Zukunft
 
Mann im Anzug
Verhalten im Beruf: Benimm ist wieder in
"Viele junge Leute haben Unordnung und schlechtes Benehmen einfach satt", mutmaßt ein "Spiegel"- Titel. Auf der Suche nach Werten orientieren wir uns gerne an Altbewährtem.

Die achtzehnjährige Julia wartet im langen Abendkleid auf ihren Begleiter, der sie heute abend zum Abitur-Abschlussball abholen wird. Es klingelt. Vor der Tür steht ein junger Mann im schwarzen Anzug, der Julia augenzwinkernd mit einem Handkuss begrüßt und ihr die Tür aufhält. Die heutige Elterngeneration, noch im Windschatten der 68er aufgewachsen, reibt sich erstaunt die Augen und registriert Jugendliche, denen Benehmen und Anstand wieder wichtig ist, die in Tanz- und Benimmkursen gute Umgangsformen lernen. Da fragst du dich sicher, wie es zu einer solchen Gegenbewegung kommt.

"Viele junge Leute haben Unordnung und schlechtes Benehmen einfach satt", mutmaßt ein "Spiegel"-Titel. Auf der Suche nach Werten orientieren wir uns an Altbewährtem: schwarzer Anzug auf Feiern, Respekt vor Autoritätspersonen und gepflegte Umgangsformen. Das erlebst du sicher auch in deinem eigenen Umfeld. Ob auf dem Abi-Ball, der Familienfeier oder im ganz normalen Schulalltag: Benimm ist wieder in. Dieser Trend hat sich mittlerweile bis zu den Anforderungen der Personalchefs durchgezogen. Die Ansprüche an das äußere Erscheinungsbild steigen, weil die Arbeitgeber es sich erlauben können. Bei der heutigen Bewerberflut wird verstärkt auf das Äußere geachtet. Anzug zu tragen, ist für Männer und Frauen in Bewerbungsgesprächen und Vorstellungsrunden schon Pflichtprogramm. Der Dresscode schreibt im Berufsalltag Unauffälligkeit vor. Zwar müssen Frauen "zur tunlichsten Fernhaltung jeder Ablenkung der Aufmerksamkeit" keine "Dienstschürzen aus grauem Mohairstoff" mehr tragen, wie es Anfang des 20. Jahrhunderts weiblichen Angestellten von Telefonzentralen vorgeschrieben war. Aber eine gewisse Kleiderordnung herrscht im Berufsleben immer noch vor. Röcke oberhalb des Knies, bauchfreie Tops und offene Schuhe sind für Frauen nach wie vor bei der Arbeit nicht angesagt. Kurze Hosen und Hemden sind bei Männern selbst im Hochsommer verpönt.

Zum guten Benehmen gehört aber nicht nur, sich stilvoll anzuziehen. Benimm-Experten raten, dass Selbstbeherrschung  und Aufmerksamkeit anderen gegenüber nicht nur im beruflichen Miteinander dazu gehören sollten. Natürlich ist es sinnvoll, nicht nur in bestimmten Situationen wie Vorstellungsgesprächen höflich zu sein. Das wirkt unecht. Stell dir vor, du bist auf dem Weg zu einem Vorstellungsgespräch und begegnest im Treppenhaus einem Mann, an dem du grußlos vorbeiläufst. Und später stellt sich heraus, dass es der Chef ist. Besser ist es da, sich unabhängig von Rang und Ansehen allen Mitmenschen gegenüber höflich zu verhalten. So kommst du später nicht in peinliche Situationen. Grundsätzlich gilt: Wenn du unsicher bist, sei lieber ein bisschen zu höflich als nachlässig. Das kommt in jedem Fall besser an, als wenn du jemanden durch schnodderige Umgangsformen kränkst.