Rechtsextreme Aufmärsche am 1. Mai
Am Tag der Arbeit werden in vielen deutschen Städten Aufmärsche von Neonazis erwartet. Doch warum finden diese ausgerechnet am 1. Mai statt? Immerhin wurde der Gedenktag von der Arbeiterbewegung ins Leben gerufen. Eine Antwort auf diese Frage erhalten Sie hier.
In vielen Ländern weltweit wird am 1. Mai der Tag der Arbeit begangen. Auch in Deutschland ist er ein gesetzlicher Feiertag. Neben vergnüglichen Traditionen wie dem "Tanz in den Mai" oder der "Mai-Tour" haben sich jedoch auch weniger erfreuliche Rituale eingeschlichen: Die rechtsextreme Szene nutzt diesen Tag für Aufmärsche und politische Kundgebungen. Nicht selten kommt es dabei zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der linksextremen Szene. Besonders heikel ist die Situation alljährlich im Stadtteil Berlin Kreuzberg. Auch in Hamburg ist es im Jahr 2008 zu schweren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei, Rechtsextremisten und linken Gegendemonstranten gekommen. Dabei wurden mehrere Demonstranten festgenommen, rund 30 Polizisten verletzt sowie Geschäfte, Cafés und Autos beschädigt.
Doch warum gerade der 1. Mai? Immerhin wurde dieser "Protest- und Gedenktag" bereits im Jahr 1890 von der Arbeiterbewegung ins Leben gerufen.
Im Dritten Reich nahm der 1. Mai als nationaler Feiertag eine besondere Stellung ein. Als Adolf Hitler im Jahr 1933 die Macht ergriff, hatte er unter den vielfach sozialdemokratischen und kommunistisch eingestellten Arbeitern wenig Anhänger. Um diese für sich zu gewinnen erklärte er den 1. Mai zum "Tag der nationalen Arbeit". In einer gigantischen Propagandaveranstaltung wollte er den Eindruck von Arbeiterfreundlichkeit erwecken und die Massen vereinnahmen. Doch das war nur ein Täuschungsmanöver: Schon am nächsten Morgen zerschlugen Nationalsozialisten die freien Gewerkschaften und brachen der deutschen Arbeiterbewegung damit das Rückrad. Historiker sprechen in diesem Zusammenhang von einem "beispiellosen politischen Coup". In den Jahren danach wurde der 1. Mai zum "nationalen Feiertag des deutschen Volkes" erklärt. Er galt als einer der wichtigsten Feiertage. Die Nationalsozialisten beriefen sich dabei auf ein altes germanisches Brauchtum, nachdem am 1. Mai der "ewige Lebenskreislauf" bejaht wird.
Auch für den 1. Mai 2009 sind in vielen deutschen Städten Aufmärsche geplant. Die rechtsextreme Szene hat sich die Parole "Arbeit zuerst für Deutsche!" auf die Fahnen geschrieben. In Hannover wurde die Demonstration vom niedersächsischen Oberverwaltungsgericht verboten. Zu einer Gegenkundgebung unter dem Motto "Bunt statt braun" werden mehr als 10.000 Teilnehmer erwartet.
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