faszination Chatroom
Sexuelle Belästigung
Tipps für sicheres Chatten
Ein Leben ohne Internet? Für Jugendliche undenkbar. Das Netz ist für sie ein selbstverständliches Medium der Kommunikation und Interaktion. Besonders beliebt sind so genannte Chats oder Instant Messenger. Laut JIM-Studie 2009 des Medienpädagogische Forschungsverbunds Südwest haben 70 Prozent der 12- bis 19-Jährigen auf diese Weise regelmäßig Kontakt zu anderen (das heißt täglich oder mehrmals pro Woche).
Chat oder Instant Messenger?
Von einem Chat spricht man laut der österreichischen Informations- und Koordinierungsstelle Saferinternet.at dann, wenn sich zwei oder mehrere Menschen in Echtzeit schriftlich über das Internet unterhalten. Dabei gibt man das, was man sagen möchte, einfach per Tastatur ein und macht es mit einem Klick für die anderen Chatpartner sichtbar. In den so genannten Chaträumen (Chatrooms) kann man sich sowohl mit Freunden zum Plaudern verabreden oder mit gänzlich fremden Personen unterhalten. Auch per Instant Messenger (zum Beispiel ICQ oder MSN) wird gechattet. Der Unterschied zum Webchat liegt in der Technik: Hier wird der Chat nicht in einem öffentlichen Raum geführt, sondern findet zwischen zwei Personen statt, die sich die Software auf ihrem Computer installiert haben. Wer gerade online ist, wird dem Nutzer über eine individuelle Kontaktliste angezeigt. Doch auch beim Webchat ist es möglich, den öffentlichen Bereich zu verlassen und nur mit einer Person zu kommunizieren. Das nennt man „flüstern“.
Faszination Chatroom
Warum chatten Jugendliche so gerne? Durch die Verwendung eines Nicknames (Spitznamen), bleibt die wahre Identität des Nutzers verborgen. Gerade diese Tatsache macht das Chatten für Jugendliche so attraktiv: Durch die scheinbare Anonymität fällt es ihnen leichter, zu anderen Kontakt aufzunehmen. So können virtuelle Freunde gefunden und Flirttechniken ausprobiert werden. Gleichzeitig ist es auf diese Weise möglich, verschiedene Rollen auszuprobieren, sich abweichend vom normalen Verhalten zu präsentieren oder Grenzen auszutesten. Das alles sind Entwicklungsaufgaben, die zum Erwachsenwerden dazugehören.
Sexuelle Belästigung
Gerade in der Anonymität des Chattens liegt auch die große Gefahr: Man kann nie sicher sein, wer sich hinter einem Spitznamen verbirgt. Der harmlos klingende „malte12“ ist in Wirklichkeit vielleicht kein zwölfjähriger Junge, sondern ein erwachsener Mann. Chaträume können regelrecht als „Jagdgründe für Pädophile“ bezeichnet werden, die dort gezielt Kontakt zu Minderjährigen suchen. Laut der Broschüre „Chatten ohne Risiko?“ von jugendschutz.net, werden Kinder und Jugendliche dabei besonders häufig nach ihrem körperlichen Entwicklungsstand („Haste schon Titten?“) und sexuellen Erfahrungen („Haste schon mal gefickt?“) gefragt. Oftmals schildern die Belästiger auch eigene sexuelle Wunschvorstellungen („Würde dich gerne mal ins Gesicht besamen“) oder fordern die Zusendung von getragener Unterwäsche und Nacktbildern. Über Instant Messenger können auch Anhänge versendet werden. Diese reichen von Tonaufnahmen (zum Beispiel während des Onanierens) über selbst gefilmte Pornovideos bis hin zu gewaltverherrlichenden oder kinderpornographischen Bildern und Links. Die schlimme Folge einer virtuellen Belästigung kann ein realer sexueller Missbrauch sein. In der JIM-Studie 2009 gaben 20 Prozent der befragten Jugendlichen an, sich bereits mit einer Internetbekanntschaft getroffen zu haben. Dass Fremde im Internet nach Telefonnummer, Adresse oder Namen
fragen, bestätigten 40 Prozent der Befragten. Die Vorbereitung eines solchen Übergriffs erfolgt laut „Chatten ohne Risiko?“ meist in drei Schritten:
1. Die Täter versuchen zunächst das Vertrauen der potentiellen Opfer zu gewinnen. Der scheinbar freundliche und interessierte Kontakt dient dazu, das Kind auszuhorchen, um Anknüpfungspunkte zu finden: Alter, Wohnort, Handynummer, E-Mail-Adresse – vor allem aber Hobbys und Interessen des Kindes.
2. Anschließend überprüfen die Täter, ob sie es tatsächlich mit einem Kind zu tun haben - beispielsweise über telefonische Kontakte oder eine Webcam.
3. Als letzter Schritt erfolgt die reale Verabredung. Dafür wählen die Täter meist einen Ort, der für Kinder reizvoll ist wie Schwimmbad, Kino oder Zoo.
Tipps für sicheres Chatten
Auch wenn das Chatten Risiken birgt, sollten Sie nicht panisch oder übervorsichtig reagieren. Klären Sie Ihr Kind stattdessen über mögliche Gefahren auf. Dazu ist es empfehlenswert, die genutzten Chaträume zu kennen und Bescheid zu wissen, was Ihr Kind daran fasziniert. Zeigen Sie sich interessiert und sprechen Sie gemeinsam über Erlebnisse im Chat. So sind Sie Ansprechpartner und Vertrauensperson, an die sich Ihr Kind wenden kann. Außerdem können Sie einen Zeitrahmen festlegen, in denen Ihr Kind chatten darf. Denn häufig fällt es Kindern und Jugendlichen schwer, ihren Internetgebrauch selbst zeitlich zu begrenzen.
Tipps, die Sie Ihrem Kind mit auf den Weg geben können:
- Sei misstrauisch: Du kannst dir nie sicher sein, wer sich hinter einem Nickname verbirgt.
- Unterhalte dich nur mit Leuten, die du persönlich kennst.
- Wähle einen harmlosen Nickname, der keine Rückschlüsse auf deine reale Person zulässt (wie Name, Wohnort oder Alter).
- Gib in einer Unterhaltung keine persönlichen Daten von dir preis.
- Hör auf dein Bauchgefühl und beende eine Unterhaltung, wenn dir etwas seltsam vorkommt.
- Sprich mit deinen Eltern oder anderen Vertrauenspersonen über entsprechende Vorkommnisse.
- Triff dich nicht mit einer Internetbekanntschaft!
Mehr über die Mediennutzung Jugendlicher erfahren Sie in der JIM-Studie 2009.
Quellen (15.03.2010): www.chatten-ohne-risiko.net, www.klicksafe.de und www.saferinternet.at