Sign Aktuell
 
Rita Wick
Rita Wick über das Gesundheitshaus und die Kooperation mit der agentur prevent
Wie kann im Bereich der Suchtprävention mit Jugendlichen gearbeitet werden? Wie entsteht süchtiges Verhalten? Diesen und weiteren Fragen sind die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Sign-Workshops "Suchtprävention" nachgegangen.

Im Rahmen der Kooperation der agentur prevent mit dem Gesundheitshaus des Klinikums Oldenburg fand am 4. Juni 2007 der Sign-Workshop Suchtprävention statt. Die Diplom-Psychologinnen Katharina Mietz und Svenja Janssen, Präventionsfachkräfte der agentur prevent, gaben den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Antworten auf die Fragen "Wie entsteht Sucht?" und "Wie können Eltern und Lehrer reagieren, wenn sie mit diesem Thema konfrontiert werden?". Darüber hinaus zeigten Sie den Anwesenden, wie das Thema Suchtprävention gemeinsam mit Jugendlichen in der Schule gearbeitet werden kann. Aufgrund der Fakten sowie eigener Erfahrungen ergaben sich immer wieder intensive Gespräche unter den Anwesenden.

Der Sign-Workshop Suchtprävention war bereits der zweite Sign-Workshop, der im Rahmen der Kooperation der agentur prevent mit dem Gesundheitshaus des Klinikums Oldenburg stattfand. Im Gesundheitshaus finden regelmäßig Veranstaltung rund um das Thema Gesundheit und Gesundheitsförderung statt. Rita Wick ist Fortbildungsbeauftragte am Klinikum Oldenburg und Ansprechpartnerin für das Gesundheitshaus. Mit der Sign-Redaktion sprach sie über die Idee dieser Einrichtung, die Entwicklung des Gesundheitshauses und zukünftige Pläne.

Die Idee für ein Gesundheitshaus entstand bereits Anfang der 90er Jahre. Das Gesundheitshaus als solches gibt es jetzt seit dem Jahr 2001. Wie kam es zu der Idee und wie wurde diese Idee umgesetzt?

Die Idee für das Gesundheitshaus ist eigentlich dadurch entstanden, dass wir schon seit 1991 Bildungsangebote für Fachpersonal im größeren Stil organisiert haben. Damals richteten sich die Angebote fast ausschließlich an unsere eigenen Mitarbeiter. Wir haben aber sehr schnell gemerkt, dass nicht nur unser Fachpersonal, sondern auch Fachpersonal aus anderen Kliniken und Einrichtungen außerhalb des Klinikums fortgebildet werden wollen. Dazu zählen beispielsweise auch Beschäftigte in der Altenpflege oder Ärzte. Das Klinikum Oldenburg ist eine große Klinik mit hohem Niveau. Viele medizinische Neuheiten kommen hier schnell an. Um auch anderes Fachpersonal zeitnah über den aktuellen Stand in der Medizin zu informieren, haben wir schon früh Beschäftige aus dem Pflege- und Gesundheitswesen außerhalb unserer Klinik eingeladen. Die Öffnung der Klinik nach außen im Bereich Fortbildung war der erste Schritt hin zu dem, was wir heute sind. Wir haben jedoch schnell erkannt, dass nicht nur Fachleute fortgebildet und informiert werden müssen, auch Patienten, Betroffene und Angehörige haben ein Recht auf Informationen.

Können Sie sich noch an die erste Veranstaltung erinnern und an den weiteren Verlauf?

Ich erinnere mich noch ganz genau an die erste öffentliche Veranstaltung zum Thema "Diabetes". Damals haben wir uns erstmals dazu entschieden, das Thema an drei verschiedenen Tagen für unterschiedliche Zielgruppen zu setzen, einmal für Ärzte, einmal für Pflegende und einmal für Patienten und Betroffene. Gerade der Tag für Patienten und Betroffene war so gut besucht, dass wir gemerkt haben, was für ein Bedarf da ist. Das hätten wir niemals in dem Maße erwartet. Aus dieser Diabetesveranstaltung heraus hat sich dann quasi alles weitere entwickelt. Gemeinsam mit ein paar Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Hause entstand dann eine eigene Arbeitsgruppe und wir haben überlegt, welche Themen noch interessant für medizinische Laien wären.

Das waren die Anfänge des heutigen Gesundheitshauses. Irgendwann haben die Flyer für die Veranstaltungsübersicht nicht mehr ausgereicht und wir mussten auf die kleinen Broschüren zurückgreifen, in denen jetzt halbjährlich unser Programm veröffentlicht wird. Mittlerweile gibt es auch keine Arbeitsgruppe mehr. Wir haben inzwischen viele engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Klinikum, die regelmäßig Veranstaltungen anbieten. Ich versuche dabei immer die aktuelle Entwicklung und neue Trends im Auge zu behalten und das Angebot entsprechend auszubauen. So kamen wir auch zu den aktuellen Themen wie Sucht und Gewalt. Das sind Themen, bei denen wir denken, da müssen wir jetzt ran. Das sind die Themen, bei denen wir in allen Abteilungen feststellen, dass auch wir da etwas tun müssen, denn was gesellschaftlich gerade passiert, spiegelt sich auch hier im Klinikum wider.

Befand sich das Gesundheitshaus von Anfang an in diesen Räumen?

Nein, am Anfang haben wir Klassenräume und Hörsäle unseres medizinischen Ausbildungszentrums genutzt. In der ersten Zeit gab es auch nur selten mehr als fünf große Vorträge. Die waren auch immer gut besucht, denn es war etwas Neues, was es so vorher noch nicht gab. Mit der Zeit haben wir gemerkt, dass gerade die Vorträge vor einem großen Publikum weniger effektiv sind als Veranstaltungen in einem kleineren Kreis. Es ist einfach viel effektiver, wenn man in kleineren, übersichtlichen Gruppen spricht, denn so kann man viel besser miteinander in Kontakt kommen. Daraufhin hatte ich die Idee für einen eigenen Veranstaltungsraum. Dieser Raum wurde einige Zeit später aufgrund von Umbaumaßnahmen frei und der Geschäftsführer hat ihn mir überlassen. Wir haben versucht, ihn schön und angenehm zu gestalten, damit es ein Raum wird, der viele Möglichkeiten bietet. Wir nutzen ihn heute sowohl für Vorträge, als auch für praktische Übungen wie beispielsweise in Kursen zur Körpererfahrung.

Was sind Ihre wesentlichen Aufgaben als Ansprechpartnerin für das Gesundheitshaus und Fortbildungsbeauftragte für das Klinikum?

Es ist ein wirklich großes Aufgabengebiet geworden. Die Arbeit hat sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt. Im Rahmen meiner Arbeit habe ich die wunderbare Möglichkeit, wichtige Themen aus dem Klinikalltag auch nach draußen zu transportieren, zu einer anderen Zielgruppe. Durch meine Arbeit in der Klinik bekomme ich immer auch die aktuellen Trends mit und kann diese sehr gut mischen mit den Angeboten für die Patienten und für die Öffentlichkeit. Außerdem bekommen wir auch immer wieder Anfragen für spezielle Fortbildungen von Berufsgruppen der Pflege, von Ärzten und anderen Zielgruppen.

Können Sie das Angebot vom Gesundheitshaus kurz zusammenfassen?

Das ist schwierig, weil der Themenkreis sehr groß ist. Es gibt jeden Monat etwa zwei Fachvorträge, dann gibt es spezielle Aktionen wie die Sign-Workshops, den "Tag der offenen Tür" oder auch Seminare zum Umgang mit einem Defibrillator, wo man lernt, wie man mit so einem Wiederbelebungsgerät umgeht. Außerdem gibt es noch Kurse, wie Babyschwimmen, Rückbildungsgymnastik, Diabetesberatung und weitere Seminare, die von Mitarbeitern hier im Haus zusammengetragen werden und die wir in unserem Programmheft sammeln. Ich lege bei dem Programm auch immer viel Wert darauf, nicht nur die wissenschaftlich fundierte Medizin darzustellen, sondern auch begleitende Medizin, also die Homöopathie. Hier im Klinikum bekommen die Patienten die klassische Medizin, aber wir wollen auch die andere, die begleitende Medizin dabei stehen lassen. Auch dazu haben wir verschiedene Angebote.

Wie kam es zu der Idee, spezielle Führungen durch das Klinikum anzubieten?

Ich habe lange überlegt, wie man zukünftigen Patienten die Angst vor der Institution Krankenhaus nehmen kann. Es gibt so typische Aussagen, wie "Schon der Geruch vom Krankenhaus macht mich krank" oder "Schon allein wenn ich den Geruch wahrnehme, habe ich genug, dann habe ich Angst und es geht mir nicht gut".

Diese Vorurteile wollte ich aufheben und habe überlegt, wie das gehen kann. So entstand beispielsweise der "Tag der offenen Tür". Ich wollte aber auch zielgruppenorientierte und bedarfsgerechte Angebote anbieten, zum Beispiel das Kennen lernen der Notaufnahme oder von bestimmten Untersuchungen. Darum haben wir verschiedene Angebote konzipiert und dazu gehören auch Führungen für Kindergärten und Schulklassen. Vor kurzem hatte ich beispielsweise eine 2. Klasse zu Besuch und auch 4. Klassen kommen sehr häufig, weil sie gerade in dem Alter das Thema Gesundheit bearbeiten. Es gibt aber auch viele Ältere, zum Beispiel Landfrauenvereine, die sich für diese Führungen interessieren. Es gibt auch für sie ein bestimmtes Programm. In der Regel kommen monatlich 40 bis 50 ältere Frauen zu diesen Veranstaltungen. Sie sitzen erst einmal bei Kaffee und Kuchen zusammen und ich erkläre ihnen, was wir für eine Institution sind. Anschließend gehe ich mit ihnen in verschiedenen Gruppen in die Bereiche, die für sie besonders relevant sind. Dazu gehören beispielsweise die Diabetesberatung, die Abteilung Gynäkologie aber auch die Dermatologie oder das Herzkathederlabor. In diesen Abteilungen stellen die Mitarbeiter dann ihre Bereiche vor. Im Bereich der Gastroenterologie sehen sie dann an einer Attrappe,  wie ein Endoskop funktioniert. Diese Veranstaltungen helfen, Ängste abzubauen und das ist wirklich erfolgreich. Viele wollen danach auch gar nicht wirklich nach Hause, das ist immer toll. Bei Schülern ist das hingegen ganz unterschiedlich: Mit den Kleinen bis zur 4. Klasse macht es Spaß und auch mit den Älteren kann man auf dieser Ebene gut arbeiten, wenn man den richtigen Ton findet und ihnen vernünftige Themen präsentiert. Ich gehe mit ihnen in die Notfallaufnahme. Dort können sie einen Gips bekommen und erleben auch, wie dieser wieder aufgesägt wird. Wir zeigen Dinge, die schnell Angst machen. Dabei werden auch bei den Kindern und Jugendlichen Vorurteile und Ängste abgebaut und ich bin sicher, dass das auf Dauer etwas bringt. Mit Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 15 Jahre ist das schwieriger.

Wie wird es vom Klinikpersonal aufgenommen, wenn Sie mit Schulklassen oder älteren Damen durch das Gebäude gehen?

Am Anfang wurde es belächelt und nicht von jedem ernst genommen. Aber das hat sich gewandelt. Viele Mitarbeiter haben inzwischen den Mehrwert dieser Veranstaltungen erkannt und sie dürfen ja auch ihre Abteilungen vorstellen und ihre Arbeit präsentieren. Mittlerweile finden sich immer genug Freiwillige, die Interesse daran haben, den Besuchergruppen etwas über ihre Arbeit zu berichten.

Es fällt auf, dass sich das Bild von Krankenhäusern insgesamt verändert. Auch das Klinikum ist von innen nicht mehr in kahlem Weiß gestrichen, sondern in hellen warmen Gelbtönen. Geschieht diese Veränderung auch im Zuge der Öffnung nach außen?

Ja, das geschieht im Zuge von Bewusstwerden darüber, was Krankenhäuser heute sind. Der Krankenhausbetrieb ist nicht mehr das, was er früher einmal war: herkommen, aufschneiden, behandeln, weggehen. Die Patienten sind anspruchsvoller geworden und da müssen auch die Kliniken mitziehen, wenn sie nicht auf der Strecke bleiben wollen. Hinzu kommt natürlich auch das gestiegene Verständnis dafür, dass Farben unser Wohlbefinden mit beeinflussen und dadurch auch die Umgebung mitbestimmt, ob sich jemand gut fühlt und auch wieder gesund werden kann. Das ist sicherlich auch ein Umdenken und darauf wird jetzt vermehrt geachtet. Besonders deutlich wird das auch in unserer Kinderklinik. Die ist superschön und hat etwas für die Eltern und auch für die Kinder, das ist einfach ein ganz anderes Ankommen.

Wenn man das als Außenstehender betrachtet, denkt man häufig, es geht doch. Aber man darf nie vergessen, dass eine Klinikatmosphäre im Wesentlichen durch die Menschen geprägt wird und nicht nur die Farbgestaltung entscheidend ist. Das ist eigentlich die größte und auch meine ganz persönliche Herausforderung in meiner Arbeit als Leiterin der innerbetrieblichen Fortbildung, den Menschen diese Idee zu vermitteln. Das ist ein langwieriger Prozess, denn ein Unternehmen zu verändert dauert in etwa zehn Jahre und da sind wir immer noch dabei.

Haben Sie einen Überblick, wie viele Veranstaltungen im Jahr stattfinden?

Also, es sind sehr sehr viele. Das Angebot liegt bei rund 80 Veranstaltungen pro Halbjahr. Das erste Veranstaltungshalbjahr ist etwas länger als das zweite, denn auch wir machen eine Sommerpause.

Werden die Vorträge ausschließlich von Experten aus dem eigenen Haus gehalten?

Nein, es gibt auch Experten von außerhalb, die wir aber aussuchen. Das ist uns ganz wichtig. Zum Thema Demenz hatten wir beispielsweise Nicole Richard zu Besuch. Sie ist eine ausgewiesene Expertin für Integrative Validation in Deutschland. Das Angebot zu diesem Thema mit der Referentin war auch sehr umfangreich. Es gab nicht nur einen Abendvortrag, sondern auch einen Kurs. Das ist natürlich wichtig für unser Fachpersonal, aber auch für Betroffene. Wir geben auch Veranstaltungen für Fachpersonal, Pflegende, Angehörige und Interessierten gemeinsam. In einer Veranstaltung mit 140 Leuten sind oft ein Drittel pflegende Angehörige und Betroffene und gut zwei Drittel Fachpersonal. Diese Mischung ist grandios und bewegt oft einiges. Man lernt häufig neue Blickwinkel kennen und gerade das Fachpersonal lernt dadurch Ängste und Sorgen von Betroffenen und Angehörigen viel besser kennen, weil durch die Diskussionen ein Dialog über dieses Thema entsteht. Dieses Miteinander und untereinander austauschen finde ich ganz toll. Das versuche ich auch wirklich mit dem Gesundheitshaus in Bewegung zu bringen. Das gelingt natürlich nicht immer, aber es wird klar, hier tut sich was.

Wie viele Teilnehmer kommen pro Jahr zu den Veranstaltungen?

Das ist ganz unterschiedlich und kommt auch auf unsere Aktionen an. Im letzten halben Jahr haben schätzungsweise 1.500 Leute den Weg in das Gesundheitshaus gefunden. Viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind aus Oldenburg, weil es einfach in der Nähe ist. Es kommen aber auch viele von außerhalb. Einige kommen beispielsweise sogar aus Emden oder Delmenhorst. Wir verteilen das Programmheft über die Apotheken und über die Hausärzte in der ganzen Weser-Ems-Region. Mit 35.000 ist die Broschüre auch relativ auflagenstark. Gerade dann, wenn es um spezielle Themen geht, nehmen einige auch einen weiteren Anfahrtsweg in Kauf. "Schnarchen" war vor einiger Zeit ein Thema, zu dem auch viele Teilnehmer von außerhalb kamen.

Gibt es Themenschwerpunkte, an die Sie sich heute noch besonders gerne erinnern?

Ja, das Thema Demenz, weil es mich persönlich auch so gefesselt hat. Das ist ein Thema, wo ich großen Bedarf und auch das Leid der Betroffenen und Angehörigen sehe und merke, dass dort etwas getan werden muss. Ähnlich ist es bei den Eltern von Kinder- und Jugendpsychotherapiepatienten, also Kinder mit Essstörungen oder mit Hyperaktivität. In den Bereichen, in denen Eltern durch die Erkrankung ihrer Kinder betroffen sind, gibt es ganz viele Emotionen, die auch mich immer wieder stark berühren. Auch spezielle Vorträge, wie "Schnarchen macht einsam - und manchmal auch krank" war eine Veranstaltung, die mir sehr im Gedächtnis geblieben ist und der Kurs ist noch immer sehr überfüllt. Es sind aber auch ganz fachliche Themen, wie zum Beispiel Veranstaltungen rund um das Knie. Damals mussten wir sogar in einen größeren Raum umziehen und selbst der war noch übervoll.

Was sich immer wieder lohnt, sind vor allem die Tage der offenen Türen. Die werden super gern genutzt und die Besucher lernen direkt die Abteilungen kennen. Wir öffnen an diesen Tagen nicht nur unsere Türen, sondern bieten auch spezielle Aktionen beispielsweise in der Gynäkologie, im Kreißsaal oder auch im Operationssaal. Die Schwestern und Ärzte erklären den Besuchern anhand von Apparaten bestimmte Abläufe und Vorgehen. Es entsteht ein besonderer Kontakt zwischen den Besuchern und unseren Klinikmitarbeitern.

Gibt es in diesem Jahr Themen, auf die Sie besonders stolz sind?

Ja, das Thema Sucht und die Zusammenarbeit mit dem Sign-Projekt. Das ist insgesamt etwas Neues für mich. Wir haben hier im Hause lange überlegt, ob wir es wirklich wollen. Es ist sicherlich etwas Tolles und ich hoffe, dadurch auch wieder eine weitere Zielgruppe zu erreichen und zwar Pädagogen. Im Laufe meiner Arbeit musste ich feststellen, dass diese Zielgruppe nur sehr schwer erreichbar ist. Aber gerade im Bereich Gesundheit müssen wir auch diese Zielgruppe erreichen, wenn wir Kinder und Jugendliche erreichen wollen. Da habe ich oft und lange nach einer Möglichkeit gesucht. Das betrifft aber nicht nur die Themen Sucht und Gewalt. Auch viele andere Themen aus dem Gesundheitsbereich sind eigentlich ein Muss für all diejenigen, die viel mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. So zum Beispiel auch Diabetes. Viele Pädagogen wissen gar nicht, was das genau bedeutet und was im Ernstfall zu tun ist. Ähnlich ist es auch bei Akne, sie wissen einfach nicht, wie es genau dazu kommt, aber viele Kinder haben damit Probleme in der Schule. Oder auch die Arbeit mit ADS-Kindern. Viele Pädagogen wissen noch immer nicht, dass ADS/ADHS eine Erkrankung ist und stecken die Kinder schnell in die Schublade "nicht gut erzogen, unwillig"!

Gibt es auch Kooperationen mit anderen Einrichtungen?

Natürlich bieten wir nicht nur Veranstaltungen aus unserem Hause an, sondern mischen das Angebot. Es ist mir hierbei aber ganz wichtig zu sagen, dass wir keinen bunten Marktplatz für Angebote von außerhalb bieten, sondern wir gucken uns genau an, wer uns welche Unterstützung zu welchen Themen geben kann, die wir gerne veröffentlichen wollen. Aus diesem Grund war auch die agentur prevent ein solider Partner. Wir haben auch intensive Kooperationen mit Selbsthilfegruppen. Es gibt aber auch andere Kooperationen, das kommt immer auch auf die Themen an. Im letzten Jahr hatten wir gemeinsam mit verschiedenen Kooperationspartnern eine große Aktion zur "Männergesundheit" in der Weser-Ems-Halle. Da gibt es sowohl gepflegte Kooperationen, als auch neue Entwicklungen. Wir bemühen uns immer, dass wir als "echte" Partner auftreten, das ist mir persönlich auch ganz wichtig. Nur wenn man in einem partnerschaftlichen Verhältnis so etwas zusammen angeht, dann wird das auch gut.

Welche Rolle spielt Prävention in der Arbeit des Gesundheitshauses?

Eine sehr große, das steht auch extra in dem Logo darunter: Vorbeugen, beraten, unterstützen. Prävention ist ein Hauptkriterium unserer Arbeit. Wir arbeiten gerade auch an Präventionsprojekten für Kinder im Sinne von Bewegung und Ernährung. Das ist ein großes Thema. Ich würde mir diesbezüglich auch noch mehr wünschen, auch Vorbeugung im Sinne von Herzerkrankungen, aber auch Nachbereitungen. Wir brauchen im Klinikum keine zusätzlichen Patienten, denn wir sind zu 97 Prozent ausgelastet. Es geht also nicht um Patientenaquise, sondern wir erfüllen einen gesellschaftlichen Auftrag in der Prävention.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Gesundheitshauses?

Ein ganz persönliches Ziel wäre eine Vertretung für mich, weil die Arbeit manchmal doch sehr viel Zeit in Anspruch nimmt und ich eigentlich bei jeder Veranstaltung abends dabei bin. Außerdem würde ich mir wünschen, dauerhafte Kooperationen aufzubauen, denn nur gemeinsam kann man diese Themen bewegen. Darüber hinaus würde ich mir auch eine Zweigstelle mitten in der Stadt wünschen. Das ist auch etwas, was schon viele Teilnehmer und Besucher angeregt haben, da das Klinikum ja doch recht weit außerhalb der Stadt liegt. Genau mitten in der Stadt würde ich mir etwas wünschen, um auch noch mehr Menschen mit unserem Angebot zu erreichen, aber dazu fehlt mir einfach die Frauenpower, denn das alles alleine zu packen ist schwierig.

Vielen Dank für das Gespräch.