Interview mit Prof. Dr. Hanna Kiper
Prof. Dr. Hanna Kiper hielt am Dienstag, 27. September, auf der Pädagogischen Woche einen Vortag mit dem Titel "Bildung - Literacy - Kompetenzen - Standards: Zur Bedeutung von Bildungsstandards der KMK für die Planung und Gestaltung von Unterricht". Die Redaktion des Sign-Projekts befragte sie nach ihrer wissenschaftlichen Arbeit und der Bedeutung der Pädagogischen Woche.
Frau Prof. Dr. Kiper, was ist Ihr Forschungsschwerpunkt?
Ich bin im Bereich für Schulpädagogik und allgemeine Didaktik mit dem Schwerpunkt Sekundarstufe I tätig und im Moment beschäftige ich mich mit den Konsequenzen, die aus den Schulleistungsstudien für die Schulpädagogik und Didaktik erwachsen und versuche sowohl für die Lehrerausbildung und Lehrerweiterbildung diese Gedanken weiterzuentwickeln. In dem Zusammenhang habe ich jetzt eine Einführung geschrieben mit dem Kollegen Wolfgang Mischke. Eine in die allgemeine Didaktik und eine in die Unterrichtstheorie, die Anfang des nächsten Jahres erscheinen wird.
Bildungsstandards sind ein aktuelles Thema. Welche Richtung vertreten Sie in der Debatte?
Also, ich vertrete die Richtung, dass man intelligent damit umgehen soll. Im Prinzip finde ich es richtig, dass man markiert, was Schüler und Schülerinnen am Ende eines Bildungsganges wissen und können sollen. Dass Lehrer und Lehrerinnen genauer über den systematischen Wissensaufbau nachdenken, Curriculumarbeit in der Schule machen. Ich denke bloß, dass für Schüler und Schülerinnen, die große Schwierigkeiten haben, zum Beispiel Schüler mit Migrationhintergrund, die Deutsch nicht als Muttersprache haben, zusätzliche Ressourcen bereitgestellt werden müssen, damit die Schulen dieser Schüler die Aufgaben auch angehen können.
Was ist für Sie das Besondere an der Pädagogischen Woche?
Die Pädagogische Woche ist ja hier im Raum Nordwesten ein großer Ort der Fortbildung der Lehrer und Lehrerinnen. Ich sehe es so, dass einerseits die Wissenschaft bestimmte Ergebnisse vorstellt, dass man mit Lehrern und ihrem Expertenwissen ins Gespräch kommt, dass man bezogen auf bestimmte bildungspolitische Entwicklung Chancen und Probleme markiert und lernt, damit intelligent umzugehen und zu gucken, was an zusätzlicher Expertise herausgebildet werden muss. Sowohl in der Wissenschaft als auch in den Schulen.
Waren Sie zufrieden mit der Anzahl der Besucher Ihrer Veranstaltung?
Ja, für eine Veranstaltung, die in diesem Rahmenprogramm steht und eigentlich auch kein populäres Thema hat. Dafür war sie gut besucht. Und ich fand auch, dass die Lehrer und Lehrerinnen genau wussten, worum es geht und an vielen Teilen schon arbeiten. Das war ein ganz interessantes Fachgespräch.
Wir vom Sign-Projekt bieten auch Lehrern und Lehrerinnen Fortbildungen an, die in diversen Bausteinen gegliedert sind. Im Moment ist es der Jahrgang 5, mit dem Baustein "Soziales Lernen". Inwiefern halten Sie das für wichtig, auch im Hinblick auf Bildungsstandards?
Ich denke, soziales Lernen ist für Schüler und Schülerinnen wichtig. Einerseits haben sie einen Übergang zu bewältigen von der Grundschule in die weiterführenden Schulen, sie müssen sich neu zusammenfinden, es müssen neue Klassengemeinschaften herausgebildet werden, sie müssen auch mit einer neuen Schulkultur klarkommen und von daher finde ich viele Projekte zum sozialen Lernen richtig. Gleichwohl finde ich, dass auch ein neuer Ansatz im sozialen Lernen stärker Fächer binden müsste. Also, soziales Lernen in Religion heißt eher, sich über moralische und ethische Vorstellungen verständigen. Soziales Lernen im Deutsch-Unterricht wäre vielleicht eher mit Fragen der Kommunikation und des Austauschs, des Nachdenkens über respektvollen Umgang und respektvoller Sprache verbunden. Soziales Lernen in den Naturwissenschaften hieße, Schüler fähig zu machen, gemeinsam zu experimentieren oder gemeinsam Beobachtungen anzulegen, auszuwerten, Hypothesen zu bilden und zu verwerfen. Also ich denke, dass soziales Lernen nicht ausgegliedert werden darf aus dem Unterricht, sondern eingebunden werden müsste.
Danke für das Gespräch.