1. Forum zur Lehrergesundheit in Scheeßel
Am 04. Juni 2009 fand in Scheeßel das erste „Forum Lehrergesundheit“ statt. Wie kann Burnout von Lehrerinnen und Lehrern verhindert werden? Wie kann Gesundheitsförderung auf individueller und schulischer Ebene konkret aussehen? Darüber wurde auf dem Forum gemeinsam diskutiert.
Wie kann ich individuell Ressourcen aktivieren und Belastungen reduzieren?
Wie können auf schulischer Ebene Ressourcen aktiviert und Belastungen reduziert werden?
Im Kontext des Vortrags „Gesundheitsförderung und Lehrerentlastung im Rahmen des Sign-Projektes“ beim Schulleiter-Neujahrsempfang Anfang 2009 kam die Idee und das Interesse an einem regelmäßig stattfindenden offenen Forum für Schulleitungen und Sign-Koordinatoren zum Thema Lehrergesundheit. Als Pilotprojekt und Modellregion fand in Scheeßel am 04. Juni 2009 das erste „Forum Lehrergesundheit“ statt. Hierzu waren Schulleiter und Sign-Koordinatoren der Region eingeladen.
Gesundheitswissenschaftler Stephan Müller, Mitarbeiter der agentur prevent, stellte in einem Impulfsreferat Möglichkeiten der Burnoutprävention auf der individuellen Verhaltensebene und der schulischen Verhältnisebene vor:
Wie kann ich individuell Ressourcen aktivieren und Belastungen reduzieren?
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Genuss- und Erholungsfähigkeit: Wo und wie kann ich richtig genießen und mich erholen? Dies gilt es neu zu entdecken und zu mobilisieren. Diese Fähigkeit trägt entscheidend zur Reduzierung von Stress bei.
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Gesundheitsorientierten Lebensstil pflegen: Auch wenn es jeder weiß, gilt es dies immer wieder bewusst zu machen: Genügend Bewegung, gesunde und ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf sind wichtige Facetten eines gesundheitsorientierten Lebensstils.
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Verbessertes Selbstmanagement: Hierzu gehört es im Schulalltag Prioritäten zu setzen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Engagement, das über das Unterrichten und Erziehen hinausgeht, sollte auf das Machbare reduziert werden. Die oft hohen, unrealistischen Ansprüche schulischen Alltags sind auf ein realistisches Maß zu beschränken, so die einhellige Meinung des Pädagogikprofessors Rudolf Kretschmann von der Universität Bremen und des Pädagogen Dr. Heinz Klippert aus Landau.
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Kohärenzsinn: Dieser Ausdruck stammt von dem Soziologen Aaron Antonovsky. Damit meint er ein Gefühl der Verstehbarkeit, der Bewältigbarkeit und der Sinnhaftigkeit des Lebens, das immer wieder auf inidividuelle Stimmigkeit zu überprüfen ist: Kann ich die schulischen Anforderungen und Belastungen noch als geordnet und strukturiert wahrnehmen? Stehen mir genügend Ressourcen zur Verfügung, um den schulischen Alltag zu bewältigen? Empfinde ich meine Arbeit und mein Tun als sinnvoll? Letztlich geht es um die Überprüfung und Wiederentdeckung einer globalen Lebensorientierung des Menschen. Diese bezieht sich auf das Ausmaß, inwieweit jemand ein Gefühl des Vertrauens in die sich verändernden Umstände des Lebens hat. Professor Klaus Hurrelmann von der Hertie School of Governance in Berlin bezeichnet den Kohärenzsinn als „positives Lebenskonzept“.
Wie können auf schulischer Ebene Ressourcen aktiviert und Belastungen reduziert werden?
Auch dazu gab es beim „Forum Lehrergesundheit“ einige Impulse und Anregungen:
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Gutes Arbeitsklima: Dazu gehören eine klare und offene Kommunikation im Kollegium und durch die Schulleitung, ein konstruktiver Umgang mit Konflikten und eine faire und gerechte Behandlung der Kolleginnen und Kollegen.
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Soziale Unterstützung: Soziale Unterstützung hat eine stark stresspuffernde Wirkung. Dazu können emotionale Unterstützung und Verständnis für und von Kolleginnen und Kollegen gehören, aber auch eine produktive und effektive Zusammenarbeit. Beispielsweise könnten gemeinsam Materialien erarbeitet und über ein schulinternes Intranet ausgetauscht werden.
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Gutes Schulmanagement: Hierzu gehört vor allem Zielklarheit in Bezug auf Schulentwicklung unter der Leitfrage „Wohin wollen wir?“. Hilfreich ist zudem eine konsequente Projektorientierung, so Doris Kunz von der Pädagogischen Fachhochschule Nordwestschweiz. Vorhaben, welche über die tägliche Unterrrichts- und Erziehungsarbeit hinausgehen, werden mit Vorteil als Projekte konzipiert, welche Bestandteil der Langzeitplanung der Schule sind beziehungsweise sein sollten. Müssen zusätzliche Arbeiten während der Planungsperiode der Schule ausgeführt werden, weil sie zum Beispiel vom Kultusministerium angeordnet werden, müssen bereits geplante Projekte verschoben, unterbrochen oder vorläufig eingestellt werden.
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Arbeitsorganisation: Eine gesundheitsförderliche Arbeitsorganisation kann viele Aspekte beinhalten: Zum Beispiel das „Entmisten“ von Aufgaben unter der Frage „Worauf können wir verzichten?“ (beispielsweise bestimmte Tests oder Wettbewerbe); die frühzeitige Festlegung eines Jahresplanes mit klaren Prioritäten und Terminen; Aufbrechen des 45-Minuten-Taktes (Unterrichten mit weniger Zeitdruck und anschließend längeren, ausreichenden Pausen).
Viele der genannten Facetten waren nicht unbedingt neu, wurden aber wieder bewusst. Dieses Bewusstmachen und „in Erinnerung rufen“ wurde als notwendig erachtet und führte zu einer regen Diskussion. Doch wie groß ist der „objektive“ Gestaltungsspielraum für Gesundheitsförderung in Kollegien an Schulen? Wie groß ist der „genutzte“ Gestaltungsspielraum dafür? Ein möglicher Ansatzpunkt ist, den Gestaltungsspielraum durch Einigung auf einzelne Maßnahmen zu erhöhen. Auch wenn diese nicht zur Beseitigung aller Belastungen führt, gilt es aktiv zu werden, um im Lehrberuf gesund zu bleiben.
Eine Fortsetzung des Forums Lehrergesundheit wurde in halbjährigem Abstand gewünscht.