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2. Forum zur Lehrergesundheit in Scheeßel
2. Forum zur Lehrergesundheit in Scheeßel
Am 29. Oktober 2009 fand in Scheeßel das zweite „Forum Lehrergesundheit“ zum Thema „Prävention von Verhaltensauffälligkeiten und Unterrichtsstörungen“ statt. Welche Möglichkeiten der Entlastung und Prävention gibt es für Lehrerinnen und Lehrer? Darüber wurde auf dem Forum gemeinsam diskutiert.

Was meint der Begriff Verhaltensauffälligkeiten?

Die fünf Säulen der Erziehung

Nach der ersten Veranstaltung Anfang Juni 2009 fand das Pilotprojekt „Forum Lehrergesundheit“ in Scheeßel am 29. Oktober 2009 seine Fortsetzung. Auf Wunsch der Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten Forums gab es beim zweiten Forum Impulse und einen offenen Austausch zur Thematik „Prävention von Verhaltensauffälligkeiten und Unterrichtsstörungen“.

Gesundheitswissenschaftler Stephan Müller, Mitarbeiter der agentur prevent, umriss in einem Impulsreferat den Begriff Verhaltensauffälligkeiten. Anschließend stellte er Maßnahmen und Methoden vor, um Verhaltensauffälligkeiten und Unterrichtsstörungen vorzubeugen:

Was meint der Begriff Verhaltensauffälligkeiten?

Es gibt in der Literatur eine Vielzahl von Definitionen zu Verhaltensauffälligkeiten, Verhaltensschwierigkeiten und Verhaltensstörungen. Eine Abgrenzung dieser Begriffe ist äußerst schwierig. Eine anschauliche, übersichtliche und gut verständliche Begriffsklärung liefert Psychotherapeut und Schulpsychologe Dr. Franz Sedlak vom Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur in Wien. Sedlak definiert Verhaltensabweichungen wie folgt:

  • Verhaltensauffälligkeiten: Ein Verhalten ist auffällig, anders als das anderer, aber noch nicht notwendig schwierig oder gar gestört. Auffälliges Verhalten von Schülerinnen und Schülern kann von Rückzug, Traurigkeit bis zu „Auf-sich-aufmerksam-Machen“ im Unterricht reichen.
  • Verhaltensschwierigkeiten: Ein Verhalten bewirkt beim Handelnden beziehungsweise bei den Mitbetroffenen Schwierigkeiten, zum Beispiel ein ständiges Reinrufen in den Unterricht. Was allerdings als schwierig empfunden wird, ist personen-, beziehungs- und kulturabhängig.
  • Verhaltensstörungen: Ein Verhalten ist in seinem Ablauf, seiner Zielgerichtetheit und seiner Ausprägung gestört. Hier ist eine Diagnose und Hilfe durch Experten notwendig.
Nach Sedlak bilden die Grundmenge der Verhaltensabweichungen die Verhaltensauffälligkeiten, eine Teilmenge davon die Verhaltensschwierigkeiten und eine Teilmenge davon die Verhaltensstörungen. Die Bezeichnung Verhaltensauffälligkeiten lässt also Spielraum. Sedlak empfiehlt zunächst nur von der Grundmenge auszugehen, das heißt nur von Verhaltensauffälligkeiten zu sprechen.

Die fünf Säulen der Erziehung

Wie aber kann Verhaltensauffälligkeiten und Unterrichtsstörungen vorgebeugt werden? Im Rahmen des Präventionsprogramms Sign ist das Schülerverhalten wichtiger Bestandteil eines Workshops zur Lehrergesundheit. Dieser wurde in wesentlichen Zügen an diesem Tag vorgestellt. Der Workshop orientiert sich an den „fünf Säulen der Erziehung“ von Frau Professorin Sigrid Tschöpe-Scheffler, Fakultät für angewandte Sozialwissenschaften der Fachhochschule Köln. Tschöpe-Scheffler geht der Frage nach, wodurch sich „gute Erziehung“ auszeichnet. Mit den „fünf Säulen der Erziehung“ will sie keine goldenen Erziehungsregeln aufstellen. Es geht ihr vielmehr um die Ermutigung entwicklungsfördernde Aspekte bei Kindern und Jugendlichen weiter auszubauen und entwicklungshemmende zu minimieren. Welches sind aber nun die fünf Säulen?

  • Emotionale Wärme: Damit ist die Schaffung einer wohlwollenden Atmosphäre in Klassen gemeint. Dieser emotionale Aspekt kann beispielsweise durch ein Lächeln, eine zugewandte Haltung oder einen Blickkontakt von Erwachsenen gegenüber Kindern und Jugendlichen geäußert werden. .
  • Achtung und Respekt: Tschöpe-Scheffler greift hier auf den polnischen Arzt und Pädagogen Janusz Korczak zurück. Dieser betont die Bedeutung der Wertschätzung von Kindern und Jugendlichen. Er meint damit unter anderem eine „dialogische Struktur“ zwischen Kindern und Erwachsenen, das heißt, die Anerkennung des Jugendlichen als vollwertigen Interaktionspartner. Dies bedeutet für Korczak außerdem Kindern und Jugendlichen ihren eigenen Weg zuzutrauen und auch zuzumuten; selbst wenn es der „allerschlimmste Weg“ wäre.
  • Kooperation: Kinder und Jugendliche werden in Entscheidungen einbezogen. Es geht um deren Teilhabe und Teilnahme. Vorschläge, Beteiligung und Mitbeteiligung von Schülerinnen und Schülern sind erwünscht.
  • Struktur und Verbindlichkeit: Normen und Regeln schreiben den Rahmen für erwünschte und gebilligte Verhaltensregeln in einer Gesellschaft vor. Genauso strukturieren Regeln an Schulen den Umgang miteinander. Je größer die Mitbeteiligung von Schülerinnen und Schülern bei der Regelerstellung ist, desto höher ist auch deren Einsicht und Akzeptanz. Regeln und Grenzen sollten im sozialen Miteinander erlernt, verstanden und anerkannt werden.
  • Allseitige Förderung: Tschöpe-Scheffler stellt bei dieser Säule eine an Anregungen reiche Umgebung in den Vordergrund. Das Sign-Programm versteht dabei neben den in Schule zu erwerbenden üblichen fachlichen Kompetenzen vor allem die Förderung auch emotionaler und sozialer Kompetenzen.

Eine zeitlich und inhaltlich ausgewogene Beachtung und Pflege dieser „fünf Säulen der Erziehung“ kann einen Beitrag zur Prävention von Verhaltensauffälligkeiten und Unterrichtsstörungen liefern. Zu allen fünf Säulen wurden während des zweiten Forums zur Lehrergesundheit unterstützende Materialien und Methoden vorgestellt und gemeinsam diskutiert.

Ein weiteres Forum Lehrergesundheit wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern gewünscht und ist für das Frühjahr 2010 an der Beeke-Schule in Scheeßel geplant. An diesem Tag werden sich die Forum-Teilnehmerinnen und –Teilnehmer mit dem Thema „Stressmanagement für Lehrerinnen und Lehrer“ auseinandersetzen.

Mehr zum 1. Forum Lehrergesundheit finden Sie hier