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Niedrigseilgarten
02.09.2005 - Von Baum zu Baum
Im Landkreis Ammerland können Jugendliche seit kurzem von Baum zu Baum laufen, ohne den Boden zu berühren. Das hört sich nach einem Zaubertrick an, möglich macht dies jedoch etwas durchaus Reales: ein Niedrigseilgarten. Betrieben wird er in Kooperation von Kreisjugendamt und Kreisjugendring des Landkreises Ammerland.

"Es handelt sich dabei um Seile, die in Kniehöhe zwischen Bäumen gespannt werden", erläutert Volker Gudlat vom Kreisjugendamt in Westerstede. Die Statikseile aus dem Segelschiffbau haben die nötige Stabilität, damit mehrere Personen ohne Weiteres auf ihnen balancieren können. Kletterseile aus Hanf dienen als Handlauf und helfen bei verschiedenen Aufgaben. "Kniehöhe - das hört sich nicht nach viel an, aber wer da das erste Mal draufsteht, hat zitternde Knie", sagt Volker Gudlat und spricht aus eigener Erfahrung. Er hat sich mit über 20 anderen Interessierten fortbilden lassen, um das nötige Know-how für Aufbau und Betrieb des Niedrigseilgartens zu erwerben.

Klettern im Niedrigseilgarten soll nicht nur Spaß machen. Dahinter steckt ein erlebnispädagogisches Konzept. "Es geht darum, dass die Jugendlichen Selbstvertrauen und Teamfähigkeit entwickeln", sagt Volker Gudlat. Hier ähnelt das Projekt dem "großen Bruder", dem Hochseilgarten. In diesem können Personen - darunter zunehmend Führungskräfte und Profi-Sportler - Ängste überwinden, Grenzerfahrungen sammeln und den Teamgeist stärken. Was im Hochseilgarten in über 10 Meter Höhe funktioniert, klappt auch nah am Boden, so Volker Gudlat. Bei der Bewältigung verschiedener Aufgaben, für die Teamarbeit nötig ist, würden sich Gruppen schnell finden. Dies sei kürzlich in einer Ferienpassaktion des Landkreises so geschehen. Jugendliche, die sich vorher nie gesehen hatten, fassten so schnell Vertrauen zueinander, dass sie sich nach einer halben Stunde mit verbundenen Augen von anderen haben führen lassen.

"Das Angebot ist nicht kopflastig", betont Volker Gudlat. So hätten auch die Kinder und Jugendliche alle Möglichkeiten mitzumachen, die sonst verbal unterlegen seien. Jedes Mädchen und jeder Junge, kann seine speziellen Fähigkeiten einbringen, um die Problemstellungen zu lösen. Weiterer positiver Effekt: Die Entwicklung des Körpergefühls und der Abbau von Hemmungen, andere zu berühren. Volker Gudlat: "Damit haben gerade Jungen ein Problem."

Vor dem Einsatz des Niedrigseilgartens stand für die Mitarbeiter von Kreisjugendamt und Kreisjugendring eine Schulung. Dabei lernten sie, wie die Seile fachgerecht um die Bäume geknotet werden, ohne sie zu beschädigen. Seile straffen, Handläufe einbauen, Übungen erlernen - am Ende des Seminars waren die Betreuer in der Lage, einen Niedrigseilgarten zu betreiben und dabei zu gewährleisten, dass alle Teilnehmer/-innen diesen sicher benutzen können. Im Anschluss erwarben Kreisjugendamt und Kreisjugendring zusammen eine Ausrüstung, die in diesem Sommer unter anderem in Ferienpassaktionen zum Einsatz kam. "Wir stellen die Ausrüstung auch anderen Institutionen zur Verfügung."